Lade Login-Box.
Topthemen: Loewe-InsolvenzNP-FirmenlaufGlobe-TheaterMordfall OttingerHSC 2000 CoburgStromtrasse

Coburg

"Jeder kennt die Gurkennorm"

Nur für die Kandidaten interessiert sich kaum einer. André Haller lehrt Kommunikation an der Hochschule Coburg Er weiß, warum.



Interview: mit Dr. André Haller, Lehrbeauftragter für Zukunftswissenschaften an der Hochschule Coburg
Interview: mit Dr. André Haller, Lehrbeauftragter für Zukunftswissenschaften an der Hochschule Coburg  

Warum ist der Europa-Wahlkampf so müde?

Das ist bei nachgelagerten Wahlen nicht ganz unüblich. Die Parteien neigen dazu, den großen nationalen Wahlen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Beispielsweise der Bundestags- oder der Landtagswahl. Der Rest wird eher etwas vernachlässigt. Auch die Wähler interessieren sich primär für nationale Themen und die sind in den einzelnen Staaten sehr unterschiedlich. Daher gibt es keine richtige europäische Öffentlichkeit, welche die Parteien im Wahlkampf ansprechen können.

 

Aber im Europaparlament werden doch viele Entscheidungen getroffen, die unseren Alltag

beeinflussen.

Die Entscheidungen kommen zwar aus Europa, die Umsetzung erfolgt aber auf nationaler Ebene. Folglich stehen bei der Umsetzung auch die nationalen Akteure im Vordergrund und erhalten mehr Aufmerksamkeit als ihre Kollegen im Europäischen Parlament.

 

Sogar die Spitzenkandidaten sind vielen Deutschen unbekannt. Was machen die Parteien falsch?

Das ist auch für mich verblüffend. Als Erklärung fällt mir da nur ein, dass es vielleicht daran liegt, dass die Parteien nicht ihr absolutes Spitzenpersonal ins Rennen schicken. Würde etwa Martin Schulz wieder für Europa kandidieren, bekäme die SPD weitaus mehr Aufmerksamkeit.

Kurios ist auch, dass es sich bei den Kandidaten nicht um Leute handelt, die vorher noch nie in Erscheinung getreten sind - und trotzdem kennt sie kaum jemand. Der EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber ist beispielsweise seit Langem in der CSU-Spitze aktiv.

 

Europaweit sind die Rechten laut Umfragen besonders erfolgreich. In Deutschland hoffen sie, über zwölf Prozent der Stimmen zu bekommen.

Die haben derzeit einfach eine gute Ausgangslage. In Europa kriselt es und in der Öffentlichkeit sind europäische Themen oft negativ vorbelastet. Jeder kennt beispielsweise die europäische Gurkennorm. Das erleichtert es diesen Parteien, Stimmung zu machen.

 

Wahlumfragen lagen zuletzt aber auch oft daneben, etwa bei der US-Präsidenten-Wahl oder bei der Brexit-Volksabstimmung. Woran liegt das?

Das hat zahlreiche Gründe. Erstens werden diese Umfragen oft in Form von Telefonumfragen gemacht bei denen Festnetzanschlüsse angerufen werden. Immer weniger Menschen besitzen aber einen solchen Anschluss. Um repräsentativ zu bleiben verwenden die Umfrageinstitute komplexe Formeln und erreichen damit ganz gute Ergebnisse. Dabei kann es aber natürlich auch zu Fehlern kommen. Andererseits geben Bürger, die populistischen Parteien die Stimme geben wollen, oft nicht die wahre Wahlabsicht an aus Gründen der sozialen Erwünschtheit.

 

Es holpert also wegen Umfragemanipulationen?

Nur zum Teil. Die Leute entscheiden sich auch immer später, wen sie tatsächlich wählen wollen. Das liegt unter anderem daran, dass es die klassischen Wählermilieus, die aus Überzeugung immer dieselbe Partei gewählt haben, heute nicht mehr gibt. Manchmal kann auch eine Umfrage Wähler dazu bewegen, zur Wahl zu gehen, obwohl sie eigentlich daheim bleiben wollten.

 

Eignen sich vorhergehende
Wahlen für eine Prognose - etwa die Bayerische Landtagswahl 2018?

Nur zum Teil. Wahlergebnisse lassen sich nicht einfach übertragen. Aber Themen bleiben mitunter bestehen. Bei der Bayerischen Landtagswahl waren unter anderem Umweltthemen ganz besonders wichtig. Davon haben ganz besonders die Grünen profitiert. Diese Themen können auch bei der Europawahl wichtig werden. In der Politikwissenschaft heißen solche Situationen "Windows of Opportunity". Auch die Rechten profitieren derzeit ja von sowas.

 

Und wer wird in Ihren Augen stark aus der aktuellen Wahl hervorgehen?

Da kann ich ehrlich gesagt nur eine Bauchschätzung abgeben. Ich glaube, dass europaweit rechte Parteien zunehmen. Trotzdem könnte die EVP stark genug werden, damit Manfred Weber den Posten als EU-Kommissionspräsident bekommt.

Das Gespräch führte

Andreas Wolfger

Autor

Redaktion
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
22. 05. 2019
18:04 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Deutscher Bundestag Europawahlen Europäisches Parlament Hochschule Coburg Landtagswahlen Manfred Weber Martin Schulz Präsidenten der Europäischen Kommission SPD Umfragen und Befragungen Wahlen Wahlergebnisse Wahlumfragen Wähler Öffentlichkeit
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
In Neustadt und Sonneberg ziemlich angesagt: die AfD.	Symbolbild: Sebastian Willnow (dpa Archiv)

31.05.2019

Neustadt, Sonneberg und die AfD

In den Nachbarstädten sind die Rechtspopulisten besonders stark. Von Thüringen gehe ein "Ansteckungs-Effekt" aus, meint ein Politologe. Aber das ist höchstens ein Teil des Problems. » mehr

Katerstimmung bei Coburger Genossen

27.05.2019

Katerstimmung bei Coburger Genossen

Über das Ergebnis bei der Europawahl sind hiesige SPD-Funktionäre "tief enttäuscht. Vor der Kommunalwahl im kommenden Jahr haben sie trotzdem keine Angst. » mehr

Stimmauszählung am Sonntagabend im Ämtergebäude. Auch in Coburg liegen die Grünen vor der SPD. Foto: Wunderatsch

26.05.2019

Coburgs Grüne happy, die SPD im Tief

Die Umweltpartei kommt bei der Europawahl in der Vestestadt weit über 20 Prozent. Die Sozialdemokraten sind nur noch drittstärkste Kraft. "Kein zufrieden stellendes Ergebnis", heißt es bei der CSU. » mehr

Freundschaftlich klopft Hans Michelbach Jürgen Baumgärtner auf die Schulter. Einer Meinung über das künftige Bundestagsmandat sind sie nicht.

27.05.2019

Kronacher MdL schießt gegen die Coburger CSU

Der nächste Abgeordnete müsse aus dem Frankenwald kommen, meint Jürgen Baumgärtner. Michelbach will dazu am liebsten gar nichts sagen. » mehr

"Störfeuer zur Unzeit"

28.05.2019

"Störfeuer zur Unzeit"

Wer stellt den nächsten CSU-Kandidaten für die Bundestagwahl? Zwischen Coburg und Kronach geht es hoch her. » mehr

Gute Idee, aber schlechte Umsetzung? Über die Politik der Europäischen Union diskutierten am Mittwochabend in der Rödentaler Orangerie (von rechts) Hubertus Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha, Monika Hohlmeier (beide CSU), die Moderatoren Constantin Hirsch-Roppelt und Oliver Schmidt sowie Martin Lücke (SPD) und Ina Sinterhauf (Grüne). Foto: Knauth

23.05.2019

Nicht perfekt, aber unverzichtbar

Die EU ist besser als ihr Ruf. Auf dieses Fazit konnten sich alle Teilnehmer einer Diskussionsrunde in der Rosenau einigen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Demo Loewe Kronach

Demo Loewe Kronach | 25.06.2019 Kronach
» 64 Bilder ansehen

Burgfest in Lauenstein Lauenstein

Burgfest in Lauenstein | 23.06.2019 Lauenstein
» 59 Bilder ansehen

Picknick im Schlossgarten Rosenau

Picknick im Schlossgarten Rosenau | 23.06.2019 Unterwohlsbach
» 14 Bilder ansehen

Autor

Redaktion

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
22. 05. 2019
18:04 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".