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Hochqualifizierte gesucht

Benötigen Pflegekräfte bald ein Hochschulstudium? Experten aus dem Gesundheitswesen sehen darin eine Chance, den Beruf attraktiver zu machen.



Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen suchen händeringend nach Personal. Kann eine akademische Ausbildung ein neues Klientel an Interessenten in das Gesundheitswesen ziehen? Foto: Christoph Schmidt/dpa
Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen suchen händeringend nach Personal. Kann eine akademische Ausbildung ein neues Klientel an Interessenten in das Gesundheitswesen ziehen? Foto: Christoph Schmidt/dpa  

Coburg - Pflegeheime können keine neuen Patienten aufnehmen. Pflegedienste - wie in der vergangenen Woche im Raum Coburg passiert - müssen Touren streichen. Überall fehlt Personal, das alte und kranke Menschen unterstützt. Was kann in einer solchen Situation helfen? Braucht man mehr niederschwellige Angebote, um Menschen in den Pflegeberuf zu ziehen, oder ist es eine Akademisierung, die Abiturienten locken könnte?

Diese Frage wurde auf der ersten Gesundheitskonferenz für Nordostoberfranken diskutiert, die auf Einladung des Regiomed-Konzerns im Kongresshaus Coburg stattfand. Neben Krankenhäusern betreibt Regiomed auch Seniorenheime in den Landkreisen Coburg, Lichtenfels, Sonneberg und Hildburghausen.

Für Jürgen Beninga, den Geschäftsführer des Rot-Kreuz-Kreisverbands Coburg war die Sache klar: "Wir brauchen Indianer und keine Häuptlinge", unterstrich er bei der Podiumsdiskussion, die von Wolfgang Braunschmidt, dem Redaktionsleiter der Neuen Presse, geleitet wurde. Nach Meinung des Praktikers Beninga, könnten Studiengänge für das Fach Pflege das Problem nicht lösen. "Was nötig ist, sind gut ausgebildete Fachkräfte und eine Bezahlung nach Tarif", sagte er. Außerdem müsse man aufhören, den Pflegeberuf schlecht zu reden.

Für Henry Rafler, Pflegedirektor am Klinikum "Bergmannstrost" in Halle/Saale, war Jürgen Beningas Lösungskonzept zu einfach gestrickt: "Mit einer normalen Pflegeausbildung können wir Abiturienten nicht erreichen", warnte er. Nach Raflers Einschätzung seien auch "hochqualifizierte Indianer" nötig, um in Zukunft eine adäquate Pflege anbieten zu können. Eine akademische Ausbildung, die später auch die Übernahme von verantwortungsvollen Tätigkeiten garantiere, eröffne zusätzliche Perspektiven im Gesundheitswesen. "Generell benötigen wir alle Bildungsabschlüsse in der Pflege - von der Hauptschule bis zur Hochschule", meinte der Pflegedirektor aus Sachsen. Ferner plädierte er dafür, jungen Menschen "einen durchgehenden Karriereweg aufzuzeigen", damit sie sich für einen Beruf im Gesundheitswesen interessieren könnten. Eindringlich warnte Henry Rafler vor der Abwerbung ausländischer Pflegekräfte. "Damit richten wir in den Ursprungsländern Schlimmes an", unterstrich er.

Auch Susanne Arnold, Pflegedirektorin der Uniklinik Augsburg, mochte dem Trend zur Akademisierung in der Pflege nicht verteufeln: "Wenn wir Pflegeteams unter professioneller medizinischer Führung in Alten- und Pflegeheimen einsetzten, dann kann auf diese Weise oft die Einweisung von Patienten in ein Akutkrankenhaus vermieden werden", erklärte Arnold. Das wäre auch im Interesse der Patienten.

Auf die Möglichkeit, selbst Nachwuchskräfte auszubilden, machte Dr. Dorothea Thieme, die Leiterin der Medical-School von Regiomed aufmerksam. Der Klinikkonzern habe im Moment mehr als 500 junge Menschen in Ausbildung. Der Bogen spanne sich hier von Verwaltungs- und Pflegekräften bis hin zu Ärzten. So sei es möglich, bedarfsgerecht Personal zu gewinnen. Personalbindung sei ein weiteres wichtiges Thema für Regiomed, bekannte Thieme. Deshalb versuche man Nachwuchskräfte hauptsächlich an den Klinik-Standorten anzuwerben. "Wer zufrieden ist, der sagt es weiter", betonte die Leiterin der Bildungseinrichtungen.

Auch Dorothea Thieme unterstrich, dass die Akademisierung ein wichtiger Schritt sei, Pflegeberufe attraktiver zu machen. "Deshalb ist die Einführung eines Studiengangs für Pflege- und Hebammenwissenschaften an der Hochschule Coburg sehr wichtig für unseren Standort", betonte sie.

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Norbert Klüglein

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Veröffentlicht am:
02. 12. 2019
17:34 Uhr

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Norbert Klüglein

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02. 12. 2019
17:34 Uhr



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