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Coburg

Entlassungen bei Gaudlitz

Das Unternehmen kündigt einen Personalabbau an. Grund sei das schwierige Umfeld in der Automobilindustrie. Der Kunststoffspezialist will sich jetzt neu aufstellen.



Der Coburger Kunststoffspezialist Gaudlitz bekommt die Krise in der Automobilindustrie zu spüren. Deshalb muss das Unternehmen seine Organisation und Produktion erneuern und auch Personal abbauen.
Der Coburger Kunststoffspezialist Gaudlitz bekommt die Krise in der Automobilindustrie zu spüren. Deshalb muss das Unternehmen seine Organisation und Produktion erneuern und auch Personal abbauen.   Foto: privat

Coburg - Knapp 1,9 Millionen Pkw haben deutsche Autohersteller in den ersten sechs Monaten 2019 exportiert - im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein sattes Minus von 15 Prozent. Das hat zu einem zwölfprozentigen Rückgang in der Produktion geführt. Von Januar bis Juni wurden "nur" noch 2,5 Millionen Autos gebaut. Als Grund nannte der Branchenverband VDA die schwächelnde Auslandsnachfrage. Speziell in den großen Absatzmärkten USA und China wird ein Rückgang um zwei beziehungsweise vier Prozent der in diesem Jahr neu zugelassenen Fahrzeuge erwartet.

Fakten und Zahlen

Oskar Gaudlitz hat die heutige Gaudlitz GmbH 1937 im Kanonenweg in Coburg gegründet. Die Geschäftstätigkeit konzentrierte sich anfangs auf die Herstellung von Duroplastpressteilen. 1955 erfolgte der Umzug in die Fabrik in der Callenberger Straße.

 

1992 verkaufte die Familie Gaudlitz das Unternehmen an die Wasag Chemie AG mit Sitz in Essen, die sich damals neu ausrichtete. Die Wasag war ein führender Sprengmittel-Hersteller gewesen. 2001 wurde die Wasag mit der zur Hamburger H & RGruppe gehörenden Schmierstoffraffinerie Salzbergen GmbH verschmolzen. Inzwischen führt der H & R-Konzern Gaudlitz als eigenes Unternehmen in der Sparte Kunststoffe.

 

Gaudlitz ist spezialisiert auf die Herstellung hochpräziser, kundenspezifischer Kunststoffteile und -systeme für die Medizin- und Automobilindustrie.

 

Gaudlitz ist mit derzeit knapp 300 Mitarbeitern nach eigenen Angaben einer der größten Arbeitgeber in Coburg.

 

Tochterunternehmen von Gaudlitz haben ihren Sitz in China, der Tschechischen Republik und den USA.

 

Diese negative Entwicklung trifft den Coburger Automobilzulieferer Gaudlitz GmbH. Die Unsicherheit in der Branche, auch mit Blick auf die Zukunft von Verbrennungs- und Elektromotor im Antriebsstrang von Fahrzeugen, habe sich schon im Sommer vergangenen Jahres abgezeichnet, sagte Geschäftsführer Niels Roelofsen. Das werde von den Herstellern an die Zulieferer durchgereicht. "Die Lager werden kleiner, es wird weniger bestellt" erläuterte Roelofsen in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Dienstag. Der Druck der Kunden nehme stetig zu. "Die internationalen Wettbewerber produzieren zu deutlich niedrigeren Personalkosten, als uns dies am Gaudlitz-Stammsitz Coburg möglich ist, und bieten Konditionen, bei denen wir nicht mithalten können", so Geschäftsführer Niels Roelofsen

Für den Kunststoffspezialisten Gaudlitz habe das zur Konsequenz, "dass sich der Umsatz in einem spürbaren Maße nach unten entwickelt". Bislang habe man das mit der Optimierung von Prozessen auffangen können. Jetzt reiche das nicht mehr aus. Es müsse auch Personal abgebaut werden. Konkrete Zahlen nannte der Geschäftsführer nicht - weder zum Umsatz noch zur Zahl der geplanten Entlassungen. Derzeit sind bei Gaudlitz 283 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Beim Abbau werde man sich "in einer Größenordnung von zehn Prozent bewegen", so der Geschäftsführer.

Am Dienstag habe die Unternehmensleitung die Führungskräfte, den Betriebsrat und die Belegschaft über die Entwicklung informiert. Mit Blick auf die Auseinandersetzung mit der Gewerkschaft IG Metall im Juli 2018 sagte Roelofsen, er hoffe auf eine professionelle Zusammenarbeit bei der Umsetzung des Erneuerungsprozesses. Denn: "Angesichts der Zahlen führt kein Weg daran vorbei. Wir müssen gemeinsam zu einer Lösung kommen." Der Geschäftsführer kündigte eine "konsequente Neuorientierung" an, "um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Coburg nachhaltig zu stärken". Er betonte ausdrücklich, dass die Entscheidungen dazu nicht kurzfristig gefasst worden seien, sondern über einen langen Zeitraum hinweg gereift und mit dem Gesellschafter, der Hamburger H & R-Gruppe, sowie dem Aufsichtsrat abgestimmt seien.

Gaudlitz werde seine Vertriebsaktivitäten sowohl in seinem Kerngeschäft - Zulieferung für Autobauer sowie für die Medizin- und Industrietechnik - "als auch in Branchen außerhalb der Automobilindustrie stärken", erläuterte Roelofsen. Gleichzeitig werde das Unternehmen seine innerbetrieblichen Strukturen und Abläufe in Produktion und Verwaltung "konsequent auf den Prüfstand stellen". Dazu bediene sich Gaudlitz der Coburger Aveneo Consulting GmbH, um das Unternehmen zukunftssicher aufzustellen. Ziel sei "eine deutliche Verbesserung der Produktivität und eine deutliche Senkung der Arbeitskosten". Mit der Umsetzung des Restrukturierungskonzepts werde sofort begonnen.

"Wir kennen die Größenordnung der erforderlichen Kostenreduzierung und können deshalb auch eine Personalanpassung nicht vermeiden." Diese Entscheidung sei der Geschäftsführung nicht leicht gefallen. "Wir fühlen uns unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie der Stadt Coburg verbunden. Gleichzeitig müssen wir diesen wichtigen Schritt möglichst schnell einleiten, um das Unternehmen Gaudlitz in allen Bereichen am Standort Coburg zukunftsfähig zu machen", betonte Niels Roelofsen. Die Unternehmensleitung werde dazu umgehend Gespräche mit der Arbeitnehmervertretung aufnehmen "und mit dieser eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten, um unsere Ziele zu erreichen". Dabei gehe es darum, "für alle eine verträgliche Lösung zu finden: für die Mitarbeiter, für das Unternehmen, für die Gewerkschaft". Er sei zuversichtlich, dass Gaudlitz "das Ziel der nachhaltigen Standortsicherung" mit der geplanten Strategie erreichen werde. Wesentliche Teile des Unternehmens und damit das "gesunde Kerngeschäft" blieben erhalten.

Der Kunststoffspezialist habe in seiner langen Unternehmensgeschichte schon einige schwierige Situationen erfolgreich gemeistert und blicke "mit dieser konsequenten Weiterentwicklung des Geschäftsmodells positiv in die Zukunft". Für die Kunden werde sich nichts ändern. "Seit jeher schätzen diese die Gaudlitz-Standards auf Weltklasse-Niveau", betonte Geschäftsführer Roelofsen.

Jürgen Apfel, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Coburg, erklärte, für die Gewerkschaft sei noch relativ vage, wie Gaudlitz umstrukturiert werden soll. Klar sei, dass der Betriebsrat nach den ihm zustehenden Rechten informiert werden müsse und einen Sachverständigen hinzuziehen könne. Die Regeln gebe das Betriebsverfassungsgesetz vor.

Die unternehmerische Entscheidung, Gaudlitz zu restrukturieren, sei gefallen; daran lasse sich nichts ändern. Aber die IG Metall werde darauf achten, dass dies "fair, sauber, transparent und gerecht" abläuft und die Frage geklärt wird, ob bei dem anstehenden Stellenabbau ein Sozialplan erforderlich ist. "Darauf werden wir achten. Wir stehen für konstruktive Gespräche bereit", betonte Jürgen Apfel.

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Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
09. 07. 2019
14:02 Uhr

Aktualisiert am:
09. 07. 2019
18:43 Uhr

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Wolfgang Braunschmidt

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09. 07. 2019
14:02 Uhr

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09. 07. 2019
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