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Coburg

Jugendliche Dealer im Darknet

Sechs junge Leute müssen sich derzeit vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: bandenmäßiger Drogenhandel im großen Stil.



Jugendliche Dealer im Darknet
Jugendliche Dealer im Darknet  

Coburg/Neustadt - Es ist ein außergewöhnlicher Fall, der in diesen Tagen vor der Ersten Strafkammer des Coburger Landgerichtes verhandelt wird. Auf der Anklagebank sitzen sechs junge Leute, die bandenmäßig und im großen Stil mit Drogen gedealt haben sollen. Die Jugendlichen, die zum Tatzeitpunkt zwischen 16 und 18 Jahre alt waren, handelten offenbar nach einem ausgeklügelten Geschäftsmodell.

Der Hauptangeklagte ist ein 18-Jähriger, der als Chef des "Unternehmens" die Geschäfte organisiert haben soll. Er soll in Kontakt mit einem sogenannten "Holländer" gestanden haben, einem Rauschgiftlieferanten aus den Niederlanden. Der Kopf der Bande soll sowohl die Beschaffung der Drogen als auch den Verkauf organisiert haben.

Einem 17-jährigen Schüler wird vorgeworfen, dass er als EDV-Fachmann in der Gruppe fungiert habe, der den TOR-Browser installiert und so den Zugang im Darknet geöffnet habe, wo die Deals abgewickelt werden sollten. Die damalige Freundin des Hauptangeklagten, eine 16-Jährige aus Neustadt, soll eine Art Sekretärin gewesen sein, die im Auftrag des "Chefs" Telefonate entgegennahm, Termine vereinbarte, beim Verpacken und Ausfahren der heißen Ware half und "Schmiere" bei der Übergabe stand. Weitere drei junge Männer waren wohl eine Art Handlanger, die beim Transport und Verpacken mitwirkten und als "Urlaubsvertretung" und Wachposten eingesetzt wurden. Von Anfang Februar bis Mitte Juli sollen der "Chef" und der "EDV-Experte" unter Pseudonym die Aufträge im Darknet abgewickelt haben. Dabei sollen mehrere Kilogramm Marihuana, 700 Ecstasy-Tabletten, 50 LSD-Strips und 300 Gramm Amphetamin bestellt worden sein. Die Bezahlung wurde laut Anklage mit Bitcoin abgewickelt. Ab Juli 2017 soll der "Chef" sein Modell geändert und Geschäfte nicht mehr über das Darknet sondern persönlich durchgeführt haben. "Das Darknet ist zwar sicher, aber so sicher auch nicht, wir wollten es besser machen", sagte der "EDV-Mann". Das Rauschgift sei nun über einen Messenger-Dienst bestellt und an Orten in der Region an die Abnehmer übergeben worden. Beispielsweise wechselte der Stoff auf einem Neustadter Schulhof den Besitzer, wo sich die Bande als Wachposten postierte. Laut Anklage sollen Verkaufserlöse in Höhe von 250 000 Euro erzielt worden sein. Bei Fortsetzung der Hauptverhandlung am Mittwoch sagten die Angeklagten umfangreich aus. Das Geld, um das Geschäftsmodell aufzubauen, hat sich der Hauptangeklagte demnach von einem Bekannten geliehen. Es soll sich um 20 000 Euro gehandelt haben. Durch die Drogengeschäfte habe er einen Gewinn von 60 000 bis 70 000 Euro erzielt, sagte er.

Die Freundin des Hauptangeklagten erhielt als Lohn einen Weißgoldring im Wert von 500 Euro, die Mitangeklagten teilweise ein festes Honorar oder sie wurden nach Stunden bezahlt. So soll der Computerfachmann bei einem Stundenlohn von zehn Euro ein monatliches "Gehalt" von 300 bis 700 Euro bekommen haben. "30 Stunden Arbeit in zwei Wochen - finden Sie wirklich, dass das eine gelegentliche Arbeit war?", fragte Richter Klaus Halves nach. Dem Mann müsse durchaus bewusst gewesen sein, dass es sich um größere Mengen von Rauschgift gehandelt habe.

Laut Rechtsanwalt Ulrich Herbert, Verteidiger des "EDV-Mannes", drohte der Hauptangeklagte mit russischen Schlägern für den Fall, dass einer aus der Gruppe austrete. "Das war nur einmal, und da war ich betrunken und ich habe irgendwas gelabert", verteidigte sich der Hauptangeklagte. Er habe vielmehr zum 1. November mit den Deals aufhören wollen. "Ich hatte genug Geld und wollte meine Schulden bezahlen und das Geschäftsmodell an andere abgeben", sagte er.

Die Verhandlung wird am

14. Juni fortgesetzt.

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Gabi Arnold
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Veröffentlicht am:
06. 06. 2018
17:18 Uhr

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Gabi Arnold

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Veröffentlicht am:
06. 06. 2018
17:18 Uhr



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