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Coburg

Fünf Zentimeter fehlten zur Katastrophe

Vor 20 Jahren suchten tosende Fluten Fürth am Berg heim. Nur durch die Hilfe vieler Ehrenamtlicher wurde ein Absaufen verhindert. Zeitzeugen erinnern sich.



Aus dem Flüsschen wurde ein gefährlicher Strom, der an Stellen über sechs Meter tief war.
Aus dem Flüsschen wurde ein gefährlicher Strom, der an Stellen über sechs Meter tief war.   » zu den Bildern

Es gibt Jahrestage, an die will man eigentlich nicht zurückdenken. Wie das Hochwasser der Steinach am 15. September 1998, das vor 20 Jahren fast das ganze Dorf überschwemmt hätte. Fürth am Berg drohte in den Fluten regelrecht unterzugehen, wäre da nicht eine beispiellose Solidarität der Einwohner gewesen, die gemeinsam mit Hilfsorganisationen der Fluten Herr wurden. „Fürth am Berg hatte schon immer mit Wasser zu kämpfen“, weiß Stadtrat Walter Thamm. Er war, wie andere Zeitzeugen, auf Einladung von Feuerwehrkommandant Steffen Haida ins Gerätehaus gekommen, um zurückzublicken auf jene Tage.

Eckdaten

Welche Hochwasserschutzmaßnahmen wurden durchgeführt?

1965: Regulierung der Steinach auf rund 700 m Länge, Uferbefestigungen, Begradigungen

1980er Jahre: Dammbau, Uferbefestigungen, Brückenanpassung

2003 bis 2005: Deicherhöhungen, Hochwasser-Schutzmauern und -Deiche, Gewässerverlegung, Brückenneubau

 

Wie groß war das jeweilige Investitionsvolumen?

1965: rund 150.000 Mark

1980: rund zwei Millionen Mark

2003 bis 2005: rund 3,6 Millionen Euro

 

Sind noch weitere Maßnahmen geplant?

In Fürth am Berg sind keine weiteren Maßnahmen geplant. Der Schutz vor einem hundertjährlichen Hochwasser der Steinach ist gewährleistet.

 

Auskunft gab Petr Penz ,

Abteilungsleiter beim Wasserwirtschaftsamt Kronach

 

„In Fürth am Berg wurden insgesamt drei Hochwasserfreilegungen gemacht“, erklärt Thamm. „Doch so richtig Schutz bietet erst die letzte, die am 12. September 2005 vom damaligen Umweltminister Werner Schnappauf eingeweiht wurde.“ Denn die Hochwasser in den 1960er-Jahren und von 1995, 1997, 1998 und 2002 hätten deutlich aufgezeigt, dass die bestehenden Schutzmaßnahmen nicht ausreichend gewesen seien. „Mitte der 60er Jahre stand das Wasser tischhoch bei uns im alten Haus“, erinnert sich Thamm.

 

Ganz schlimm kam es in der Nacht vom 15. September 1998, als nur „fünf Zentimeter fehlten, um die Dämme brechen zu lassen. Das ganze Dorf wäre überflutet worden“, zeigt der damalige stellvertretende Feuerwehrkommandant Klaus Höhn auf. Gründe hierfür haben die Fürther auch parat: „1976 begradigte die DDR auf Thüringer Seite die Steinach, von da an soff Fürth am Berg regelmäßig ab“, erzählt Thomas Engelhardt. Dass man daran fast gewohnt war, ließ die Bürger wohl an jenem 15. September erst spät aufschrecken. „Denn das Wasser kam viel schneller, als wir nach tagelangen Regenfällen vermutet hatten“, weiß Harald Faber, stellvertretender Feuerwehrkommandant. „Früher hatte das drei Tage gedauert, bis das Wasser zu uns kam, jetzt drei Stunden“, zitierte Thamm Hans Schelhorn von der Backertsmühle.

Zudem wurde die damalige Brücke, die in die Allee führt, zu schmal und zu niedrig gebaut. Die Brückenköpfe waren gerade installiert und bildeten eine Barriere. „Jetzt sind sie gedreht wie der Flusslauf“, ergänzt Thamm. Das kann Werner Langer belegen, der seit 1966 mit Dias die prekären Situationen eingefangen hatte. „Wir waren am 15. September beim Mittagessen und das Wasser stieg Besorgnis erregend um zehn Zentimeter pro Stunde“, wissen die Männer zu berichten. „Da wurden durch eine konzertierte Aktion von Feuerwehren, Bauhof und THW sowie freiwilligen Helfern Sandsäcke befüllt und der Damm mit Brettern erhöht“, zeigt Haida auf, der damals als 13-jähriger Bub mithalf. „Die große Gefahr war damals, dass die Brücke, an der nur fünf Zentimeter fehlten, als Hindernis dicht war und das Wasser dann massiv in den Ort gedrungen wäre“, berichtet Thamm. Beim Grenzgasthof wurden schon Betten hergerichtet, um Notbehelfe für die Bürger zu schaffen. „Damals wurde schon ein Notüberlauf installiert, um das Wasser einigermaßen kontrolliert ablaufen zu lassen, sodass der Damm nicht bricht“, erläutert Höhn. „Man muss sich das so vorstellen, dass da natürlich nicht Quellwasser bei uns ankam“, zeigen die Zeitzeugen auf „sondern Unrat, Baumstämme und natürlich Minen waren in den schlammig-braunen Fluten.“

Schlimm waren die Gaffer, die es damals schon gab. „Die Hochwassertouristen wollten uns gute Ratschläge geben“, ist Höhn auf diese Besucher noch heute nicht gut zu sprechen. „Denn es wurden doch alle Hände gebraucht, um den Damm zu befestigen, Sandsäcke zu befüllen und das lebensnotwendige in den Häusern zumindest in den ersten Stock zu befördern“, wussten die Fürther damals nicht, ob der Damm hält. Er hielt. Die Fürther konnten bereits am 16. September aufatmen.

Autor

Peter Tischer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
19. 10. 2018
00:00 Uhr

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19. 10. 2018
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