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Coburg

Fit im Stall und auf dem Acker

Drei angehende Landwirte sind im Prüfungsstress. Im praktischen Teil dreht sich alles um Tier- und Pflanzenproduktion - und das bei brütender Hitze.



Rundum zufrieden bei der Abschlussbesprechung im Kuhstall auf dem Heilingloh-Hof in Großwalbur: Der Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg, Harald Weber (links), lobte die Leistung der angehenden Landwirte und des Prüferteams.	Fotos: Christoph Scheppe
Rundum zufrieden bei der Abschlussbesprechung im Kuhstall auf dem Heilingloh-Hof in Großwalbur: Der Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg, Harald Weber (links), lobte die Leistung der angehenden Landwirte und des Prüferteams. Fotos: Christoph Scheppe   » zu den Bildern

Großwalbur - Mittwoch, 15 Uhr: Das Thermometer auf dem Hof der Familie Heilingloh in Großwalbur zeigt 37 Grad im Schatten. Kaum ein Lüftchen weht, dafür brennt die Sonne unbarmherzig. Die äußeren Bedingungen sind symptomatisch für die Situation, in der sich drei angehende Junglandwirte aus dem Coburger und Lichtenfelser Land - in der heißen Phase der praktischen Abschlussprüfung befinden. Seit Montag müssen insgesamt 39 Azubis aus dem westlichen Oberfranken auf fünf Höfen in den Landkreisen Coburg, Lichtenfels und Forchheim Aufgaben aus den Bereichen Tier- und Pflanzenproduktion meistern, bevor am kommenden Montag mit der schriftlichen Prüfung das Finale ansteht. "Das ist kein Angstschweiß, sondern kommt von der Affenhitze", schmunzelt Adrian Becker ob seines stark verschwitzten Shirts. Der 19-Jährige kommt aus Creidlitz und wird irgendwann den elterlichen Hof mit 90 Milchkühen und ebenso vielen Hektar Land übernehmen. "Mir macht die Arbeit mit Tieren und in der Natur großen Spaß. Du bist dein eigener Chef", begründet er seine Motivation, in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

Anforderungen, Ausbildung und Berufsschule

Voraussetzung für eine landwirtschaftliche Ausbildung ist ein Hauptschulabschluss oder ein mittlerer Bildungsabschluss. Die duale Berufsausbildung Landwirt/in dauert drei Jahre. Sie kann auf zwei Jahre verkürzt werden, wenn die Fachhochschulreife, die Hochschulreife oder eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung vorliegt. Damit die Auszubildenden in der Berufsausbildung einen breiten Einblick in die Landwirtschaft erhalten, können die Ausbildungsjahre auf unterschiedlichen Betrieben absolviert werden.

Die meisten Auszubildenden nutzen diese Möglichkeit und lernen zwei bis drei Ausbildungsbetriebe mit unterschiedlichen Betriebszweigen in der Pflanzenproduktion und in der Tierhaltung kennen. Ob die Ausbildung auf Ökolandbau-Betrieben oder auf konventionellen Höfen absolviert wird, ist nicht entscheidend. Wichtig ist, dass die Auszubildenden jeweils zwei Betriebsschwerpunkte im Pflanzenbau und in der Tierhaltung kennenlernen.

Zur Ausbildung gehört der Besuch der Berufsschule. Dort wird ein breites Grundlagenwissen zu den Themenbereichen Pflanze, Tier, Technik, Umwelt, Ökolandbau, Wirtschaft und Politik vermittelt. Zusätzlich zum Unterricht in der Berufsschule finden in jedem Ausbildungsjahr überbetriebliche Fachlehrgänge statt, in denen spezifisches Wissen (etwa zur Metallbearbeitung- und Metallverarbeitung und zu Schleppern und Landmaschinen) vermittelt sowie Ausbildungsinhalte vertieft werden.

Schüler, die den Beruf des Landwirts erlernen wollen, sollten sich jetzt zum Berufsgrundschuljahr telefonisch unter 09561/895000 anmelden. Weitere Informationen erteilt der Bildungsberater am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Klaus Reininger, telefonisch unter 09561/7691126.


Im Moment steht die Prüfung und im Rahmen derer die optische Analyse des Kots einer Kuh an. "Energie- und Eiweißanteil passen, Futter und Verdauung sind gut", urteilt er nach mehrmaligen Durchmengen der Masse. Die Prüfer Markus Rosenbauer und Oliver Truckenbrodt begutachten selbst die Probe und kommen zum gleichen Ergebnis. "Der Adrian hat das sehr gut gemacht", loben beide. Wenige Meter weiter muss ihr Schützling am Melkroboter die nächste Aufgabe lösen. Dabei geht es um Euterbegutachtung und Milchkontrollproben. Auch diese Station meistert der 19-Jährige mit Bravour.

Derweil grübelt Sandra Bechmann (Oberlangenstadt) unter den wachsamen Augen von Marco Öhrl und Florian Licht über einem Futterplan. Schließlich müssen Landwirtinnen und Landwirte nicht nur die produktionstechnischen Abläufe perfekt beherrschen, sondern auch das Betriebsmanagement. Das und die Fähigkeit, sich und die Arbeit gut und wirtschaftlich zu organisieren, ist ein Schwerpunkt der dreijährigen Ausbildung. Dabei hat Bechmann auch gelernt, wie sie umweltgerecht und ressourcenschonend mit Boden Pflanzen, Tieren, Luft, Wasser sowie mit den unterschiedlichsten Maschinen und Geräten umgeht. Einen Teil ihrer Lehre absolvierte sie auf einem Bio-Hof. "Diese Form der Landwirtschaft hat Vor-, aber auch Nachteile", lautet ihre Erfahrung. Vermutlich wird auch sie den elterlichen und auf Milchviehhaltung spezialisierten Hof übernehmen.

Gleiches gilt für Johannes Knorr aus Weismain. Er steht in einem Feld, auf dem Winterweizen angebaut ist und zählt in einem 40 mal 40 Zentimeter großen Sektor die Ähren, dann die Körner. "So kann ich den vermutlichen Ernteertrag ausrechnen", erläutert er. Zuvor hat er eine Bodenprobe entnommen, um den Düngungsgrad festzustellen. Und was unterm Strich bei seiner Körner-Rechnung herauskommt, deckt sich mit dem Ergebnis der Prüfer Georg Hemmer und Markus Fechter.

Die beiden Prüfungsblöcke Tier- und Pflanzenproduktion dauern jeweils drei Stunden. Verantwortlich für die Durchführung ist mit Harald Weber der Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg. "Die heutigen Anforderungen sind mit denen von vor zwanzig Jahren überhaupt nicht zu vergleichen", verweist er einerseits auf technische Innovationen, andererseits auf gestiegene Auflagen. Dazu komme noch die immer weiter ausartende Bürokratie und Dokumentationspflicht. Deshalb habe die Landwirtschaft einen großen Bedarf an ausgebildeten Fachkräften.

Weber bedauert, dass das Image der Bauern in der öffentlichen Meinung schwindet, obwohl "dieser Berufszweig vieles für den Natur- und Umweltschutz leistet". Auf Dauer könne diese Debatte aber junge Menschen davon abhalten, Landwirtin oder Landwirt zu werden: "39 Prüflinge sind ein guter Wert. Wir hatten aber auch schon mehr."

Nach getaner Arbeit verlässt das Azubi-Trio Becker, Bechmann und Knarr zufrieden den Heilingloh-Hof. Zuvor hat Harald Weber in der Abschlussbesprechung ihnen und dem Prüferteam gute Arbeit attestiert - und für den schriftlichen Teil am Montag viel Erfolg gewünscht.

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Christoph Scheppe

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Veröffentlicht am:
26. 06. 2019
19:00 Uhr

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Christoph Scheppe

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Veröffentlicht am:
26. 06. 2019
19:00 Uhr



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