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Coburg

Gemütlichkeit und eiserne Schaffenskraft

Friedrich Krauß wird als Präsident des Landgerichts Bamberg verabschiedet, Anton Lohneis als sein Nachfolger begrüßt. Beide Juristen haben die Coburger Justiz geprägt.



Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (Mitte) verabschiedete Dr. Friedrich Krauß (links) als Präsident des Landgerichts Bamberg in den Ruhestand und begrüßte den neuen Präsidenten Anton Lohneis (rechts). Krauß und Lohneis haben die Coburger Justiz als Staatsanwälte, Richter und Landgerichtspräsidenten geprägt.	Foto: Braunschmidt
Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (Mitte) verabschiedete Dr. Friedrich Krauß (links) als Präsident des Landgerichts Bamberg in den Ruhestand und begrüßte den neuen Präsidenten Anton Lohneis (rechts). Krauß und Lohneis haben die Coburger Justiz als Staatsanwälte, Richter und Landgerichtspräsidenten geprägt. Foto: Braunschmidt  

Ebrach/Coburg - Für Bayerns Justizminister Georg Eisenreich ist Anton Lohneis ein exzellenter Jurist, der fränkische Gemütlichkeit und eiserne Schaffenskraft in sich vereint. "Das finde ich großartig", sagte der Minister am Montag bei der Amtseinführung von Lohneis als Präsident des Landgerichts Bamberg im Kaisersaal des ehemaligen Zisterzienserklosters Ebrach vor Gästen aus Justiz, Polizei, staatlicher Verwaltung, Kirche und Verbänden. Der 63-jährige Jurist war zuvor Amtsgerichtsdirektor, Leitender Oberstaatsanwalt und Landgerichtspräsident in Coburg.

Er folgt auf Dr. Friedrich Krauß, der das Landgericht Bamberg vier Jahre geleitet hatte und jetzt in den Ruhestand trat. Vorher war der 67-Jährige Staatsanwalt in Coburg, Richter in Coburg und Kronach sowie Präsident des Landgerichts Coburg.

Georg Eisenreich betonte in seiner Würdigung für Friedrich Krauß, wo auch immer er in der bayerischen Justiz bisher im Einsatz war, habe er überzeugen können. 2015 wurde er (Eisenreich: "Als verdiente Krönung Ihrer Laufbahn!") zum Präsidenten des Landgerichts Bamberg ernannt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten ihn als Fachmann und Führungspersönlichkeit geschätzt: bescheiden, stets gut gelaunt, schlagfertig, umgänglich und sympathisch.

Zu Anton Lohneis, dem neuen Präsidenten des Landgerichts Bamberg, sagte der Minister, der 63-Jährige habe in Coburg die Justiz geprägt. Am Landgericht, das für Coburg, Kronach und Lichtenfels zuständig ist, habe er das Pilotprojekt zur Einführung der digitalen Akte in der Justiz mit großem Einsatz begleitet. Lohneis vereine Ruhe und Gelassenheit mit Energie, Temperament und großem Engagement. Mit ihm bekomme das Landgericht Bamberg "den idealen Nachfolger von Dr. Krauß". Georg Eisenreich sei überzeugt davon, dass Lohneis die Behörde "nicht nur fachlich, sondern auch menschlich hervorragend leiten wird".

Manfred Schmidt, Vizepräsident des Landgerichts Bamberg, sagte, dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten unter der mehr als vierjährigen Führung von Friedrich Krauß eine gute Zeit gehabt. Ihm sei es gelungen, das Landgericht insbesondere im personellen Bereich voranzubringen "und die eigenen Leute zu fördern". Ergebnis sei beispielsweise die Einrichtung einer weiteren Großen Strafkammer und einer weiteren Zivilkammer gewesen. Dies trage, wie Dr. Krauß später anmerkte, wesentlich zur Beschleunigung von Gerichtsverfahren bei.

Zu Anton Lohneis sagte Schmidt, ihm eile ein guter Ruf voraus. Nach über 20-jähriger Tätigkeit in Coburg kehre er in seine Heimatstadt Bamberg zurück. Dessen Landgerichtsbezirk, zu dem die Kreise Forchheim und Haßberge gehören, kenne er besser als alle seine Vorgänger, schließlich habe er in den vergangenen Jahrzehnten eine große Zahl von Wanderungen durch die Fränkische Schweiz, den Steigerwald und die Haßberge unternommen. Er kenne die Menschen, die hier zu Hause sind, habe für sie Verständnis und Sympathie. Das sei oft genauso wichtig wie das hervorragende juristische Wissen, über das Anton Lohneis verfüge.

In seiner Abschiedsrede sagte Dr. Friedrich Krauß, er habe an alle seine beruflichen Stationen gute Erinnerungen. Das Landgericht Bamberg sei zum Schluss "für mich noch einmal etwas ganz Besonderes" gewesen. Es sei für ihn "eine große Beruhigung", dass er das Landgericht Bamberg bei seinem Nachfolger Anton Lohneis "in besten Händen weiß".

Bei allem Positiven, das Krauß anführte, zeigte er sich "nicht nur irritiert und verärgert, sondern geradezu empört und erbost", dass es die deutsche Strafprozessordnung, die in der Welt einzigartig sei, jedem Angeklagten, Rechts- und Linksradikalen, Terroristen, Mitgliedern krimineller Clans oder ganz normalen Straftätern ermögliche, "den Prozess durch unzählige unsinnige Befangenheits- und Beweisanträge endlos in die Länge zu ziehen, ohne dass damit der Wahrheitsfindung und der Gerechtigkeit in irgendeiner Weise gedient wäre". Dies bringe Richter und Staatsanwälte an ihre Belastungsgrenzen und führe im Extremfall dazu, dass Großverfahren kaum noch justiziabel seien. Besonders leid getan hätten Krauß dabei immer Opfer, "die ohnehin mit Bangen ihrer Befragung entgegen sehen, dann ewig auf ihre Vernehmung warten müssen und schließlich unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt werden, weil der Angeklagte mit seinem Verteidiger meint, zunächst noch den 127. Befangenheitsantrag stellen zu müssen".

Vorsitzende von Strafsenaten und -kammern aus ganz Deutschland hätten Vorschläge für ein effektiveres Strafverfahren erarbeitet. Derzeit finde im Bundesjustizministerium die Praxisanhörung statt. Friedrich Krauß bat Justizminister Georg Eisenreich, "den bayerischen Einfluss geltend zu machen, dass diese Eckpunkte auch tatsächlich Gesetz werden". Der Dank aller im Strafrecht tätigen Richter und Staatsanwälte wäre ihm sicher.

Anton Lohneis, der in einem Ort bei Ebrach wohnt, erinnerte daran, wie er im Januar 1998 von seiner Heimatstadt Bamberg als Staatsanwalt nach Coburg ging. Die gut 20 Jahre in der Vestestadt (Lohneis: "Dazwischen liegen mindestens 700 000 Kilometer und fünf Pkw!") seien eine "sehr gute Zeit" gewesen. Jetzt freue er sich auf seine Tätigkeit an der Spitze des Landgerichts Bamberg. Dabei werde es auch um die Einführung der elektronischen Akte und des elektronischen Rechtsverkehrs gehen, was derzeit am Landgericht Coburg erprobt wird. Entscheidend bleibe aber der Mensch, der die Geräte bedient. Und: "Dabei geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit", betonte Lohneis.

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Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
07. 10. 2019
17:50 Uhr

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