Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Coburg

Stellungnahme

Fakten ernst nehmen

Zum Artikel "Ideologische Scheuklappen: Große Betroffenheit bei der Wirtschaft" ( Neue Presse vom 27. Juli).



Zum Artikel "Ideologische Scheuklappen: Große Betroffenheit bei der Wirtschaft" ( Neue Presse vom 27. Juli).

 

Friedrich Herdan, Präsident der IHK zu Coburg, hat eine sehr pointierte Stellungnahme zur "Creapolis"-Veranstaltung "Ressource Stadtraum: Wieviel Auto braucht die Stadt?" geschrieben. Bei aller Wertschätzung meinem Stadtratskollegen gegenüber: Ich bin "Creapolis" dankbar, dass Dr. Markus Neufeld und die Hochschule Coburg sich des wichtigen Themas angenommen haben, und zwar ohne "ideologische Scheuklappen", wie es Herr Herdan unterstellt. Leider war trotz Einladung kein Vertreter der IHK zu Coburg bei der Veranstaltung zugegen und es fehlte auch im Publikum an Befürwortern einer weiterhin hauptsächlich von Kraftfahrzeugen gestützten Mobilität. Mitdiskutieren wäre meiner Meinung nach besser gewesen als im Nachhinein eine Stellungnahme zu schreiben.

Es gibt gute Gründe die Art, wie wir gegenwärtig Mobilität in den Städten und landesweit organisieren, kritisch zu hinterfragen! Um es konkret auf die Stadt Coburg zu beziehen: Der Verkehrssektor ist zweitgrößter Verursacher von Treibhausgasemissionen - nach dem Sektor Gewerbe, Industrie und Handel. Während wir in anderen Bereichen eine Reduktion von Treibhausgasemissionen verzeichnen können, zum Beispiel in Haushalten und Gebäuden, steigen die Emissionen im Verkehrsbereich! Neben CO2-Emissionen verursachen die mit Verbrennungsmotor angetriebenen Fahrzeuge Stickoxide, Feinstaub, Lärm und andere umwelt- und gesundheitsgefährdende Stoffe. Autos und Lkw bedeuten die größte Gefahr für die anderen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer, die auf zwei Rädern oder zu Fuß unterwegs sind. Da reicht der Blick in die Unfallstatistik, da reichen auch leider die Erfahrungen, die man auf dem Fahrrad, dem E-Bike oder zu Fuß in unserer Stadt machen kann.

Öffentlicher Raum in der Stadt ist knapp. In Zukunft wird es mehr denn je darum gehen, diesen Raum möglichst gut zu nutzen. Gut im Sinne der Daseinsvorsorge, aber auch im Sinne von Lebensqualität und Nachhaltigkeit. Dazu gehören der Ressourcen- und der Klimaschutz. Wenn ich mir den Straßenverkehr in unserer Stadt mit einer steigenden Zahl von Autos und Lkw vergegenwärtige, sehe ich eher eine "Orgie der Verschwendung" als eine Mobilität, die mit geringfügigen Verbesserungen so weiterbetrieben werden kann, weil sie die Existenzgrundlage der in Coburg ansässigen Automotive-Firmen ist. Ich schreibe das am 29. Juli, dem "Overshoot-Day” in Deutschland: Ab heute verbrauchen wir bis zum Ende des Jahres die Ressourcen, die unser Planet in Jahresfrist nicht erneuern kann. Ich schreibe das im Jahr 2019, in dem Deutschland wieder mehr Treibhausgase in die Atmosphäre emittiert als unser Planet und unser Klima vertragen. Das hat doch nichts mit "ideologischen Scheuklappen" zu tun, wenn man diese Fakten ernst nimmt.

Ich traue der deutschen Automobilindustrie und den Zulieferbetrieben die Fähigkeit zu, grundlegende Veränderungen mitzugehen. Da ist alles da, was man für eine Weiterentwicklung, für einen Quantensprung braucht. Wir brauchen jetzt eine echte Verkehrswende, sonst steuern wir auf einen kritischen Punkt zu. Der Verkehrssektor spielt da eine wichtige Rolle. Auch in Coburg. Gehen wir doch diesen Weg gemeinsam, denn ich glaube nicht, dass wir uns über das gemeinsame Ziel ernsthaft streiten müssen.

Autor

Wolfgang Weiß, Coburger Klimaschutzbeauftragter
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
30. 07. 2019
17:14 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Autobranche Deutsche Autoindustrie Fahrräder Fahrzeuge und Verkehrsmittel Friedrich Herdan Hochschule Coburg Industrie- und Handelskammern Lastkraftwagen Mobilität Neue Presse Stadt Coburg Straßenverkehr Verkehrsteilnehmer Wirtschaftsbranche Verkehr
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Ideologische Scheuklappen: Große Betroffenheit bei der Wirtschaft

26.07.2019

Ideologische Scheuklappen: Große Betroffenheit bei der Wirtschaft

Das Hochschulprojekt "Creapolis" hatte zu einer Diskussion über "Nachhaltige Mobilität in der Stadt" eingeladen. » mehr

Während der Hochschulveranstaltung Campus.Design.Open haben Studierende demonstriert, wofür Parkplätze genutzt werden könnten. Archivbild: Rosenbusch

24.07.2019

Auf Autos verzichten, Raum gewinnen

Im alten Schlachthof wurde über die Zukunft der Mobilität gesprochen. Dabei wurde klar: Ein Alltagsgegenstand könnte verzichtbar werden. » mehr

Katja Birk, Mitarbeiterin des Autohauses Wormser auf der Lauterer Höhe in Coburg, "betankt" einen Elektro-Mini. Ladeinfrastruktur ist entscheidend dafür, dass Elektro-Autos an Akzeptanz gewinnen, betont die Mobilitätswerk GmbH Coburg. Sie hat für die Stadt und den Landkreis Coburg ein "kommunales Elektromobilitätskonzept" erstellt.	Foto: Norbert Klüglein

26.08.2019

Mit jeder Ladestation steigt die Akzeptanz

Während Sonneberg auf die Wasserstofftechnologie setzt, beschäftigt man sich in Coburg stark mit der Elektromobilität. Dazu liegt eine Prognose vor. » mehr

In diesem Jahr unterstützt die Sparkassenstiftung drei Einrichtungen aus dem Raum Coburg und Lichtenfels mit einer Spende von insgesamt 19 000 Euro.

12.05.2019

Stiftung übernimmt Verantwortung für Region

Die Sparkasse fördert gemeinnützige Einrichtungen. Die Ausschüttung findet in Weismain statt. » mehr

Es geht voran: Der ICE hält künftig öfter in Coburg. Und auch das Bahnhofsumfeld soll attraktiver gestaltet werden. Foto: Frank Wunderatsch

10.04.2019

Ein "Zukunftsbahnhof" für Coburg

Ab Anfang Dezember sollen vier ICE-Zugpaare über die Vestestadt verkehren. Außerdem wird der Bahnhof in ein besonderes Programm der Bahn aufgenommen. » mehr

Nur ein erster Entwurf, der noch architektonisch überarbeitet wird: das Kongresshotel am Coburger Anger, für das der Stadtrat am Donnerstag "grünes Licht" gab. In nichtöffentlicher Sitzung wurde der Verkauf des Grundstücks an den Investor beschlossen.	Entwurf: Architekturbüro Soyk

11.04.2019

Das Hotel am Anger kann kommen

Der Coburger Stadtrat diskutiert am Donnerstag stundenlang: erst über den Bebauungsplan, dann über das Projekt selbst und schließlich über die Einbeziehung des Gestaltungsbeirats. Am Ende wird beschlossen, dass die Planu... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Run of Hope in Kronach

Run of Hope in Kronach | 15.09.2019 Kronach
» 28 Bilder ansehen

Theaterfest-Nachmittag

Theaterfest-Nachmittag | 15.09.2019 Coburg
» 22 Bilder ansehen

Oldtimertreffen in Coburg

Oldtimertreffen in Coburg | 15.09.2019 Coburg
» 10 Bilder ansehen

Autor

Wolfgang Weiß, Coburger Klimaschutzbeauftragter

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
30. 07. 2019
17:14 Uhr



^