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Coburg

Kaum Respekt vorm Badpersonal

Streitereien am Becken, Pöbelei gegen Mitarbeiter. Bundesweit wird der Ton in den Freibädern rauer. Im Aquaria geht es ruhiger zu. Einen Sicherheitsdienst gibt es dort trotzdem.



Wie verhält man sich in einem Freibad richtig? Die Betreiber eines Bades in Tübingen in Baden-Württemberg haben dazu Flyer in verschiedenen Sprachen drucken lassen. So weit ist es in der Region noch nicht. Zwar gibt es auch hier immer mal Streit, aber alles im Rahmen, sagen die Betreiber. Foto: Silas Stein/dpa
Wie verhält man sich in einem Freibad richtig? Die Betreiber eines Bades in Tübingen in Baden-Württemberg haben dazu Flyer in verschiedenen Sprachen drucken lassen. So weit ist es in der Region noch nicht. Zwar gibt es auch hier immer mal Streit, aber alles im Rahmen, sagen die Betreiber. Foto: Silas Stein/dpa   » zu den Bildern

Coburg - Überall in Deutschland schlagen Schwimmmeister Alarm. Nachdem es am Samstag in einem Freibad in Düsseldorf zu einem Streit mit mehreren Hundert Gästen gekommen ist, beklagt der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister "eine zunehmende Aggressivität" in Freibädern (NP vom Montag). Es fehle der Respekt und auch kulturelle Unterschiede würden sich im Freibad bemerkbar machen, heißt es.

Auch im Coburger Aquaria sieht man sich mit anderen Herausforderungen konfrontiert als noch vor 20 Jahren. "Früher war ein Bademeister so angesehen wie ein Arzt. Was er sagte, war Gesetz. Heute wird dagegen alles hinterfragt", bedauert Jörn Kirchner, der Betriebsleiter des Aquaria. "Doch im Gegensatz zu Großstädten wie Berlin ist die Situation bei uns noch völlig entspannt", schiebt er gleich nach. Am Sonntag hätte die Hitze 3000 Besucher aufs Gelände geführt. "Das ist dann eine Menge, die sich bemerkbar macht", so der Betriebsleiter. Und das fängt nicht erst im Becken an. Die Hitze scheint einigen zu Kopf zu steigen. "Wir hatten zum Beispiel eine Dame, die hat mit ihrem Fahrzeug unsere Einfahrt zugeparkt", erzählt Kirchner. "Nachdem wir sie ausfindig gemacht und gebeten haben, die Zufahrt zu räumen, hat sie sich geweigert." Dem Betriebsleiter sei dann nichts anderes übrig geblieben, "als die Dame nett aus dem Bad zu verweisen." Wäre die Situation nicht zu bereinigen gewesen, hätte Jörn Kirchner Unterstützung rufen können. "Wir arbeiten seit drei Jahren mit einem Sicherheitsdienst zusammen", verrät er. Dieser käme an gut besuchten Tagen ein- bis zweimal ins Bad und würde nach dem Rechten sehen. "Außerdem stehen die Mitarbeiter auf Abruf bereit", so Kirchner.

Streitigkeiten gebe es zwar auch im Coburger Bad immer mal wieder, allerdings nie in solch einer Form wie zum Beispiel am Wochenende in Düsseldorf oder Anfang Juni in Berlin-Pankow, als ein Bad geräumt werden musste. Die Leitung hatte damals die Polizei informiert, weil sich eine "aggressive Stimmung" in der Anlage ausgebreitet hatte.

"Der gesellschaftliche Wandel macht sich eben auch im Freibad bemerkbar", versucht Jörn Kirchner eine Erklärung für solche Vorkommnisse zu finden. Doch obwohl auch im Aquaria mehrere Gruppen unterschiedlicher Nationen aufeinander treffen, sei es in Coburg noch nie zu größeren Problemen gekommen. "Wir sind schon im Vorfeld aktiv geworden und haben zum Beispiel unsere Aushänge in verschiedenen Sprachen formuliert", ergänzt er. Dabei handele es sich auch um eine Sicherheitsmaßnahme "für all jene, die gar nicht schwimmen können".

Grund für Unmut im Coburger Bad könnten derzeit aber die Wartezeiten vor dem Kiosk sein, räumt der Betriebsleiter ein. Wegen gleich mehrerer Krankheitsfälle arbeite das Personal am Limit. "Als es vergangenen Mittwoch so heiß war, habe ich auf der Terrasse selbst mit ausgegeben." Am Sonntag - dem besucherstärksten Tag im Aquaria - sei dann in Sachen Vertretung gar nichts mehr möglich gewesen und die Versorgungstation auf der Terrasse hätte nicht geöffnet werden können. "Es gab dann unten sehr lange Schlangen", bedauert Kirchner. Er hofft, dass sich die Personalsituation in den nächsten Tagen bessern wird.

Ein proppevolles Bad gab es am Sonntag auch in Neustadt bei Coburg. 3000 Besucher zählten die Becken im Märchenbad "Am Moos". "Im vergangenen Jahr waren es am besten Tag nur 2700", so Schwimmmeister Achim Tessmer. Seit 43 Jahren achtet er als ausgebildeter Rettungsschwimmer darauf, dass nichts passiert. Auch er hat bemerkt, dass der Respekt der Besucher gegenüber dem Personal nachlässt. "Es wird beleidigt, manche machen, was sie wollen und am Ende lassen sie ihren Müll auch noch liegen", schimpft er. Grundsätzlich bewege sich das aber auch im Märchenbad alles noch im Rahmen. Trotzdem: Achim Tessmer ist froh, dass er bald in Rente geht.

Probleme, die Bernd Steckmann, Betriebsleiter des Freibades in Sonnefeld, nicht kennt. "Wir sind noch ein kleines dörfliches Bad. Die Stimmung hier ist bestens", versichert er. In den letzten Tagen seien im Bad echte Erfolgszahlen eingefahren worden. "An diesem Sonntag hatten wir 1300 Besucher. Am Mittwoch vorher sogar 1400", freut er sich. An einem "normalen" Sommertag mit rund 30 Grad suchen sonst rund 800 Gäste Abkühlung. "Der Ansturm jetzt ist für uns aber problemlos zu bewältigen."

Lange Warteschlangen an Kiosk oder Rutsche suche man in Sonnefeld vergeblich. Dass sich in anderen Bädern der Ärger mit Besuchern häuft, hat Bernd Steckmann sogar schon von Kollegen gehört. "Wir werden davon aber Gott sei Dank verschont. Ich muss sogar eine Lanze für unsere Jugendlichen brechen. Die sind alle wohlerzogen und benehmen sich", versichert er.

Ein einziges Problem gibt es im Freibad in Sonnefeld aber dann doch noch: "Bei vielen Jugendlichen ist es nach wie vor angesagt, mit einer Unterhose, die unter die Badehose gezogen wird, ins Wasser zu gehen", erzählt der Betriebsleiter kopfschüttelnd. Wichtig sei dabei, dass die Marke der Unterhose über der Badeshorts sichtbar wird. "Aber ob Trend oder nicht, das lassen wir nicht durchgehen", sagt Steckmann schmunzelnd.

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Steffi Wolf

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Veröffentlicht am:
02. 07. 2019
17:40 Uhr

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Steffi Wolf

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Veröffentlicht am:
02. 07. 2019
17:40 Uhr



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