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Fridays for Future in Coburg: Gegen Kohle, Pestizide und Wegwerfen

Bei der fünften "Fridays for Future"-Demonstration stehen Energiekonzerne und Landwirtschaft im Fokus. Bio-Bauer Dietrich Pax ermahnt,das eigene Verhalten zu reflektieren.



"Ich liebe meine Welt": Für die Teilnehmer der "Fridays for Future"-Demonstration in Coburg ist Klimaschutz eine Herzensangelegenheit.
"Ich liebe meine Welt": Für die Teilnehmer der "Fridays for Future"-Demonstration in Coburg ist Klimaschutz eine Herzensangelegenheit.   Foto: Henning Rosenbusch » zu den Bildern

Coburg - "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut": So stimmen sich die Demonstranten am Freitag um 13 Uhr nach Schulschluss vor der Realschule CO I auf die mittlerweile fünfte "Fridays for Future"-Aktion in Coburg ein. Der Andrang hält sich mit 25 Teilnehmern in Grenzen, aber Mitorganisator Elias Zeltner ist optimistisch: "Wir rechnen mit 150 Teilnehmern." Schließlich führe die Route ja noch am Alex, Ernes, Casi und Albert vorbei. Doch auch bei den Gymnasien reihen sich nur vereinzelt Schülerinnen und Schüler ein. Alles in allem seien es wohl 60 Teilnehmer gewesen, bilanziert die Polizei zwei Stunden später.

Auch wenn die Beteiligung nicht den Erwartungen entspricht: Diejenigen, die für den Klimaschutz auf die Straße gehen, machen sich lautstark bemerkbar. Sie fordern erneuerbare Energien statt in der Ferne baggernde Kohlekonzerne, die sich auf Kosten anderer die Taschen vollstopften. Auch die Slogans auf den Transparenten sind eindeutig: "Kohle in die Bildung statt in den Ofen", "Ohne Bäume keine Träume" und "Die Politik kriegt’s nicht ins Lot, der Erde droht die Atemnot."

Auf der Angerkreuzung stoppen die überwiegend jugendlichen Demonstranten. "Wir setzen ein Zeichen für die vielen Menschen, die schon Opfer des Klimawandels geworden sind", hallt die Stimme eines Mitorganisators blechern aus dem Megaphon. Zwei Minuten "belegen" die "Fridays for Future"-Aktivisten den zuvor polizeilich abgesicherten Schnittpunkt von Bamberger Straße und Schützenstraße. Es bildet sich ein kleiner Stau, Autofahrer lassen die Seitenscheibe runter und schauen dem Treiben gelassen zu. Doch die Aufforderung "Leute lasst das Glotzen sein, reiht euch in die Demo ein" verhallt ungehört.

45 Minuten nach dem Start auf dem Glockenberg ist der Marktplatz erreicht. Mitten im Pulk sind Clemens Schindler und seine Söhne Moritz (11) und Emil (8). Der Vater hält ein Transparent hoch mit der Botschaft "Klimaschutz ernst nehmen!". "Ich marschiere mit, weil ich mir für meine Kinder eine intakte Umwelt wünsche. So wie jetzt kann es einfach nicht weitergehen", sagt der besorgte Vater.

Das ist auch die Quintessenz von Dietrich Pax. Auf Wunsch der Organisatoren beschäftigt sich der Öko-Bauer vom Callenberg mit der Landwirtschaft und setzt sich vehement für den ökologischen Landbau ein. Die sei umweltfreundlich, entwickelnd und nachhaltig, also "unendlich oft wiederholbar, ohne Schäden in der Umwelt oder im sozialen Bereich anzurichten". Keine Pestizide lautet seine Forderung, denn das seien "Tötungsmittel". Um das zu verharmlosen, spreche die Industrie lieber von Pflanzenschutzmitteln.

Zugleich nimmt er die Landwirtschaft insgesamt in Schutz. Bauern seien Opfer und Täter zugleich, weil sie sich einerseits den Gesetzen des Marktes nicht entziehen könnten, andererseits aber Leidtragende des Klimawandels seien. "Wir haben auf unserem Hof im vergangenen Jahr durch die Hitzeperiode ein Drittel weniger geerntet als üblich", verdeutlich er die Folgen der Erderwärmung

Für Pax steht fest, dass sich mit ökologischem Landbau die Weltbevölkerung ernähren lässt, wenn diese Bewirtschaftungsform auf allen Flächen angewendet würde. Die höheren Preise rechtfertigt er damit, dass der Bauer zwei Produkte erzeuge: Lebensmittel und Landschaftspflege. Billige Lebensmittel fördern das Wegwerfen, sagt er. Von der Politik verlangt er neben einem Umdenken auch einen sinnvolleren Einsatz der Landwirtschafts-Gelder. So ließen sich viele Milliarden zur Behebung von Klimaschäden einsparen.

Jedoch sei es falsch, die Politik allein für alles verantwortlich zu machen. Beim Klimaschutz sei jeder gefragt, appelliert Pax an die Kundgebungsteilnehmer, ihr eigenes Konsumverhalten kritisch zu reflektieren - und zu verändern. Essen, Kleidung, Schnäppchenreise: "Mit jedem Kauf gestaltet ihr die Zukunft", schreibt er ihnen ins Stammbuch und wünscht sich, dass bevorzugt regionale Bio-Produkte in die Einkaufskörbe der Verbraucher wandern und die Bereitschaft wächst, dafür faire Preise zu zahlen.

Dem Wegwerfen von Lebensmitteln haben auch Isabell Hachberger und Sibylle Oettle den Kampf angesagt. Beide engagieren sich als "Lebensmittelretter" bei Foodsharing in Coburg (NP vom 22. Juni). "Wir haben hier bisher 780 Einsätze getätigt und 6300 Kilogramm Lebensmittel gerettet", lautet ihre mit großem Beifall bedachte Zwischenbilanz. Den Auftritt nutzt das Duo, um zum Mitmachen zu animieren.

Die örtlichen Aktionen von "Fridays for Future" will Oberbürgermeister Norbert Tessmer unterstützen. Das hat er am Freitag den Organisatoren bei einem Gespräch im Rathaus zugesagt. "Das ist schön. Aber die Parteien müssen jetzt auch zeigen, dass ihnen Klimaschutz wichtig ist", sagt Elias Zeltner.

05.07.2019 - Fridays for Future Coburg - Foto: Henning Rosenbusch

Fridays for Future Coburg
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Christoph Scheppe

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Veröffentlicht am:
05. 07. 2019
18:30 Uhr

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Christoph Scheppe

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Veröffentlicht am:
05. 07. 2019
18:30 Uhr



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