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Coburg

Im Stadtbus unter Strom

Immer mehr Städte setzen auf E-Busse. Auch Coburg zeigt Interesse. Derzeit testen die SÜC den Einsatz im Linienverkehr. Doch ohne Zuschüsse ist eine Flotten-Umrüstung Utopie.



Kein Motorgeräusch, ruckfreier Antrieb: "Man muss sich halt dran gewöhnen", sagt Busfahrer Hubert Dehler am Steuer des Urbino Elektric 12. Der E-Bus des polnischen Herstellers Solaris wird noch bis einschließlich Montag im Linienverkehr getestet.
Kein Motorgeräusch, ruckfreier Antrieb: "Man muss sich halt dran gewöhnen", sagt Busfahrer Hubert Dehler am Steuer des Urbino Elektric 12. Der E-Bus des polnischen Herstellers Solaris wird noch bis einschließlich Montag im Linienverkehr getestet.   Foto: Henning Rosenbusch

Coburg - Hubert Dehler sitzt am Steuer eines Urbino Elektric 12 und kontrolliert gewissenhaft die Anzeigen auf den bunten Displays. Dann drückt er sachte aufs Pedal - und der E-Bus nimmt nahezu geräuschlos und ruckfrei Fahrt auf. "Man muss sich halt dran gewöhnen, dass man keinen Motor mehr hört und die Zugkraft spürbar stärker ist, schildert der Busfahrer, der seit vielen Jahren in Coburg Fahrgäste mit diesel- oder gasbetriebenen Bussen befördert. Jetzt lenkt er den E-Bus des polnischen Hersteller Solaris, den die SÜC-Verkehrsbetriebe noch bis Montag im Linienverkehr einsetzen.

Kostenlos E-Bus fahren

Am Sonntag kann jeder E-Mobilität erleben - und zwar kostenlos. Der E-Bus fährt zu verschiedenen Zeiten auf unterschiedlichen Linien. Beim Zustieg erhalten Fahrgäste ein kostenloses E-Bus-Ticket, das auch in jedem anderen SÜC-Bus für die Heimfahrt gilt.

Die Fahrpläne sind im Infocenter am Theaterplatz oder unter www.ebus-projekt-bayern.de im Internet erhältlich. Zudem hängen sie am Theaterplatz aus.

"Wir testen für Sie die E-Zukunft!" steht auf dem schwarz-gelben und zwölf Meter langen Gefährt, das per Tieflader von Wien nach Coburg gebracht wurde. Am Mittwoch und Donnerstag absolvierte der Urbino auf der Linie 1 rund 270 Kilometer. Ob E-Busse in Coburg mittelfristig zum Alltag gehören, ist vorrangig eine Frage des Geldes. "Ein umweltfreundlicher und nachhaltiger ÖPNV ist in unserem Interesse, aber ohne Unterstützung von Bund, Land und Stadt nicht zu stemmen", stellte Verkehrsbetriebsleiter Raimund Angermüller am Freitag bei einer Testfahrt klar, sagte aber auch: "Wir wollen den Schritt gehen und den ÖPNV in Coburg auf Strom umstellen."

 

Das unterstrich SÜC-Chef Wilhelm Austen. "Dass wir offen sind für Elektromobilität, zeigt sich an unseren 20 E-Autos." Eine schrittweise Umrüstung der Bus-Flotte könnten sich kleine Stadtwerke wie die SÜC angesichts hoher Anschaffungskosten nur dann leisten, wenn es ausreichend Fördergelder gebe.

16.08.2019 - SÜC testet E-Busse im Coburger Stadtverkehr - Foto: Henning Rosenbusch

E-Stadtbus von der SÜC
E-Bus - Rest
E-Bus - Rest
E-Stadtbus von der SÜC
E-Stadtbus von der SÜC
E-Stadtbus von der SÜC
E-Stadtbus von der SÜC
E-Stadtbus von der SÜC
E-Stadtbus von der SÜC
E-Stadtbus von der SÜC
E-Stadtbus von der SÜC
E-Stadtbus von der SÜC
E-Stadtbus von der SÜC
E-Stadtbus von der SÜC

Kein Wunder: Der Durchschnittspreis für einen E-Bus liegt aktuell bei 560.000 Euro, die vergleichbare Dieselausführung ist schon für 215 000 Euro zu haben. Doch damit nicht genug: Nach acht bis zehn Jahren ist der Austausch des Batteriesatzes fällig, was - je nach Speicherkapazität - mit bis zu 200.000 Euro zu Buche schlägt. Zudem fallen jährliche Betriebskosten von rund 100.000 Euro an. "Diesel- und Gasbusse sind nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt billiger", sagte Angermüller, der aktuell über einen Fuhrpark von elf Gas- und 27 Euro-6-Dieselbusse verfügt.

Waren bis jetzt bei der Anschaffung Preis, Kraftstoffverbrauch und Zuverlässigkeit maßgebliche Kriterien, gehe es jetzt darum, "welche Antriebstechnologie in Zukunft unsere Mobilität sicherstellen wird", sagte Angermüller. Angesichts der Diskussionen um Batterie, Brennstoffzelle oder Wasserstoff sei unklar, in welche Richtung die Entwicklung gehe. Momentan habe der Elektroantrieb wohl die Nase vorn, denn "Batterien mit immer höheren Kapazitäten und steigenden Ladeströmen ermöglichen auch und gerade bei Bussen größere Reichweiten und Alltagstauglichkeit".

Bisher hat der mit zwei 125kW-Elektromotoren ausgestattete Urbino Elektric 12 Angermüller zufolge bei den Testfahrten durch Coburg und beim achtstündigen Aufladen der Batterien keine Probleme bereitet. Man habe die vom Hersteller angegebene Reichweite (200 Kilometer) allerdings nicht ausgereizt. Durch den enormen Platzbedarf der Batterien biete der E-Bus maximal 65 Fahrgästen Platz, während die jetzigen Stadtbusse bis 90 Personen transportieren könnten.

Dritter Bürgermeister Thomas Nowak hob angesichts des fortschreitenden Klimawandels die Notwendigkeit eines umweltfreundlichen und leistungsstarken ÖPNV hervor. Deshalb bilde dieser Bereich im gemeinsamen E-Mobilitäts-Konzept von Stadt und Landkreis einen Schwerpunkt. Coburg sei alles in allem auf einem guten Weg. Nowak: "Klar ist aber auch, dass es Fördermittel braucht, um weitere nachhaltige Investitionen tätigen zu können."

 
Autor
Christoph Scheppe

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Veröffentlicht am:
16. 08. 2019
20:42 Uhr

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Christoph Scheppe

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Veröffentlicht am:
16. 08. 2019
20:42 Uhr



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