Topthemen: Globe TheaterHSC 2000 CoburgBBC CoburgStromtrasse

Coburg

Gläserner Globe als Energiefresser

Der Experte Dr. Erwin Thoma zerpflückt beim "Forum Wissen" der Neuen Presse das Coburger Leuchtturmprojekt. Das Thema Nachhaltigkeit zieht sich durch den ganzen Abend.



Leidenschaftlich verficht Dr. Erwin Thoma das Prinzip Nachhaltigkeit in allen Lebenslagen, vor allem beim Bau. Der Entwurf des englischen Stararchitekten Andrew Todd für das geplante Globe Theater in Coburg fällt bei ihm durch; rechts der städtische Klimaschutzbeauftragte Wolfgang Weiß.
Leidenschaftlich verficht Dr. Erwin Thoma das Prinzip Nachhaltigkeit in allen Lebenslagen, vor allem beim Bau. Der Entwurf des englischen Stararchitekten Andrew Todd für das geplante Globe Theater in Coburg fällt bei ihm durch; rechts der städtische Klimaschutzbeauftragte Wolfgang Weiß.   » zu den Bildern

Coburg - Eine "schreckliche Energiebilanz" attestiert Dr. Erwin Thoma dem Globe Theater, wie es Coburger Hochschulprofessoren und der englische Stararchitekt Andrew Todd am Güterbahnhof verwirklicht sehen wollten. Der bei einer Vorlesung in Coburg gezeigte Entwurf für das Gebäude, der als Übergangsspielstätte für das Landestheater während des Umbaus am Güterbahnhof entstehen soll, ist bei seinem Vortrag an die Wand projiziert. Im Sommer sei solch ein Gebäude wegen seines hohen Glasanteils nicht kühlbar, erklärt der Nachhaltigkeitsexperte. Zwar sei die Gestaltung wunderschön, mildert der Österreicher sein Urteil etwas ab. In punkto Energiebilanz sei solch eine Bauweise jedoch kontraproduktiv: Bei einem Glasanteil von über 40 Prozent kippe innen das Klima, so der Fachmann für Null-Energie-Bauweise.

Der im Oktober im Stadtrat vorgestellte Entwurf des Rundbaus orientiert sich nicht an der Konstruktion Todds, sondern setzt in viel stärkerem Maße Holz ein. Darauf verwies der städtische Klimaschutzbeauftragte Wolfgang Weiß. Das Holz stamme aus der Region, damit entfallen schon einmal lange Transportwege - auch ein Nachhaltigkeitsfaktor. Nicht genug in den Augen des Referenten: Der verficht kompromisslos einen Null-Energieverbrauch bei Neubauten. Das Thema Nachhaltigkeit durchzieht den ganzen Abend, zu dem die Neue Presse im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Forum Wissen" ins Gemeindezentrum der Freien evangelischen Gemeinde Coburg eingeladen hat.

Der promovierte Förster, Betriebswirt und praktizierende Holz-Bauunternehmer Erwin Thoma landet beim lauten Nachdenken über die Natur schnell bei den Geheimnissen des Lebens. Seine Sätze sind leidenschaftliche Plädoyers für gelebten Umweltschutz. Den Begriff korrigiert er gleich: "Mitwelt" müsse es heißen, denn "die Natur interagiert mit uns. Wir können kein gutes Leben führen, ohne die Natur zu begreifen". Er kritisiert den aktuellen Gesellschaftsentwurf, bei dem sich der Wohlstand auf Ausbeutung stütze. Thomas Alternativmodelle liegen in der Natur, im Holz, im Wald. Er erläutert an vielen griffigen Beispielen, warum: Der Wald praktiziere ein "brüderliches" Geschäftsmodell, starke Bäume versorgten über ihren Photosynthese-Stoffwechsel andere Gewächse. Holz sei ein zudem äußerst langlebiger Baustoff, Bäume würden Jahrhunderte leben, Menschen schafften maximal hundert Jahre, knüpft er die Verbindung, dass man von der Natur, speziell dem Wald und den Bäumen, jede Menge lernen könne.

Sein Ansatz von Nachhaltigkeit dreht sich um den Bau: Energieautarke Häuser, die nicht nur auf Heizenergie aus fossilen Brennstoffen verzichten können, sondern auch nach ihrem Gebrauch keinen Müll darstellten. Thoma plädiert für den Verzicht auf giftige Dämmstoffe oder nicht organisches Baumaterial. Radikal fällt er sein Urteil über konventionelle Bauweise: "Jedes Haus heute ist eigentlich Bausondermüll!" Nicht nur Einfamilienhäuser könne man aus Holz errichten, sogar erdbebensichere mehrstöckige Gebäude in Großstädten seien möglich. Brandschutz sei gewährleistet, denn Massivholz brenne nicht, argumentiert er. Das Geheimnis: Mondholz.

Thomas Ausführungen schrammen knapp an der Grenze zur Esoterik vorbei. Nicht nur Rationalität allein sollten Entscheidungsgrundlagen sein, man solle auch auf den Bauch und das Herz hören, fordert er. Der Holz-Spezialist appelliert leidenschaftlich, im Interesse der eigenen Enkel in Generationen, am besten sieben, wie die Indianer, zu denken. Damit spricht er den zahlreichen Zuhörern aus dem Herzen.

Nachhaltigkeit ist auch für die beiden Männer zentrales Thema, die nach Thomas Referat zur Diskussion die Bühne betreten: Joachim Krause, Inhaber des Coburger Handtuch- und Mattenservice, und Förster Wolfgang Weiß, Klimaschutzbeauftragter der Stadt Coburg. "Waschen ist Recycling von Textilien", formuliert der Unternehmer seinen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Krause nennt ein paar Kennzahlen zur Energieeinsparung seines Unternehmens, das nun 90 Prozent weniger Wasser und 80 Prozent weniger Energie verbraucht. Er fordert eine ganzheitliche Betrachtung jeder Geschäftsidee und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Er sei anfangs auch auf Unverständnis gestoßen, bis der Erfolg ihm recht gegeben habe. Dies quittiert das Publikum mit Zwischenapplaus. Pioniere wie Krause zeigten auf, was möglich sei, lobt Förster Wolfgang Weiß. "Wer etwas verändern will, muss bei sich selber anfangen." Viele Menschen hätten vergessen, langfristig zu denken. Es herrsche eine Diktatur der Gegenwart. Spontanen Beifall des Publikums bekommt der Coburger Klimaschutzbeauftragte bei seiner Kritik am unbekümmerten Umgang mit Schadstoffen im Individualverkehr und bei der Stromerzeugung und den spürbaren Auswirkungen auf das Klima: "Der Hitzesommer bedeutet eben nicht nur Biergarten und Freibad".

Autor

Katrin Lyda
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
23. 11. 2018
16:36 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bauweisen Evangelische Kirche Experten Foren Holz Joachim Krause Landestheater Coburg Massivholz Nachhaltigkeit Neue Presse Presse Professoren Stadt Coburg Wald und Waldgebiete Wärmedämmstoffe
Coburg
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Das Erdgeschoss des in Coburg geplanten Globe-Theaters. Hier ist deutlich zu sehen, dass der äußere Ring nur der Optik dient. Clou des Entwurfs sind die versenkbaren Bereiche im Bühnenraum, die die Nutzungsmöglichkeiten des Gebäudes erweitern.	Entwurf: Globe GmbH

27.11.2018

Theatersanierung: Stoschek beklagt Gleichmut im Stadtrat

Der Kostenrahmen und der Zeitplan der Theatersanierung werden nicht eingehalten. Das kritisiert der Unternehmer. » mehr

Erwin Thoma.

17.11.2018

Utopie oder Zukunftssicherung?

Nachhaltigkeit ist zum großen gesellschaftlichen Thema geworden. Das Forum Wissen der Neuen Presse greift es auf. » mehr

Das Globe-Theater von der Uferstraße in Coburg aus gesehen: Entwurf: Globe Coburg GmbH

10.10.2018

Ein Haus für viele Generationen

Die Pläne für das Globe-Theater am Güterbahnhof sind überarbeitet worden. Ziel ist die Schaffung eines nachhaltig nutzbaren Gebäudes. Das schlägt sich auch in den Kosten nieder. » mehr

Maximilian Forkel

10.12.2018

Landkreis soll Landestheater mitfinanzieren

Die Jungen Coburger warnen, dass Millionenprojekte die Stadt überfordern könnten. Sie sehen auch das Umland in der Pflicht. » mehr

Die Pläne für Coburg: Theater im Globe, Werkstatt, Schneiderei und Mehrzweckräume nebenan. Foto: Globe Coburg GmbH

05.12.2018

Ein Rundbau und drei Nebengebäude

Die aktuellen Planungen der Globe Coburg GmbH sehen den Bau eines Rundtheaters sowie von drei Zusatzgebäuden auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs vor. » mehr

Der Freistaat Bayern soll das Landestheater Coburg übernehmen. Diese Diskussion stößt Alt-Oberbürgermeister Norbert Kastner an. Die Mitfinanzierung des Theaters überfordere die Stadt.	Foto: Archiv Neue Presse

10.10.2018

Theater-Umzug muss noch warten

Die Übergangsspielstätte kann frühestens im März 2021 fertig gestellt werden. Die Betriebserlaubnis für das Haus am Schlossplatz muss deshalb nochmals verlängert werden. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Neujahrsempfang des HSC Coburg

Neujahrsempfang des HSC Coburg | 18.01.2019 Coburg
» 30 Bilder ansehen

Eschenbach: Traktor fängt Feuer Eschenbach

Eschenbach: Traktor fängt Feuer | 17.01.2019 Eschenbach
» 18 Bilder ansehen

Fasching Meeder Meeder

Faschingssitzung in Meeder | 12.01.2019 Meeder
» 15 Bilder ansehen

Autor

Katrin Lyda

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
23. 11. 2018
16:36 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".