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Coburg

Endlich wieder ein sauberer Klang aus 1390 Pfeifen

Sie war verschmutzt, verstimmt und teilweise kaputt. Nun wurde die Orgel der Seßlacher Stadtpfarrkirche renoviert.



Die im Jahr 1891 erbaute Orgel der Seßlacher Stadtpfarrkirche erstrahlt im neuen Glanz. Zuvor machte sich Christian Beck vor dem Eingangsportal beim Säubern der Pfeifen verdient. Fotos: Thomas Rauscher
Die im Jahr 1891 erbaute Orgel der Seßlacher Stadtpfarrkirche erstrahlt im neuen Glanz. Zuvor machte sich Christian Beck vor dem Eingangsportal beim Säubern der Pfeifen verdient. Fotos: Thomas Rauscher  

Seßlach - Sie war eine der ersten pneumatischen Kegelladen überhaupt: die von der Firma Orgelbau Joh. Wolf & Sohn (Bayreuth) im Jahr 1891 erbaute Orgel für die Seßlacher Stadtpfarrkirche Sankt Johannes den Täufer. Jetzt wurde das fast 130 Jahre alte Instrument aufwendig renoviert. "Die Orgel wurde innen und außen gereinigt, gegen Holzwurm behandelt und alle technischen Defekte und Defizite, soweit möglich, beseitigt", fasst es der beauftragte Orgelbauer Christian Beck (Coburg) zusammen.

Als im Zuge der Kirchenrenovierung im Jahr 1888 die barocken Emporen verändert wurden, wurde ebenfalls das von der Seßlacher Orgelbaufamilie Schöpf erbaute Tasteninstrument ausgebaut. Ersetzt wurde es durch die neue Orgel mit 21 Registern. Wie sein Vorgänger ordnet sich auch das Gehäuse des neuen Aerophons in zwei Teilen um das rückwärtige gotische Fenster an.

50 Jahre später, im Jahr 1938, wurde die Gesamtanlage durch die Lichtenfelser Firma Orgelbau Dietmann modernisiert, nach Plänen des Bamberger Domkapellmeisters Klein. Bei der Renovierung 1982 wurde dann der Spieltisch von der Marktbreiter Orgelbaufirma Gebr. Mann elektrifiziert. Doch nun war die Orgel erneut renovierungsbedürftig. "Sie ist verschmutzt, verstimmt und weist etliche technische Ausfälle auf", informierte Birgit Rauscher von der Kirchenverwaltung bereits im Juni via Pfarrbrief die Gläubigen.

Drei Wochen lang war Orgelbauer Beck ab 5. August damit beschäftigt, diese Arbeiten durchzuführen. Während der Renovierung blieb die Stadtpfarrkirche geschlossen. Warum, das erschloss sich beim Blick in die Kirche schnell: Freiwillige hatten mit angepackt, um die 1390 Orgelpfeifen auszubauen und diese auf den Kirchenbänken zwischenzulagern. Pfeife für Pfeife wurde dann vor der Kirche ausgeblasen, gesäubert und wenn nötig repariert. "Den Dreck von 20 Jahren zu beseitigen, dauerte natürlich", schildert der 52-Jährige. Zuletzt war die Orgel im Zuge der Kirchensanierung im Jahr 2000 gereinigt worden.

Nach dem Säubern wurde Register für Register wieder eingebaut. Die Pfeifen wurden intoniert, das heißt, ihr Klang überprüft und jede einzelne mit anderen Pfeifen derselben Klangfarbe abgestimmt. "Allein das Intonieren hat fast zwei Wochen gedauert", informiert Beck, der auch als Pastoralreferent und Seelsorger tätig ist. Einige Pfeifen, aus denen vorher "keine Power rauskam", wurden zudem kräftiger gemacht. Während viele Töne gar nicht mehr funktionierten, konnten andere, bedingt durch Ausfälle in der elektrischen Traktur, nicht mehr angesteuert werden. "Es gab keinen Tag ohne neue Probleme", beschreibt Beck den Fortgang der Sanierung. Ein Umstand, der ihm zeigte, wie nötig, ja überfällig, die Maßnahme war.

Denn die Orgel hatte noch ein grundsätzliches Problem: Ihr Klang. Beck zufolge war der Größe des Kirchenraums bei weitem nicht angemessen. Besonders, wenn alle Register gezogen wurden, "tutti", wie es der Experte nennt, sei das Ergebnis unbefriedigend gewesen. "Das war neben der Reinigung der Hauptgrund der Maßnahme", erläutert der 52-Jährige. Um diesen Umstand zu verbessern, wurden nun Klangschlitze ins Gehäuse gefräst, damit Töne zukünftig auch seitlich aus dem Instrument kommen. Dennoch warnt der Experte vor überzogenen Erwartungen: "Die Substanz stammt aus dem Jahr 1891 und die Elektrifizierung im Jahr 1892 war sicher nicht nur zum besten", so Beck. Keineswegs käme die sanierte Orgel nun einem Neubau gleich, so hätten sich etwa die Probleme mit der Klangfarbe "nur in begrenztem Umfang verbessern lassen". Dass ein Neubau besser gewesen wäre, weil die Qualität des Instruments "nicht mehr so doll ist", verhehlt der Restaurator nicht. Immerhin habe er es annähernd geschafft, in drei Wochen das Beste aus dem vorhandenen Material zu machen und die Substanz zu erhalten. Beck: "Nun funktioniert alles wieder, außerdem zeigt sich der Klang deutlich verbessert."

Was die Renovierung gekostet hat, kann Beck bisher nur schätzen. Er rechnet mit "knapp unter 10 000 Euro", eine Summe, die nur dank der vielen freiwilligen Helfer möglich war. "Ohne die Engagierten wäre die Reparatur viel teurer geworden und hätte länger gedauert", so der Coburger. Zur Maßnahme gehörten auch der Einbau einer Wartungsbeleuchtung sowie einer Beleuchtung am Spieltisch, fürs Bedienen des Pedals.

Am 24. August wurde das runderneuerte Instrument im Gottesdienst gesegnet. Dabei ließ der Orgelbauer immer wieder nur einzelne Pfeifen erklingen und erläuterte sie. Am 16. November soll die Orgel mit einem Konzert offiziell wieder in Betrieb genommen werden. Am Spieltisch wird erneut der Restaurator persönlich Platz nehmen, der nebenberuflich als Organist und Kantor aktiv ist. Er wird die Orgel nicht nur erklingen lassen, sondern auch nochmals erklären. Mitgestalten wird das Konzert neben dem Posaunenchor Heilgersdorf auch ein erweiterter Kirchenchor Seßlach. "Für dieses Projekt suchen wir wieder sangesfreudige Damen und Herren zur Unterstützung des Chores", informiert Chorleiterin Monika Rößner. Probenbeginn ist Mitte September, insgesamt fünf Termine sind angesetzt: am 9. und 30. September, 14. und 28. Oktober sowie am 11. November.

Autor

Bettina Knaut
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
03. 09. 2019
17:36 Uhr

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Bettina Knaut

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Veröffentlicht am:
03. 09. 2019
17:36 Uhr



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