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Coburg

Hochwasser: Land unter binnen Minuten

Starker Regen sorgt am Sonntagabend für voll gelaufene Keller und überflutete Straßen. Die Feuerwehren sind im Dauereinsatz.



Lautertal/Wiesenfeld - Am Sonntagabend ziehen im Coburger Land dicke Wolken auf. Wenig später entlädt sich ein Gewitter mit Starkregen, der Keller volllaufen und Gräben über die Ufer treten lässt.
Lautertal/Wiesenfeld - Am Sonntagabend ziehen im Coburger Land dicke Wolken auf. Wenig später entlädt sich ein Gewitter mit Starkregen, der Keller volllaufen und Gräben über die Ufer treten lässt.   » zu den Bildern

Lautertal/Wiesenfeld - Am Sonntagabend ziehen im Coburger Land dicke Wolken auf. Wenig später entlädt sich ein Gewitter mit Starkregen, der Keller volllaufen und Gräben über die Ufer treten lässt. 18 Feuerwehren im Landkreis sind bis nach Mitternacht im Dauereinsatz.

Den Anfang macht um kurz nach 19 Uhr die Alarmierung aus Lautertal, erklärt Kreisbrandinspektor Stefan Püls. Im Ortsteil Neukirchen ist die Hauptstraße überschwemmt, teils ist sogar Schlamm auf die Fahrbahn geflossen. Eine Stunde später kommt der Alarm aus Wiesenfeld, zwanzig Minuten später hat das Hochwasser Breitenau erreicht. "Es war ein sehr extremer Starkregen, der nicht weiter gezogen ist. So konnte es sich ausregnen", beschreibt Püls den Vorfall. Das Rückhaltebecken, das zur Vorbeugung von genau solchen Starkregenereignissen in Breitenau gebaut wurde, war innerhalb kurzer Zeit voll und trat über die Ufer. "Es konnte die Situation nur verlangsamen", sagt Püls. Alle Gräben und Bäche waren ebenfalls voll, und so suchte sich das Wasser seinen Weg: In Keller, Garagen und über Straßen.

"Wir haben das Problem, dass von den Langen Bergen das Wasser über die Flächen kommt, Neida und Wiesenfeld sind die tiefsten Punkte, das Nadelöhr, wo das Wasser eben durch muss." Das macht auch für die Helfer die Situation schwierig. Denn das Wasser, das sie aus Kellern und Garagen pumpen, muss irgendwohin abfließen. "Wir haben es vom Oberflächenwasserkanal in den Abwasserkanal gepumpt", so Püls, der in der Nacht selbst vor Ort war.

Innerhalb einer Stunde fiel beispielsweise bei der Wetterstation in Birkenmoor bei Wiesenfeld 65 Millimeter Regen, "in Richtung Neida waren es mehr, bis zu 100 Millimeter", weiß Martin Albrecht. Jeder Millimeter an der Messstelle bedeutet ein Liter pro Quadratmeter. Der Landwirt hat schon manches Unwetter miterlebt, "aber auf der einen Wiese stand noch nie so viel Wasser wie diesmal", sagt Albrecht.

In Heldritt am Schlossberg verwandelten Wassermassen die steile Straße in einen Bach. "Der Garten wurde umgepflügt, die Mülltonnen schwammen die Straße hinunter", schildert eine Anwohnerin. Schon Christian Reschs Großeltern wohnten in dem Haus der Familie am Schlossberg. "So was hatten wir hier noch nie", sagt er. Zunächst habe das Unwetter nach einem ganz normalen Regen ausgesehen. Dann, gegen 20.30 Uhr, sei plötzlich immer mehr Wasser die Straße hinuntergeflossen, "das kam bis an unsere Hauswand, wir haben Gott sei Dank keinen Keller, der wäre voll gewesen", meint Resch. Zehn Zentimeter hoch stand schlammige Brühe im Hof, bis Montagmittag war er mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Nun will er sich Gedanken machen, wie er das Anwesen für zukünftige Unwetter sichern kann.

Auch im Bad Rodacher Stadtteil Carlshan standen in der Nacht drei Keller unter Wasser. Weil darin Öltanks gelagert waren, mussten die Einsatzkräfte besonders schnell helfen, um zu verhindern, dass es zu größeren Umweltschäden kommt. Die Staatsstraße 2205 zwischen Neida und Bad Rodach war in Höhe des Bahnübergangs überschwemmt, auch hier wurde Schlamm von den Feldern mit auf die Fahrbahn gespült. Zeitweise musste die Straße für den Verkehr gesperrt werden. Weil auch die Ampel an den Gleisen beschädigt war, rückten noch in der Nacht Mitarbeiter der Bahn an, um die Anlage zu reparieren.

Um der Lage Herr zu werden, wurden die verschiedenen Einsatzorte in Abschnitte eingeteilt und von den Feuerwehren nach und nach abgearbeitet. "So ging das relativ gut", ist Kreisbrandinspektor Stefan Püls zufrieden. Auch das Technische Hilfswerk stand mit großen Hochleistungspumpen bereit. Doch diese wurden nicht gebraucht.

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"Wir hoffen, dass es nicht so weiter geht", meint Püls, der in den vergangenen Jahren beobachtet hat, dass extreme Wetterlagen immer mehr zunehmen. Auch wenn die Wehren reagiert haben und mit großen Pumpen ausgestattet sind, mache der plötzliche und schnelle Anstieg des Wasserspiegels den Einsatzkräften zu schaffen. "Da bleibt uns oft nur, die Schäden einzudämmen", sagt Püls. Und so lange immer wieder Wasser nachdrücke, habe auch das Auspumpen von Kellern keinen Sinn.

Am Sonntagabend brachten die Helfer bereits gefüllte Sandsäcke nach Breitenau, die dort allerdings nicht mehr zum Einsatz kamen. "Sie liegen bereit und wer sie braucht, kann sich welche nehmen." Er rät Anwohnern von gefährdeten Gebieten, sich rechtzeitig für die Selbsthilfe auszustatten. Auch bauliche Veränderungen könnten sinnvoll sein, um Hochwasser zumindest etwas aufzuhalten.

In der Vestestadt war die Situation deutlich entspannter. Zumindest am Sonntag. Da musste die Feuerwehr wegen des Unwetters überhaupt nicht ausrücken, so Pressesprecher Sebastian Sorge. Auch für die Polizei war die Lage ruhig. "In der Callenberger Unterführung stand etwas Wasser, aber wir mussten die Straße nicht sperren", sagte Polizeisprecher Stefan Probst. Brenzliger wurde es in Heilgersdorf. Dort hatte das Unwetter kurz vor Mitternacht einen Baum umstürzen lassen. Einige Äste waren auf eine Stromleitung gefallen und hatten angefangen zu brennen. "Die Feuerwehr war vor Ort und auch Mitarbeiter der SÜC, um in der Nacht noch das Kabel zu reparieren", so Probst. Personen wurden bei dem Unwetter nicht verletzt.

Der Starkregen am Sonntagabend führte zu einer außergewöhnlichen Verschmutzung der Fahrbahn auf der Kreisstraße von Höhn nach Fischbach. Da die Fahrbahn kurz nach dem Ortsausgang Höhn auf etwa 300 Metern Länge mit Dreck und Geröll verschmutzt war, musste die Freiwillige Feuerwehr Bergdorf mit 15 Kameraden ausrücken, um eine Gefährdung für Verkehrsteilnehmer auszuschließen. Die Straßenmeisterei war ebenfalls im Einsatz.

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Am Montagnachmittag gingen wieder sintflutartige Regenfälle über Coburg nieder. Im Stadtteil Ketschendorf musste die Feuerwehr ausrücken, weil eine Treppe in der Nähe der alten Jugendherberge einem reißenden Gebirgsbach glich. Wasser strömte mit hohem Druck aus einem Kanal, der die Massen nicht mehr aufnehmen konnte.

Autor
Christiane Schult

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Veröffentlicht am:
21. 05. 2019
00:00 Uhr

Aktualisiert am:
21. 05. 2019
10:34 Uhr

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Christiane Schult

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21. 05. 2019
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21. 05. 2019
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