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Coburg

Gestrickter Protest

Studenten der Hochschule Coburg beschäftigen sich mit dem Thema "Urban Knitting." Um auf Probleme aufmerksam zu machen, dekorieren sie öffentliche Räume.



Studenten der Hochschule Coburg nutzen Urban Knitting, um auf ihre Anliegen hinzuweisen. Foto: Schult
Studenten der Hochschule Coburg nutzen Urban Knitting, um auf ihre Anliegen hinzuweisen. Foto: Schult  

Coburg - Ein bisschen komisch haben ihre Kommilitonen schon geschaut, als sie in der Pausenhalle der Hochschule Streifen aus alten Plastiktüten schnitten und anfingen, daraus Quadrate zu häkeln. "Wir wollen auf Probleme aufmerksam machen, und das ist die schönste Form des Protestes", erklärt Jana Kroma. Sie studiert Soziale Arbeit im dritten Semester und hat sich mit Nachhaltigkeit und Recycling beschäftigt.

Hintergrund

Guerilla oder Urban Knitting ist eine Form der Straßenkunst, bei der Gegenstände im öffentlichen Raum durch Stricken verändert werden. Dies kann vom Anbringen von gestrickten Teilen bis zum Einstricken ganzer Stadtmöbel reichen.

Einige Aktionen haben nur das Ziel, die Stadt zu verschönern. Andere Initiatoren wollen auf ein spezielles Anliegen hinweisen.

Den Ursprung hat Urban Knitting 2005 in der amerikanischen Stadt Houston. Im Jahr 2010 liefen in Deutschland erste Aktionen in den Großstädten Frankfurt, Berlin und Stuttgart.


Im Rahmen eines fächerübergreifenden Projektes haben sich Studenten Bereiche selbst ausgewählt, in denen sie etwas ändern wollen und die ihnen am Herzen liegen. Um auf bestehende Probleme aufmerksam zu machen, dekorierten sie öffentliche Flächen mit selbst gehäkelten und selbst gestrickten Stücken. Eine Projektgruppe zum Beispiel umstrickte einen Müllcontainer mit zerschnittenem, recyceltem Material: alte Bettlaken, Plastiktüten und ein Duschvorhang. Den Container stellten sie auf dem Gelände der Hochschule und auf dem Coburger Marktplatz auf. "Wir haben befürchtet, dass jemand Müll hineinwirft, aber es lief gut", sagt Jana Kroma.

Viele Passanten hätten sich über das Projekt erkundigt und von ihren eigenen Erfahrungen erzählt. "Ältere Damen haben auch das Gestrickte angefasst und die Qualität geprüft", erzählt sie. 617 Kilogramm Müll werfe jeder Deutsche pro Jahr weg, erklärt Marie Dienesch, die sich auch außerhalb des Projektes mit dem Thema Nachhaltigkeit befasst. "Wir haben Kompetenzziele und wollen die Persönlichkeitsbildung durch die Auseinandersetzung mit dem Leben fördern", erklärt Professor Christian Holtorf vom Wissenschafts- und Kulturzentrum der Hochschule, der das Projekt betreut hat. Entstanden sei die Idee bereits im Vorjahr durch die Kooperation mit der Alten Schäferei in Ahorn, wo das Wissen um die Wollverarbeitung vorhanden ist und weitergegeben wird. In einer Stunde zu Anfang des Semesters lernten alle Projektteilnehmer stricken. Auch Holtorf frischte alte Kenntnisse aus seiner Grundschulzeit wieder auf.

Insgesamt bildeten sich vier Projektgruppen, die sich unterschiedliche Aktionen einfallen ließen. Um das Thema Nachhaltigkeit ging es auch beim Umstricken von Stromkästen im Stadtgebiet. Kärtchen mit einem QR-Code an den Objekten lieferten weitere Informationen zu Stromverschwendung und erneuerbaren Energien. "Die nötigen Genehmigungen zu bekommen, war eine größere Sache", weiß Holtorf. So mussten zum Beispiel rund um die Hochschule besondere Vorgaben zum Brandschutz eingehalten werden. Eine Gruppe wollte auf die schlechte Übersicht auf dem Gelände hinweisen und strickte große Nummern. Diese 40 Quadratzentimeter großen Wollstücke brachten die Studenten an den Gebäuden an. Schon beim Aufhängen war die Resonanz groß, viele fanden die Aktion gut, andere fragten, ob das denn überhaupt erlaubt war, sagt Anna Reifenrath.

Zum Start des Semesters sorgten die gestrickten Zahlen einige Wochen lang für eine bessere Orientierung auf dem Campus, gerade für Studienanfänger. "Beim Abhängen war die Enttäuschung groß, viele sagten, die Orientierung würde ihnen nun fehlen." Die Projektgruppe hat sich darum an die Hochschulleitung gewandt, welche zusagte, sich mittelfristig um die bessere Beschilderung der Gebäude auf dem Campus zu kümmern.

Auch für das Tierwohl hat sich eine Gruppe eingesetzt und Boxen für Futtermittelspenden an das Tierheim verschönert. Diese Gitterboxen stehen in verschiedenen Supermärkten und können von Kunden befüllt werden. Zum Abschluss, und um alle Projektgruppen noch einmal zusammenzubringen, lief in den vergangenen Tagen im Fugenlos in der Coburger Herrngasse die "Woche des Strickens" mit einer Ausstellung und verschiedenen Aktionen zum Thema. Für die Zukunft will Christian Holtorf ein erneutes Urban-Knitting-Projekt nicht ausschließen. Als nächstes ist jedoch eine Aktion in Zusammenarbeit mit der Alten Schäferei in Ahorn im Gespräch, bei der es um den Weg dorthin geht sowie die Themen Verkehr und Mobilität.

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Christiane Schult

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Veröffentlicht am:
07. 12. 2018
20:26 Uhr

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07. 12. 2018
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