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Coburg

Gaudlitz setzt auf Freiwilligenmodell

Das Unternehmen muss Personal abbauen. Dabei sollen betriebsbedingte Kündigungen so weit wie möglich vermieden werden.



Bei Gaudlitz in Coburg geht es mit 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiter. Das Unternehmen will beim Personalabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen.
Bei Gaudlitz in Coburg geht es mit 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiter. Das Unternehmen will beim Personalabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen.   Foto: NP-Archiv

Coburg - Die Beschäftigten der Gaudlitz GmbH sind in einer Mitarbeiterversammlung am Montagnachmittag darüber informiert worden, dass 72 von ihnen das Unternehmen verlassen müssen. Grund ist der Auftragsrückgang in der Automobilindustrie. Gaudlitz fertigt beispielsweise Getriebegehäuse, Gehäuse für elektrische Fensterheber, Verzahnungs- und Pumpenteile.

Geschäftsführer Niels Roelofsen sagte der Neuen Presse nach der Versammlung, Gaudlitz biete den Mitarbeitern, von denen man sich aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage trennen müsse, Abfindungen an, die höher seien, wenn sie im Rahmen eines Freiwilligenmodells Aufhebungsverträge annehmen. Gleiches gelte, wenn sie in eine Transfergesellschaft wechseln, die bei Connect in Neustadt eingerichtet wird. Hier sollen die Frauen und Männer für neue berufliche Aufgaben qualifiziert werden. Wer auf einer betriebsbedingten Kündigung besteht, muss schlechtere Abfindungsleistungen hinnehmen.

"Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekommen auf alle Fälle ihre Basisabfindung, egal ob sie sich für eine betriebsbedingte Kündigung, den Wechsel in die Transfergesellschaft oder für das Freiwilligenprogramm entscheiden", erläuterte der Coburger Unternehmensberater Wolfgang Andrich gegenüber der NP. Er begleitet Gaudlitz bei der Restrukturierung des Herstellers von Kunststoffteilen.

Gaudlitz leidet, wie alle Unternehmen der Automobilzulieferbranche, unter einem sinkenden Auftragseingang. Ford strauchele, Opel habe Kurzarbeit angemeldet, in China, einem der wichtigsten Märkte für den VW-Konzern, gehe der Autoabsatz zurück, so Niels Roelofsen. Bosch-Chef Volkmar Denner rechnet mit einer langen Phase des wirtschaftlichen Stillstands, sagte er der Fachzeitschrift Automobilwoche. Bosch muss deshalb Hunderte Arbeitsplätze abbauen, auch in seinem Werk in Bamberg, Michelin schließt sein Reifenwerk in der Domstadt. "Es geht, wie bei Gaudlitz, in der Automobilzulieferindustrie überall deutlich nach unten", so Roelofsen. Volkmar Denner führt dies laut Automobilwoche auf mehrere Faktoren zurück: Die weltweiten Handelsstreitigkeiten sorgen für Verunsicherung, und die Verbraucher seien angesichts der neuen Antriebskonzepte beim Autokauf zurückhaltend. Zudem hemme der Zuwachs der Sharing-Konzepte - mehrere Menschen teilen sich ein Fahrzeug - den Bedarf an Autos.

Der Personalabbau bei Gaudlitz, der Kosten reduziert, verschaffe dem Unternehmen Luft, um sich an die neuen Marktbedingungen anzupassen, erläuterte Geschäftsführer Niels Roelofsen. In Coburg würden die Entwicklung sowie die an die Auftragslage angepasste Produktion bleiben. Am stärksten betroffen sei der Werkzeugbau. "Hier müssen wir uns deutlich verschlanken und auf unsere Kernkompetenz konzentrieren." Dies bedeute, dass Gaudlitz künftig Teile von spezialisierten Betrieben zukaufen werde. Der Geschäftsführer ist zuversichtlich, dass die Restrukturierung zum Erfolg führt. "Wir schauen jetzt zuversichtlich nach vorne", sagte er. Die Einigung zwischen Geschäftsführung, Betriebsrat und IG Metall über den Personalabbau bei Gaudlitz war am Freitag nach zehnwöchigen Verhandlungen erzielt worden.

 
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Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
15. 10. 2019
10:08 Uhr

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Wolfgang Braunschmidt

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15. 10. 2019
10:08 Uhr



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