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Coburg

Haufenweise Ärger

Wildgänse ruinieren die Glender Wiesen. Landwirte klagen inzwischen über finanzielle Einbußen und fühlen sich im Stich gelassen.



Gänsekot verunreinigt die ganze Wiese. Foto: Judith Hobmaier
Gänsekot verunreinigt die ganze Wiese. Foto: Judith Hobmaier  

Coburg - 100 Wildgänse flattern aufgeschreckt davon, wenn die beiden Landwirte Günther und Matthias Heß ihre Wiese in Glend betreten. Ein beeindruckender Anblick. Weniger schön findet Günther Heß den Boden der Wiese: Er ist übersät von Gänsekot. Kaum ein Schritt ist möglich, ohne in eines der Häufchen zu treten. Matthias Heß, der diese Wiese als Futter für seine Kühe benötigt, ist ratlos.

Wildtiere melden

Die bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft weiß um die Problematik der steigenden Wildgänsezahl.

Zu Konflikten kann es laut Landesanstalt in folgenden Bereichen kommen:

Landwirtschaft: Fraßschäden und Verunreinigung durch Kot.

Freizeitanlagen: Verkoten der Liegewiesen in Erholungseinrichtungen. In München werden zusätzlich zur Verkotung von Grünanlagen auch Schäden an Blumenbeeten in Parks gemeldet.

Als Maßnahmen empfiehlt die Landesanstalt:

Populationskontrolle: darunter fallen jagdliche Maßnahmen, Gelegebehandlung und die Abhaltung von Brutflächen.

Populationslenkung: Bereitstellung von Ablenkungsflächen und die Vergrämung der Wildgänse von Schadflächen durch jagdliche Handlungen, aber auch durch technische Anlagen oder optische bzw. akustische Reize.

Für Betroffene wurde von der bayerischen Landesanstalt eine Meldestelle eingerichtet: Die Projektgruppe des Umsetzungsprojekts "Management von Wildgänsen im Maintal" verwendet seit November 2016 das Online-Meldesystem "Bürgerplattform Wildtiere in Bayern" (WilTiB). Landwirte, Jäger, Naturschützer, Vogelkundler und weitere Betroffene können Meldungen im System abgeben und einsehen.

www.wildtierportal.bayern.de

 

Die rasante Ausbreitung der Wildgänse macht den Landwirten in Glend zu schaffen. Seit drei Jahren zerstören Wildgänse und Wildschweine ihre Futter- und Getreidewiese im dortigen Naturschutzgebiet. Familie Heß versucht seit Jahren, eine Lösung zu finden, fühlt sich aber dennoch im Stich gelassen. "Schuld an allem ist der Goldbergsee, vorher hatten wir das Problem mit den verunreinigten Wiesen nicht", klagt Matthias Heß.

 

"Wildgänse siedeln sich vorrangig neben Gewässern an", erklärt Frank Reißenweber vom Landratsamt Coburg. Der Goldbergsee sei für die Wildgänse dementprechend sehr reizvoll, vor allem, da im gesamten Naturschutzgebiet ganzjährig Jagdverbot herrscht. "Die Tiere sind schlau und merken sich, dass ihnen dort nichts passiert. Darum siedeln sie sich dauerhaft dort an", erklärt er. So habe sich schlussendlich um den Goldbergsee herum ein kleines Paradies entwickelt. "Hauptsächlich haben wir Kanada- und Graugänse hier." Das ganze Gebiet um den See herum sei ein perfekter Lebensraum für diese Tiere: "So funktioniert Naturschutz. Man bietet den Tieren einen neuen Lebensraum an und sie nehmen ihn dankend an." Damit lasse sich das vermehrte Aufkommen der Tiere leicht erklären. Derzeit seien hauptsächlich Brutpaare vor Ort, im Sommer können es dann schnell 100 Tiere werden. Dass eine derart hohe Konzentration der Tiere auf einem Fleck zu Problemen führen kann, kann Reißenweber durchaus nachvollziehen.

"So stark verkotete Wiesen können wir nicht als Futter benutzen. Das ist viel zu gefährlich für die Kühe", ist Heß frustriert. Fäkalkeime könnten die Tiere erkranken lassen. Bereits 2018 konnte Heß die fünf Hektar nicht als Futtermittel nutzen, jedoch noch auf Futterreserven aus den Vorjahren zurückgreifen. "Das geht dieses Jahr nicht mehr. Wenn wir Futter zukaufen müssen, ist das für uns ein immenser finanzieller Aufwand." Selbst wenn man statt Futtersilage Futterheu daraus herstellen würde, würde es zu finanziellen Einbußen kommen: "Heu ist weniger wert als Silage", klagt Heß.

Reißenweber gibt jedoch zu bedenken, dass Wildgänse reine Pflanzenfresser sind und sich dadurch in ihrem Kot nicht viele gefährliche Keime befänden. "Trotzdem verstehe ich natürlich, dass man so eine Wiese nicht für die Herstellung von Futtersilage verwenden möchte."

Die Landwirte stehen laut eigenen Aussagen mit sämtliche Behörden in Kontakt und ließen vergangenes Jahr sogar ein Schadensgutachten anfertigen. "Fast 4000 Euro wurde laut Gutachter Frank Menzner an Schaden verursacht - und niemand fühlt sich zuständig, für einen Ausgleich oder eine Entschädigung zu sorgen. Wir rennen von einer Instanz zur nächsten", klagt Günther Heß.

Die bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft bietet zwar Projektregionen für ein sogenanntes Wildgänsemanagement an, bei dem sich unter anderem Betroffene Landwirte melden können. Jedoch sei die Coburger Region laut Matthias Heß nicht in den Projektflächen entlang am Main enthalten: "Warum auch immer, für mich macht das überhaupt keinen Sinn. Wir haben die Schäden ja auch. Noch so ein Jahr wie letztes Jahr wäre katastrophal."

Auch Reißenweber versteht die Problematik der Landwirte. "Ich würde es stark befürworten, wenn man ihnen gleichwertige Ausgleichsflächen zur Verfügung stellt." Das sei nach Reißenweber auch eine möglicherweise bessere Lösung, als permanente Entschädigungszahlungen. Jedoch, betont Reißenweber, habe er keine Entscheidungsgewalt. "Das muss der zuständige Beamte der Regierung Oberfranken klären." Der Biologe hofft jedoch, dass sich bald eine zufriedenstellende Lösung für alle Parteien findet.

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Judith Hobmaier
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Veröffentlicht am:
20. 05. 2019
18:48 Uhr

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Judith Hobmaier

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20. 05. 2019
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