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Coburg

Katerstimmung bei Coburger Genossen

Über das Ergebnis bei der Europawahl sind hiesige SPD-Funktionäre "tief enttäuscht. Vor der Kommunalwahl im kommenden Jahr haben sie trotzdem keine Angst.



Coburg - Mit den Wahlergebnissen der SPD geht es abwärts. Konnten sich die Genossen bei der Europawahl in der Stadt Coburg im Jahr 2014 noch über 27,91 Prozent freuen, waren es jetzt gerade mal 14,1 Prozent. Entsprechend groß ist die Enttäuschung im Willy-Brandt-Haus am Sonntagsanger. "Das Wahlergebnis der SPD, auch hier in Coburg, ist ernüchternd", sagt zum Beispiel Stefan Sauerteig, der Vorsitzende des Coburger Stadtverbandes der Sozialdemokraten.

Selbstverständlich hat das Ergebnis auch den SPD-Stadtrat Martin Lücke "tief enttäuscht". Er hatte sich als oberfränkischer Kandidat um ein Mandat im Europäischen Parlament beworben, errang allerdings den recht aussichtslosen Platz 38 der Bundesliste. Bislang hatte die SPD nur 27 Abgeordnete in Straßburg und Brüssel. "Am Wahlkampf in Coburg hat das nicht gelegen. Hier haben viele Leute gut gearbeitet. Ich habe zum Beispiel etliche lebendige Infostände erlebt", erklärt Lücke. Für ihn war es vor allem die öffentliche Stimmung, die nicht auf Seiten der Sozialdemokraten gewesen ist.

Den Wahlkampf von Spitzenkandidatin Katarina Barley hat er als eher ruhig wahrgenommen, ähnlich wie das Auftreten seiner Landesvorsitzenden Natascha Kohnen vor der Landtagswahl im vergangenen Jahr: "Solch leise Töne sind in meinen Augen zumindest mittelfristig gut." "Die Grünen hatten den Vorteil, dass sie Wahlkampf aus der Opposition heraus machen konnten", analysiert Lücke. Aber wie kann es seine Partei in Zukunft besser machen? "Wir müssen wieder genau hin hören und herausfinden, was die Menschen bewegt", antwortet Lücke - und ergänzt: "Die Grünen konnten die Wähler mit dem Thema Klimaschutz gut abholen." Das sei zwar auch bei der SPD präsent, die immerhin mit Svenja Schulze die deutsche Umweltministerin stellt, aber: "Es ist schwierig, unsere Positionen zu vermitteln." Die Sozialdemokraten besetzen in seinen Augen sehr viele Themen, setzten sich zum Beispiel auch für die Verbesserung von Arbeitsbedingungen ein.

Das Ergebnis bei der Europawahl ist das schlechteste, das die SPD in der Nachkriegsgeschichte in Coburg eingefahren hat. Im Vergleich zur Landtagswahl im vergangenen Jahr haben die Genossen in der Stadt noch einmal fünf Prozent eingebüßt. Ein klarer Abwärtstrend ist zu erkennen. Aber dennoch: "Ich habe keine Angst vor dem Kommunalwahl im nächsten Jahr", sagt Stefan Sauerteig. Die Schuld für das schlechte Abschneiden sucht er bei der Bundespartei: im uncharismatischen Auftreten von Bundesvorsitzender Andrea Nahles und in der Beteiligung an der Großen Koalition. "Gegen beides haben wir Coburger auf Bundesparteitagen stets gekämpft", erklärt er. Für ihn gibt es nur einen Ausweg aus der Abwärtsspirale der SPD: "Die gesamte Parteiführung unter Nahles und Vizekanzler Olaf Scholz muss zurücktreten, die SPD muss aus der Großen Koalition austreten und endlich das Versprechen einlösen, die Partei inhaltlich und personell neu zu strukturieren." Auch an den Infoständen in der Coburger Fußgängerzone habe er gespürt, dass seine Bundespartei keinen guten Eindruck hinterlässt. Lokale Themen hätten bei den persönlichen Gesprächen mit den Bürgern nur eine untergeordnete Rolle gespielt. "Trotzdem war es schwer, zu vermitteln, welche Bedeutung Europa hat - auch für das Leben hier in der Region", stellt er fest.

Jetzt gilt es für Sauerteig, den Blick wieder nach vorne zu richten. "Bei der Kommunalwahl geht es darum, zu zeigen, dass wir vor Ort eine gute Politik machen: wirtschaftlich erfolgreich, sozial ausgeglichen und ökologisch vertretbar." Mut machten ihm vor allem einige junge Menschen, die in diesen schwierigen Zeiten in die SPD eingetreten seien - und sich bereits stark engagierten. "Einer von ihnen vertritt zum Beispiel schon die Jusos im Parteivorstand und will sich auch zum Vorsitzenden des Jugendverbandes wählen lassen", verrät der Stadtverbands-Vorsitzende.

 
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Katja Diedler

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Veröffentlicht am:
27. 05. 2019
17:02 Uhr

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