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Coburg

Eng verflochten, stark und innovativ

Der "Tag der Franken" ist eine Hommage an das Zusammenwachsen von Neustadt und Sonneberg. Vieles von dem, was heute Normalität ist, war vor 30 Jahren revolutionär.



"Wir denken nicht in Landkreisen. Ein Wirtschaftsraum kennt keine politischen Grenzen": Rüdiger von Berg (Foto) sorgte als Chef der Raiffeisenbank Coburg kurz nach dem Mauerfall bundesweit für Schlagzeilen. Am 14. März 1990 unterzeichneten er und Fritz Eichhorn (rechts) von der "Bank für Handwerk und Gewerbe" einen Kooperationsvertrag, der in die Fusion zur Gewerbebank Coburg-Sonneberg mündete.	Repro: BankInformation 07/1990, Seite 20
"Wir denken nicht in Landkreisen. Ein Wirtschaftsraum kennt keine politischen Grenzen": Rüdiger von Berg (Foto) sorgte als Chef der Raiffeisenbank Coburg kurz nach dem Mauerfall bundesweit für Schlagzeilen. Am 14. März 1990 unterzeichneten er und Fritz Eichhorn (rechts) von der "Bank für Handwerk und Gewerbe" einen Kooperationsvertrag, der in die Fusion zur Gewerbebank Coburg-Sonneberg mündete. Repro: BankInformation 07/1990, Seite 20  

Coburg - Erstmals findet der "Tag der Franken" bundesländerübergreifend statt - und zwar am kommenden Wochenende in den Städten Neustadt/C und Sonneberg. Aus gutem Grund, denn Coburger Land und Südthüringen sind trotz der Landesgrenze seit jeher ein eng verflochtener Sprach-, Kultur- und Wirtschaftsraum. Beide Städte verbindet die Jahrhunderte alte Tradition der Spielwarenfertigung, der itzgründisch-fränkische Dialekt und das Schicksal einer jahrzehntelangen Randlage durch den Eisernen Vorhang. Heute prägen Unternehmen der Automobilzulieferer- und Spielzeugindustrie, Kunststoff verarbeitende Betriebe sowie der Maschinenbau das Bild einer mittelständisch aufgestellten Region. Die wirtschaftliche Stärke basiert auf der hohen Innovationskraft, die unter anderem dazuführt, dass Sonneberg seit Jahren die niedrigste Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland aufweist. Nach den Statistiken der Arbeitsagenturen herrscht hüben wie drüben Vollbeschäftigung.

Die prosperierende Entwicklung ist das Ergebnis eines langjährigen Prozesses, der nicht immer konfliktfrei war. Denn mit der Wiedervereinigung rückte die Region nicht nur wieder in die Mitte Deutschlands und Europas, sondern bescherte beiden Seiten zunächst einschneidende Prozesse: Massiven Arbeitsplatzverlusten in Südthüringen stand der Abbau von Förderungen im Coburger Land gegenüber. Eine schwierige Phase, die mittlerweile überwunden und 30 Jahre nach dem Mauerfall Geschichte ist.

Dennoch lohnt sich ein Blick zurück, zumal schon vor oder kurz nach der Wiedervereinigung zahlreiche Impulse zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit von Coburg ausgingen, die vielen anderen Regionen als Beispiel dienten. So war die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Coburg im Sommer 1990 die bundesweit erste Kammer, die auf DDR-Gebiet eine Sitzung der Vollversammlung durchführte. Das Treffen mit der DDR-Kammer fand auf Initiative der IHK-Präsidenten Heinrich G. Bender (Coburg) und Reinhold Sippel (Erfurt) in Schloss Friedenstein in Gotha statt. Sippel sprach von einer "bewegenden Stunde" und verband mit der Zusammenkunft die Hoffnung auf eine Renaissance der alten Verbundenheit der Städte Coburg und Gotha sowie einen gemeinsamen Neuanfang.

Als Pionier im Bankenwesen sorgte die Raiffeisenbank Coburg bundesweit für Schlagzeilen. Unter der Führung von Rüdiger von Berg fusionierte sie schon im März 1990 mit der Volksbank Sonneberg zur Gewerbebank Coburg-Sonneberg. Daraus ging - nach weiteren regionalen Zusammenschlüssen - zunächst die VR-Bank Coburg-Rennsteig hervor, die wiederum seit 2006 unter VR-Bank Coburg firmiert.

"In wilden Zeiten musst du deine Claims abstecken", beschreibt der heute 77-jährige von Berg seine damalige Intention. Bei einer Besichtigung Sonnebergs Ende 1989 sei ihm das Gebäude der "Bank für Handwerk und Gewerbe" aufgefallen. Aus einer ersten Kontaktaufnahme heraus entwickelten sich schnell konkrete Fusionsgedanken. Am 14. März des Folgejahres unterzeichneten die Direktoren Rüdiger von Berg und Fritz Eichhorn den Kooperationsvertrag. In den Medien war von einer "historischen Stunde" die Rede. "Das war keine Übernahme, sondern eine Partnerschaft auf Augenhöhe und Vertrauen", sagt von Berg, der sich mit seinem Motto "Wir denken nicht in Landkreisen. Ein Wirtschaftsraum kennt keine politischen Grenzen" große Verdienste um das wirtschaft- und gesellschaftliche Zusammenwachsen in der Region erworben hat.

Zusammen mit der IHK zu Coburg entwickelte das Institut noch 1990 das sogenannte "Coburger Modell" - ein Projekt, bei dem Bankangestellte aus der DDR nach dem bundesdeutschen Berufsbild des Bankkaufmanns ausgebildet wurden.

Tourismusverein Coburg.Rennsteig, Deutsche Spielzeugstraße, der bayerisch-thüringische Klinikverbund Regiomed oder die Initiative Rodachtal: Die Region und ihre Menschen verstehen sich inzwischen überwiegend als Einheit - und präsentieren sich auch so. Das spiegelt sich im "Tag der Franken" eindrucksvoll wider. Was für die Wirtschaft gilt, trifft auch auf das Kulturelle zu. Puppenfestival, Tag des offenen Denkmals oder Museumsnacht sind "Dauerbrenner" im gemeinsamen Terminkalender. Dagegen war der Zusammenarbeit zwischen Landestheater Coburg und Staatstheater Meiningen nur vor kurzer Dauer.

Schon vor der Wende war es dem damaligen Verwaltungsdirektor des Landestheaters, Wolfgang Vatke, gelungen, die historischen Bande zu reaktivieren: Nach mehrjährigen Verhandlungen gastierten die Coburger am 10. April 1988 erstmals mit dem Schauspiel "Marat/de Sade" in Meiningen, sieben Wochen später führten die Meininger "Die Aula" von Hermann Kant in Coburg auf. Unmittelbar nach der Grenzöffnung vereinbarten die beiden Häuser weitere gegenseitige Gastspiele, die Kooperation endete 1992. Anlässlich des zehnten Jahrestags der Grenzöffnung gab es 1999 einen Shakespeare-Transfer: Coburgs Schauspieler zeigten "Viel Lärm um Nichts" in Meiningen, das dortige Ensemble revanchierte sich mit einem "Sommernachtstraum".

Autor
Christoph Scheppe

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Veröffentlicht am:
02. 07. 2019
17:38 Uhr

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Christoph Scheppe

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Veröffentlicht am:
02. 07. 2019
17:38 Uhr



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