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Coburg

In der Stadt fehlen Hausärzte

In Coburg sind nur noch 23 Mediziner aktiv. Im gleich großen Hof praktizieren fast doppelt so viele. Landkreisgemeinden bieten mehr Unterstützung.



Die Zahl der Hausärzte ist in Coburg deutlich zurück gegangen. Heute fehlen mindestens zehn Mediziner in Coburg. In den nächsten Jahren wollen weitere in Ruhestand gehen.
Die Zahl der Hausärzte ist in Coburg deutlich zurück gegangen. Heute fehlen mindestens zehn Mediziner in Coburg. In den nächsten Jahren wollen weitere in Ruhestand gehen.   Foto: Bernd Weissbrod/dpa

Coburg - Nein, Bürgermeister Thomas Nowak und die Mitglieder der Coburger Sozialsenats haben sich nicht getäuscht. In Coburg gibt es tatsächlich zu wenig Hausärzte. Das bestätigen Dr. Hans-Günther Kirchberg, der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands Coburg, und Klaus Kinzinger, stellvertretender Bezirksvorsitzender des bayerischen Hausärzteverbands. "In der Stadt arbeiten 23 Hausärzte, die rund 45 000 Einwohner versorgen", zitiert Klaus Kinzinger aus dem "Versorgungsatlas Hausärzte". Verglichen mit Hof, einer Stadt mit rund 46 000 Einwohnern, sei das sehr wenig. "Dort praktizieren aktuell 42 Allgemeinmediziner."

Neue Praxis in der Ketschengasse

Es gibt auch gute Nachrichten: Dr. Thomas Scheller, der seit 29 Jahren eine Praxis für Allgemeinmedizin im Heimatring betreibt, bestätigt der Neuen Presse auf Anfrage, dass er in Kürze eine weitere Praxis in der Coburger Innenstadt eröffnen will.

"Wir haben Räume in der Ketschengasse 42 gefunden, die im Zuge der Altstadtsanierung von der Wohnbau der Stadt Coburg hervorragend hergerichet worden sind", sagt Dr. Scheller. Zwar habe es im Laufe der Renovierungsarbeiten immer wieder Verzögerungen gegeben, nun hofft das Praxisteam, dass es zum 15. Juli die neuen Räume beziehen kann. Die Praxis soll die üblichen Öffnungszeiten abdecken.

"Der Umzug bedeutet aber nicht, dass die bisherige Praxis im Heimatring aufgegeben werden wird", informiert Thomas Scheller. Die Patientenversorgung im Demo übernimmt nach dem Umzug der Praxis Scheller Dr. Holger Milde. Der Facharzt für Allgemeinmedizin arbeitet als Angestellter für Thomas Scheller, der damit zwei Praxen in der Stadt betreibt.

Milde wird zwar nur 30 Stunden in der Woche im Heimatring präsent sein. Das bisherige Angebot könne aber aufrechterhalten werden. "Wir werden sogar im Heimatring zusätzliche Kapazitäten schaffen und können dann Patienten, die auf der Suche nach einem Hausarzt sind, aufnehmen", betont Dr. Scheller.

 

Bei der letzten Sitzung des Coburger Sozialsenats gab es deutlichen Widerspruch aus den Reihen der Kommunalpolitiker gegen eine Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KV). Danach sollte die Hausarztquote in Coburg bei 103 Prozent liegen. Damit wäre die Stadt quasi überversorgt. Das können die beiden Allgemeinmedizin, Kirchberg und Kinzinger, nicht bestätigen. "Wenn wir den Bereich der Stadt anschauen, dann müssen wir feststellen, dass die Praxen, die in den letzten zehn Jahren geschlossen wurden, nicht nachbesetzt wurden", sagt Klaus Kinzinger. Mittlerweile spürten die verbliebenen Allgemeinmediziner dieses Defizit ganz deutlich. "Die Zahl derer, die in unseren Praxen stehen und keinen Hausarzt haben, wächst." Nach Einschätzung von Klaus Kinzinger fehlten zehn Hausärzte in der Stadt. Die Notfallversorgung sei zwar gewährleistet. Immer mehr Patienten wären aber auf der Suche nach einem Arzt, der sich dauerhaft um sie kümmere. "Realistisch betrachtet haben wir in der Stadt nur eine Zwei-Drittel-Versorgung." Das könne bald noch schlechter werden. Ungefähr ein Drittel der noch aktiven Mediziner gehe auf das Rentenalter zu.

 

Warum weicht dann die Wirklichkeit so weit von der Statistik ab, die die Kassenärztliche Vereinigung führt? Da gibt es, wie Dr. Hans-Günther Kirchberg erklärt, zwei wesentliche Punkte. Zum einen seien dort praktische Ärzte gelistet, die entweder nur eine Zulassung für ganz bestimmte Untersuchungen - wie zum Beispiel für Venenleiden - beantragt hätten, oder Privatpraxen führten. Für die primäre hausärztliche Versorgung fielen diese Mediziner aus. Ferner addiert die Kassenärztliche Vereinigung die Zahlen aus Stadt und Landkreis. "Und da haben wir in Coburg ein völlig untypische Entwicklung", berichtet Kirchberg. Während in der Stadt tatsächlich schon von einer Unterversorgung gesprochen werden könne, hätte sich im Umland eine ausreichend große Zahl von Medizinern niedergelassen. "Normalerweise ist es immer umgekehrt. Die Allgemeinmediziner zieht es stets in die Städte. Dass der Landkreis besser dasteht, als sein Zentrum, so etwas gibt es nirgendwo anders in Bayern." Betrachte man den Raum Coburg als Ganzes, könne man schon von einem Versorgungsgrad von knapp 100 Prozent ausgehen, bestätigt der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands.

Warum junge Mediziner die Stadt meiden, das können auch Kinzinger und Kirchberg nicht erklären. "Vielleicht war das Engagement der Bürgermeister aus den kleineren Orten in den letzten Jahren etwas intensiver als das in Coburg", schmunzelt stellvertretender Bezirksvorsitzender des bayerischen Hausärzteverbands.

Während in Seßlach, Untersiemau und vielleicht bald in Bad Rodach Ärztehäuser errichtet worden wären, gäbe es in der Stadt Coburg bisher nur "zaghafte Anstöße". "Wir werden auch in der Stadt nicht darum herumkommen bei künftigen Bau- oder Sanierungsmaßnahmen an Häuser für Praxisgemeinschaften zu denken", mahnt Hans-Günther Kirchberg. Als Beispiels nennt er das Verwaltungsgebäude der Schwesternschaft neben dem Klinikum. "Das Haus könnte schnell und kostengünstig zu einem Ärztehaus umgebaut werden." Erste Verhandlungen mit Regiomed wären, so Kirchberg, allerdings nicht vertieft worden.

Obwohl die "Gesundheitsregion Coburg", zu der sich Stadt und Landkreis zusammengeschlossen haben, mittlerweile versuche, junge Medizinern anzuwerben, sei der Erfolg noch überschaubar. "Wir sind etwa zehn Jahre zu spät dran", urteilt Hans-Günther Kirchberg. Oder anders ausgedrückt: Es wird noch etliche Jahre dauern, bis das, was auf den Weg gebracht wurde, Früchte trägt.

Große Hoffnungen setzen die ärztlichen Standesvertreter in die von Regiomed gegründete Medical School. Sie bietet begabten jungen Menschen eine medizinische Ausbildung abseits der Numerus-Clausus-Hürde. Da die Mehrzahl der Studierenden aus der Region Coburg-Rennsteig kommen, hoffe man, dass sich einige nach ihrer Ausbildung in ihrer Heimat niederlassen.

 

Lesen Sie dazu auch: "Selten in der Nachbarschaft" >>>

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Norbert Klüglein

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Veröffentlicht am:
06. 07. 2019
00:00 Uhr

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Norbert Klüglein

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Veröffentlicht am:
06. 07. 2019
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