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Coburg

Finanzspritze für Regiomed

Die Stadt und der Landkreis Coburg sowie der Kreis Lichtenfels schießen Geld in den Klinikverbund. In welcher Höhe bleibt bislang unbekannt.



Der Regiomed-Klinikkonzern - hier das Krankenhaus Coburg - ist in eine finanzielle Schieflage geraten. Um die Liquidität der GmbH zu sichern, schießen die Gesellschafter, die Städte und Landkreise Coburg, Lichtenfels, Hildburghausen und Sonneberg, jetzt Geld zu.
Der Regiomed-Klinikkonzern - hier das Krankenhaus Coburg - ist in eine finanzielle Schieflage geraten. Um die Liquidität der GmbH zu sichern, schießen die Gesellschafter, die Städte und Landkreise Coburg, Lichtenfels, Hildburghausen und Sonneberg, jetzt Geld zu.   Foto: Archiv

Coburg/Sonneberg - Der Klinikverbund Regiomed ist in eine finanzielle Schieflage geraten. Die Gesellschafter, die Städte und Landkreise Coburg, Lichtenfels und Hildburghausen und Sonneberg, müssen Geld zuschießen. Die Kreistage Coburg und Lichtenfels haben in nicht öffentlichen Sitzungen entsprechende Beschlüsse gefasst, der Stadtrat von Coburg sollte nach Informationen der Neuen Presse am späten Donnerstagabend folgen. Insgesamt soll es um einen Betrag zwischen acht und zehn Millionen Euro gehen, um die Liquidität des bayerisch-thüringischen Krankenhauskonzerns kurzfristig wieder herzustellen. Das ist notwendig, um beispielsweise die Auszahlung von Gehältern sicherzustellen oder Handwerkerrechnungen zu begleichen, die beim Bau der neuen Regiomed-Zentralküche in Lichtenfels fällig werden.

In öffentlicher Sitzung schuf der Coburger Stadtrat am Donnerstag mit der Verabschiedung eines "Betrauungsaktes" die rechtliche Voraussetzung, damit die Zahlung erfolgen kann. Im nicht öffentlichen Teil wurde das Gremium dann über die Höhe der notwendigen Ausgleichszahlung informiert. Zudem wurde beraten, ob diese als Bürgschaft, Eigenkapital oder Darlehenszahlung erfolgt.

Dr. Hans-Heinrich Eidt (FDP) wollte darlegen, welche Maßnahmen er jetzt erwartet, um Regiomed möglichst schnell wieder in die Gewinnzone zu bringen. Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) entzog ihm jedoch das Wort. Darauf kündigte Eidt an, er werde gegen den Betrauungsakt votieren, der vom Coburger Stadtrat ohne Diskussion mit 34 gegen eine Stimme angenommen wurde.

Auch beim Regiomed-Gesellschafter Landkreis Sonneberg bleibt bislang offen, welchen Anteil er zu tragen hat, um das Defizit des Klinik-Konzerns einzuebnen. Eine eindeutige Erwartunghaltung oder belastbare Zahl sei bislang nicht mitgeteilt worden, heißt es aus dem Kreistag. Allerdings scheint man sich in Sonneberg intern auf eine Belastung in Millionenhöhe einzustellen.

Verschärft werden die Finanzprobleme durch den Bau der Zentralküche für die Regiomed-Einrichtungen in Lichtenfels, der derzeit im Gange ist. Der Lichtenfelser Landrat Christian Meißner (CSU) hatte in dieser Woche bestätigt, dass es dort finanzielle Probleme gibt. Unbestätigten Berichten zufolge sollen Banken Kreditlinien kündigen wollen. Dazu gab es in diesen Tagen ein Gespräch mit Regiomed-Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke, der dabei um Vertrauen in den kommunalen Klinikverbund warb. Dem Vernehmen nach haben die Geldhäuser ein Gutachten zur Zukunftsfähigkeit des Konzerns in Auftrag gegeben.

Unterdessen hat die AfD-Fraktion im Sonneberger Kreistag angekündigt, Landrat Hans-Peter Schmitz, der gegenwärtig Aufsichtsratsvorsitzender der Regiomed Kliniken GmbH ist, zur finanziellen Situation der Gesellschaft befragen zu wollen. Erkundigen will man sich nach einem mutmaßlichen Einstellungsstopp bei Regiomed, zu einem absehbaren "chronischen Defizit" beim Betrieb der Lichtenfelser Großküche, zur etwaigen Nachschusspflicht des Landkreises Sonneberg und auch dazu, ob es "für Teile des Krankenhausverbundes Regiomed Privatisierungspläne" gibt.

Am Donnerstag hat der Klinikkonzern interne Umstrukturierungen bekannt gegeben. "Wir haben Ideen entwickelt, wie die bestmögliche ambulante und stationäre Versorgung der Menschen in der Region in 10, 20 oder 30 Jahren aussehen kann oder muss", wird Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke nach einer Klausurtagung in Masserberg in einer Presseerklärung des Unternehmens zitiert.

Als Antwort auf das Ergebnis einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung, wonach angeblich jedes zweite Akutkrankenhaus in Deutschland überflüssig wäre, glaubt der Hauptgeschäftsführer, dass Qualität in der Versorgung auch durch Menschlichkeit, Zuwendung und Zeit sichergestellt werden kann. "Die Analysten und Fachleute der Studie haben ihre Berechnungen in und um Köln herum gemacht. In einer ländlich strukturierten Region wie Oberfranken und Thüringen gelten jedoch andere Regeln als in Ballungsgebieten", so Schmidtke. "Wir dürfen nicht Gesundheitsregion zweiter Klasse werden. Aus diesem Grund müssen wir die Medizinentwicklung in unserem Versorgungsgebiet an den veränderten Rahmenbedingungen des Gesundheitswesens und der Gesellschaft ausrichten."

Bei der Führungsklausur sei daher beschlossen worden, dass Regiomed zukünftig in Zentrumsstrukturen organisiert wird. Am Beispiel des geplanten Zentrums für Altersmedizin bedeute dies, dass es innerhalb des Verbunds mehrere Standorte geben wird, an denen hochbetagte und multimorbide Patienten auf höchstem Qualitätsniveau versorgt werden. Professor Dr. Johannes Kraft, Chefarzt der Fachklinik für Geriatrie und Rehabilitation in Coburg, werde künftig als Zentrumsleiter für alle Regiomed-Einrichtungen gemeinsam mit den Chefärzten vor Ort die Strukturen und Prozesse in der Altersmedizin weiterentwickeln und ausbauen. Hierzu gehörten neben der Akutgeriatrie die geriatrische Rehabilitation, tagesklinische Angebote, mobile und häusliche Geriatrie wie auch neue Methoden in der Tele-Altersmedizin. Ähnliche Konzepte würden für zahlreiche weitere Bereiche wie beispielsweise die Radiologie entwickelt.

Weiter heißt es in der Pressemitteilung, dass für die Kliniken in Neustadt und Neuhaus "zukunftsfähige Konzepte" diskutiert und erarbeitet wurden, die die Standorte und die Versorgung der Patienten vor Ort nachhaltig fördern sollen. Neben der Sicherstellung stabiler Basisversorgung würden Hand in Hand mit den Haus- und Fachärzten integrierte Versorgungsmodelle und neue Kooperationsmöglichkeiten ins Auge gefasst.

 
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vol, Wolfgang Braunschmidt, Andreas Beer
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Veröffentlicht am:
25. 07. 2019
21:32 Uhr

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vol, Wolfgang Braunschmidt, Andreas Beer

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Veröffentlicht am:
25. 07. 2019
21:32 Uhr



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