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Coburg

Frontalangriff auf Bahnmanager

Hans Michelbach ist sauer. Der Abgeordnete spricht von "Frühstücksdirektoren", die die Interessen der Coburger ICE-Kunden vernachlässigen würden.



Der ICE-Halt in Coburg ist eine Erfolgsgeschichte. Statt der erwarteten 100 Fahrgäste pro Tag steigen 300 ein. Deshalb seien mehr ICE-Stopps in Coburg gerechtfertigt, betont der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach. Dass die Bahn AG dies verweigert, sei nicht länger hinnehmbar. Michelbach: "Wir brauchen keine Frühstücksdirektoren, die den Interessen der Kunden nicht nachkommen." Foto: Archiv Hennig Rosenbusch
Der ICE-Halt in Coburg ist eine Erfolgsgeschichte. Statt der erwarteten 100 Fahrgäste pro Tag steigen 300 ein. Deshalb seien mehr ICE-Stopps in Coburg gerechtfertigt, betont der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach. Dass die Bahn AG dies verweigert, sei nicht länger hinnehmbar. Michelbach: "Wir brauchen keine Frühstücksdirektoren, die den Interessen der Kunden nicht nachkommen." Foto: Archiv Hennig Rosenbusch   » zu den Bildern

Coburg - Eigentlich sei er ja ein verträglicher Mensch, sagt Hans Michelbach. Aber was sich Bahnmanager mit Blick auf den ICE-Halt in Coburg leisten würden, sei nicht länger akzeptabel. "Die guten Fahrgastzahlen von mehr als 300 Reisenden am Tag belegen die Notwendigkeit einer guten ICE-Anbindung in Coburg. Es ist daher nicht hinnehmbar, dass die Bahn das Angebot für den ICE-Halt Coburg nicht mit weiteren Zugpaaren verbessern will", sagte Michelbach in einem Pressegespräch am Dienstag. Während Bamberg 27 Zugpaare zugesichert würden, seien es für Coburg nur sechs. Das sei eine willkürliche Festlegung gegen die Vestestadt und ihr Umland. Die Argumentation, dass der Stopp in der Vestestadt zu viel Zeit koste und deshalb Bahnknoten im nationalen Schienennetz nicht erreicht werden könnten, ziehe nach Überzeugung des CSU-Politikers nicht. Der ICE-3 sei auf der Neubaustrecke Erfurt-Ebensfeld derzeit mit höchstens 230 Kilometern pro Stunde (km/h) unterwegs, obwohl er 300 km/h fahren könne. Der von der Bahn angeführte Zeitverlust zwischen den Bahnknoten Erfurt und Nürnberg könne bei diesem Tempo jederzeit aufgeholt werden. Hans Michelbach spricht von "vorgeschobenen Argumenten", zwei bis drei ICE-Halte nicht von Bamberg nach Coburg zu verlagern.

Unterschriftensammlung

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) wirft der Bahn AG vor, den Bahnhof Coburg "links liegen zu lassen". Das Unternehmen halte sein Versprechen nicht ein, das Zugangebot zu verbessern. Stattdessen sollen zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 die ICE-Verbindungen am Nachmittag nach München und Hamburg gestrichen werden. Die als Alternative angebotene Verbindung nach Wien "ist zwar ganz nett, aber kein echter Ersatz", beschreibt Gerd Weibelzahl von der Kreisgruppe Coburg des ökologischen Verkehrsclubs "das Dilemma im derzeitigen Fernverkehrsangebot am Bahnhof Coburg". Deshalb habe sich der VCD mit Unterstützung der Industrie- und Handelskammer zu Coburg entschlossen, eine Unterschriftensammlung für ein besseres Fahrplanangebot und den Lückenschluss im Schienennetz nach Südthüringen zu schaffen. Sie startet am Freitag, 13. Juli, von 12 bis 17 Uhr am Bahnhof Coburg.

 

Nicht nachvollziehbar sei auch, dass die Bahnübergänge in Coburg nicht für Wirbelstrombremsen, die im ICE eingebaut sind, geeignet seien. Deshalb müsse der schnelle Zug an der Einschleifung bei Dörfles-Esbach halten, der Lokführer die Wirbelstrombremse ausschalten und dann weiterfahren. Der CSU-Bundestagsabgeordnete spricht von einem "Desaster" und einer Bankrotterklärung, wenn die Bahn nach 26 Jahren Planung und Bauzeit für die Hochgeschwindigkeitsstrecke feststelle, dass die Technik an den Übergängen nicht an die modernen Züge angepasst worden sei. Zudem seien zu wenig Loks bestellt worden, die auf der Neubaustrecke fahren können. In der freien Wirtschaft würde das "Versteckspiel um technische Unzulänglichkeiten" als Missmanagement gewertet. Michelbach: "Das muss aufhören. Die Ertüchtigung für den ICE-3 muss in Coburg stattfinden. Wir brauchen keine Frühstücksdirektoren, die den Interessen der Kunden nicht nachkommen." Die Verantwortlichen bei der Bahn AG müssten einsehen, "dass sie für die Ertüchtigung des ICE-Halts Coburg stärker eintreten müssen". Der Abgeordnete werde hier nicht nachgeben, "die Bahnmanager bekommen vor mir keine Ruhe". Er werde sein politisches Netzwerk bis in die Bundesregierung nutzen, um auf die Führung des Unternehmens, das in Staatsbesitz ist, Druck auszuüben. Michelbach: "Ich habe viele Freunde, die mich unterstützen."

 

Als "schwerwiegenden Fehler" bezeichnet der Politiker den Abbau des zweiten Gleises zwischen dem Güter- und dem Personenbahnhof in Coburg. Damit fehle es an Qualität für den ICE-Halt Coburg, um beispielsweise bei Zugverspätungen schnell reagieren zu können. Michelbach habe deshalb den Antrag gestellt, das zweite Gleis wieder zu verlegen. Die Planungen für die Bahnübergänge in der Stadt sowie den vierspurigen Ausbau der B 4 im Weichengereuth müssten darauf abgestellt werden, um Fehler zu vermeiden, die dem ICE-Halt Coburg schaden könnten.

Nicht nachvollziehbar sei, dass der Ausbau der Parkplätze für Bahnkunden an der Adamistraße nicht vorankomme. Und das, obwohl lediglich ein Strommast versetzt werden müsse. "Niemand kann verstehen, warum das so lange dauert", betont Michelbach. Gleiches gelte für den Aufzug im Bahnhof, der zwar funktionsfähig, aber noch immer nicht technisch abgenommen sei. Unternehmer aus der Fahrstuhlbranche schüttelten darüber nur noch den Kopf. Die Bahn weist hingegen darauf hin, dass nur von ihr zertifizierte Fachleute die Abnahme vornehmen können.

Grundsätzlich, so Hans Michelbach, müsse sich die Bahn AG stärker um ihre Kunden kümmern. Das Unternehmen sei für seine Fahrgäste da und nicht umgekehrt. Berthold Huber, Personenverkehrsvorstand der Bahn, habe in Coburg versprochen, wenn am ICE-Halt mehr als 100 Personen am Tag einsteigen, dann könne man über Verbesserungen reden. "Das geschieht aber nicht", obwohl mit 300 Fahrgästen täglich alle Erwartungen übertroffen würden. Klaus-Dieter Josel, Bahn-Chef in Bayern, reagiere auf Forderungen aus Coburg mit "uniformen Stellungnahmen". Hans Michelbach sei nicht länger bereit, das hinzunehmen.

Der Abgeordnete kann sich auch auf Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) beziehen. Er habe ihm und Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) zugesagt, mit dem Bahn-Vorstand "ein Gespräch über die berechtigten Interessen von Coburg führen zu wollen".

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Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
10. 07. 2018
16:40 Uhr

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Wolfgang Braunschmidt

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10. 07. 2018
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