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Coburg

Stellungnahme

Ideologische Scheuklappen: Große Betroffenheit bei der Wirtschaft

Das Hochschulprojekt "Creapolis" hatte zu einer Diskussion über "Nachhaltige Mobilität in der Stadt" eingeladen.



Ideologische Scheuklappen: Große Betroffenheit bei der Wirtschaft
Ideologische Scheuklappen: Große Betroffenheit bei der Wirtschaft  

Das Hochschulprojekt "Creapolis" hatte zu einer Diskussion über "Nachhaltige Mobilität in der Stadt" eingeladen. Bei der Veranstaltung hieß es, dass eine "menschengerechte Stadt" keine Autos brauche, was ja im Umkehrschluss bedeutet, dass Coburg (so wie fast alle Städte auf der Welt) derzeit nicht menschengerecht ist. Eine wirklich unglaubliche These, die sich mit der Entwicklung der Einwohnerzahlen in Städten nicht in Einklang bringen lässt. Immerhin gestand man doch die Notwendigkeit von innerstädtischen Krankentransporten zu, herzlichen Dank dafür!

An anderer Stelle hieß es, die Menschen hätten sich den Albertsplatz "vom Auto zurückerobert", und es wurde kritisiert, dass bei Sanierung der Ketschengasse auch Parkplätze eingerichtet wurden. Hier sei der Hinweis gestattet, dass weder in der Ketschenvorstadt noch sonst irgendwo Einzelhändler von Lastenträgern beliefert werden, sondern mit Autos und Transportern. Gerade für diese "Last-Mile-Logistik", die Abwicklung des Lieferverkehrs in den Stadtzentren auf dem letzten Wegstück bis zur Haustür des Verbrauchers oder dem Geschäft des Kunden, gilt es, tragfähige Lösungen zu entwickeln, statt allein auf Verkehrsverdrängung zu setzen.

Handel, Hotellerie, Gastronomie und Tourismus sind auf gute Erreichbarkeit angewiesen! Es geht darum, ohne ideologische Scheuklappen wirklich sinnvolle Möglichkeiten zu finden, um in unserer Innenstadt die Lebensqualität weiter zu erhöhen und die Belastung zu verringern, zum Beispiel: Umrüstung kommunaler Fahrzeugflotten auf umweltfreundlichere Antriebe, Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, Verbesserung der Park-and-ride-Angebote sowie Optimierung des innerstädtischen Verkehrs, zum Beispiel durch entsprechende Ampelschaltung.

Die mediale Berichterstattung zur "Creapolis"-Veranstaltung hinterlässt den Eindruck: Auf der Negativseite steht das Auto - auf der anderen klopfen sich ein Stadtplaner sowie Fußgänger und Radfahrer wohlwollend auf die Schultern. Am Ende bleibt auf Seiten der Wirtschaft große Betroffenheit. Es kann doch nicht sein, dass in einer Stadt, die in solchem Umfang vom Automobil profitiert wie Coburg (Automotive- und Maschinenbaudichte von 182 pro 1000 Einwohner, größter Kfz-Versicherer sowie zahlreiche Automotive-Unternehmen am Standort, Exportquote in der Stadt Coburg 74 Prozent) in derart einseitiger Weise über dieses Thema "diskutiert" wird. Die Entwicklung zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte wird wichtige Segmente eines riesigen Markts neu aufteilen, und die Coburger Automotive-Industrie hat die Kompetenzen, um auch künftig vorn dabei zu sein.

Dazu bedarf es aber neben der international anerkannten Innovationskraft unserer Unternehmen und wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen auch eines gewissen Rückhalts statt abstruser Forderungen. Beim Ausgleich zwischen Wohlstandswachstum und gesellschaftlicher Akzeptanz setzen wir auf Innovationen unserer Wirtschaft, statt auf Verbote und Umerziehungsmaßnahmen. Es ist selbstverständlich wichtig, über die Mobilität der Zukunft nachzudenken. Gleichzeitig gilt es aber zu berücksichtigen, woher Steuermittel kommen, die politische Gestaltungsmöglichkeiten überhaupt erst eröffnen - zur Erinnerung: Das Geld muss erwirtschaftet werden!

In diesem Zusammenhang wäre es durchaus angemessen und sehr erfreulich, wenn das steuerfinanzierte Hochschulprojekt "Creapolis" sich verstärkt um Wissens- und Know-how-Transfer zwischen anwendungsorientierter Forschung und unserer exportorientierten, innovationsgetriebenen Wirtschaft kümmern würde. Nur gemeinsam mit unseren Unternehmen und dem gezielten Einsatz von neuer Technologie kann es gelingen, die Mobilitätswende erfolgreich und nachhaltig zu gestalten.

An dieser Stelle ein Blick über die Grenze: Die aktuellen Entwicklungen, Diskussionen und Forderungen in Deutschland rund ums Automobil hat ein Autor der Neuen Zürcher Zeitung in einem Kommentar mit den Worten zusammengefasst: "So zerlegt man die eigene Spitzenindustrie und sägt am Wohlstand des Landes." Diese Einschätzung sollte jedem zu denken geben und unter anderem zu der Erkenntnis führen, dass es zur Erreichung klimapolitischer Ziele internationale, aber mindestens europaweite Lösungen geben muss, statt regionaler Alleingänge. So kann effizienter Klimaschutz nur dann funktionieren, wenn sich regionale und nationale Ziele mit europäischen und internationalen Vereinbarungen im Einklang befinden.

Davon hängt der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft ab, genauso wie die Wirksamkeit der Klimaschutzmaßnahmen selbst. Aktionen allein aus ideologischen Beweggründen sind kontraproduktiv.

Autor

Friedrich Herdan, Präsident der IHK zu Coburg
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
26. 07. 2019
17:40 Uhr

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Autor

Friedrich Herdan, Präsident der IHK zu Coburg

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Veröffentlicht am:
26. 07. 2019
17:40 Uhr



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