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Harte Töne gegen den Pflegenotstand

Dustin Struwe arbeitet als Pflegefachkraft. In seiner Musik verarbeitet er Erfahrungen aus seinem Alltag. Auch mit Politikern hat er schon gesprochen.



Ehrliche Worte: Dustin Struwe interviewt Jens Spahn. Foto: Struwe
Ehrliche Worte: Dustin Struwe interviewt Jens Spahn. Foto: Struwe   » zu den Bildern

Coburg - Dustin Struwe rappt, aber mit Gangstern wie Eminem und Bushido hat er nichts gemeinsam. Den jungen Coburger treibt ein sehr konkretes Thema um: der Pflegenotstand. Der 28-Jährige ist nicht nur Musiker, sondern auch als Youtuber, Blogger und Podcaster im Internet unterwegs. Hauptberuflich arbeitet er als Pflegefachkraft in Rödental - und das aus Leidenschaft. Der Sprechgesang und die Auftritte in den übrigen Medien versteht er auch als eine Art Selbst-Therapie: "Das ist einfach ein Job, bei dem du viele Dinge mit nach Hause nimmst."

Begonnen hat seine Musik-Karriere aus genau diesem Grund: "Ich hatte eine schlimme Schicht hinter mir, in der drei Menschen gestorben sind", sagt Struwe. Diese Erfahrung hat er im Song "letzte Tür" verarbeitet. "Wir geben den alten Menschen das Gefühl, zu leben", heißt es im Refrain. Ein Video davon stellte Struwe auf die Plattform "Youtube". "In den ersten Stunden haben sich 2000 Menschen das Video angesehen", erklärt er. Und das, obwohl sein Kanal noch gar keine Fans gehabt hätte. "So viel Aufmerksamkeit habe ich vor allem deshalb erhalten, weil viele die mit dem Thema Pflege zu tun haben, in den Sozialen Netzwerken das Video geteilt haben", erinnert sich Struwe.

Dieses Video war der Beginn einer Karriere, mit der er kein Geld verdienen wolle. "Ich produziere auch CDs und verschicke sie gegen Erstattung der Versandkosten", sagt er. Inzwischen kennen viele Pflegeschüler und junge Pfleger "Dena". Unter diesem Pseudonym verbreitet Struwe auch einen Podcast, macht also Radiosendungen, die im Internet abrufbar sind. In den kurzen Folgen spricht er mit Pflegekräften, stellt Messen vor und interviewt Experten. Für eine Videoserie, die auf Youtube steht, hat er bereits den damaligen gesundheitspolitischen Sprecher der CDU, Jens Spahn, interviewt. Der ist heute als Gesundheitsminister und unter anderem für die Pflege verantwortlich. Damals hatte Spahn gesagt, er wolle helfen, könne die Probleme aber nicht vollständig lösen.

"Er hat damals einige Verbesserungen angekündigt, wollte aber keine Versprechungen machen", schildert Struwe. Besonders wichtig war ihm damals das Thema Zeitnot. Der junge Politiker versprach, sich die Situation genau anzusehen. In Struwes Augen ist es wichtig, dass Politiker einen Eindruck vom Alltag in Heimen und Krankenhäusern erhalten. Spahn musste deswegen einen Crashkurs bei ihm machen, bei dem der CDU-Mann am eigenen Leib erfuhr, wie schwer es ist, einen erwachsenen Menschen hochzuheben.

Als Politiker, so Struwe, habe Spahn nun auch einige Verbesserungen durchgesetzt, aber eben nicht genug. "Der Alltag in den Heimen ist noch immer hart und die Bezahlung schlecht. Trotzdem möchte keinen anderen Job machen", fährt er fort. Ihm ist es wichtig, junge Menschen für seinen Beruf zu begeistern, der so viel mehr als "Hintern-Abwischen" beinhalte.

In der vergangen Woche hat Struwe noch einmal nachgelegt - und gefordert, dass Spahn ihn während eines Nachtdienstes begleitet. Eine Antwort auf dieses neue Video habe er bislang noch nicht erhalten.

Die Pflege ist für den 28-Jährigen aber nicht nur ein Thema, mit dem sich Politiker beschäftigen sollten: "Das geht und alle an. Wir werden immer älter und wahrscheinlich mal ein Pflegefall", sagt Struwe. Und jeder wolle, dass er auch dann noch in Würde leben kann. Etwas, das in Struwes Augen in Pflegeheimen heute nicht unbedingt möglich ist. Warum das so ist, verdeutlich er an einem Beispiel: "Im Nachtdienst kümmern sich drei Mitarbeiter um 40 Leute, nur einer davon muss eine Fachkraft sein. Das ist schon machbar." Es könne aber geschehen, dass zum Beispiel ein Bewohner in seinen Exkrementen liegt und gleichzeitig ein Notfall eintritt - beide Male müsse die Fachkraft ran. "Ich muss mich zuerst um den Notfall kümmern. Der Bewohner, der in seinen Exkrementen liegt, muss warten, bis ich Zeit habe. Menschenwürdig ist das in meinen Augen nicht."

Struwe plädiert dafür, dass die Politik die Rahmenbedingungen verbessert. "Viele schimpfen immer über die Träger - aber jedes Heim steht für sich da. Ich arbeite zum Beispiel im Curanum in Rödental und bin zufrieden." Aber auch sein Arbeitgeber könne immer nur mit den Ressourcen handeln, die ihm zur Verfügung stehen.

So viel Engagement ist auch dem Konzern, bei dem Struwe arbeitet, nicht verborgen geblieben. Der habe zum Beispiel die neue CD "Manifestiert" bezahlt. Sie kann über die Homepage von Struwe bestellt werden. Dort gibt es die Songs auch zum kostenlosen Herunterladen. Auch sonst unterstütze das Unternehmen Struwe bei seinen Vorhaben. Und der hat sich inzwischen einen Namen gemacht, wurde zum Beispiel vom Sat1-Frühstücksfernsehen interviewt und zählt mehr als 10.000 Fans im sozialen Netzwerk Facebook. Auch einige Pflegekongresse durfte Struwe in den vergangenen Monaten eröffnen, beispielsweise den Kongress "Junge Pflege" im Mai in Bochum.

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Katja Diedler

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Veröffentlicht am:
05. 06. 2019
17:26 Uhr

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Katja Diedler

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Veröffentlicht am:
05. 06. 2019
17:26 Uhr



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