Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Coburg

Kehrtwende am Schlachthof

Der Finanz- und der Bausenat wollen für die Entwicklung des Geländes einen Investor ins Boot holen. Das war bislang abgelehnt worden.



Bislang wollte die Stadt Coburg das Schlachthof- und Güterbahnhofgelände in Eigenregie entwickeln. Jetzt vollziehen der Finanz- und der Bausenat eine Kehrtwende. Die Mehrheit in beiden Gremien will einen Investor ins Boot holen. Die endgültige Entscheidung fällt Ende Juni im Stadtrat.
Bislang wollte die Stadt Coburg das Schlachthof- und Güterbahnhofgelände in Eigenregie entwickeln. Jetzt vollziehen der Finanz- und der Bausenat eine Kehrtwende. Die Mehrheit in beiden Gremien will einen Investor ins Boot holen. Die endgültige Entscheidung fällt Ende Juni im Stadtrat.   Foto: Norbert Klüglein

Coburg - Die Stadt beginnt, sich aus der Entwicklung des Schlachthofgeländes zurückzuziehen. Der Bau- und der Finanzsenat haben am Dienstag in einer gemeinsamen, nichtöffentlichen Sitzung beschlossen, das Areal, das von der Frankenbrücke bis zum Zollgebäude reicht, "mit einem Investor via Konzeptausschreibung, welche die städtebaulichen und nutzungsspezifischen Kriterien und Vorstellungen sichert", partnerschaftlich zu entwickeln.

Diese politisch umstrittene Lösung fiel nach Informationen der Neuen Presse mit elf gegen sechs Stimmen. Dafür votierten Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) als Vorsitzender des Finanzsenats, 2. Bürgermeisterin Dr. Birgit Weber (CSU/JC) als Vorsitzende des Bausenats sowie die in diesen Gremien vertretenen Stadträtinnen und Stadträte von SBC, Pro Coburg, CSU/JC und CSB. Die sechs Gegenstimmen kamen von der SPD und von den Grünen.

Der Beschluss von Finanz- und Bausenat hat allerdings nur empfehlende Wirkung. Die endgültige Entscheidung liegt beim Stadtrat. Sie soll in der Sitzung am 28. Juni fallen.

Ursprünglich war geplant, dass die Stadt die Hoheit über die Gestaltung des Schlachthof- und Güterbahnhofareals behält. Damit sollte gewährleistet werden, dass es aufgrund unterschiedlicher Interessen verschiedener Investoren, die dort Grundstücke erwerben und Gewinne erwirtschaften wollen, zu einem beliebigen, austauschbaren Stückwerk wird.

Coburg warb bislang damit, auf dem etwa sechs Hektar großen Gelände in der Südstadt zwischen der Franken- und der Ernst-Faber-Brücke kein alltägliches Gewerbegebiet aufbauen zu wollen, "sondern ein lebendiges, leistungsstarkes und lebenswertes Quartier zu erschaffen". Kein banales Gewerbegebiet solle auf dem Gelände entstehen, "sondern ein Refugium, in dem sich Wirtschaft, Wissenschaft, Dienstleistung und Kultur ergänzen und befruchten". Geschaffen werden solle "ein Leuchtturmprojekt für Coburg".

Das ist jetzt in Gefahr. Deshalb hatte die SPD-Stadtratsfraktion Anfang Juni den Antrag gestellt, die gesamte Entwicklung in städtischer Verantwortung zu belassen. Nur so könne gewährleistet werden, mit dem Schlachthof- und Güterbahnhofgelände "auf Jahrzehnte hinaus einen Standort für Kreativität, Innovation und Nachhaltigkeit" zu schaffen und zu sichern, heißt es in dem Antrag.

Bei den Coburger Designtagen wurden eine Planung und ein Modell vorgestellt, was in dem Bereich mit dem Globe-Theater und unter Bewahrung des alten Bahner-Übernachtungshauses, der Pakethallen, der Glaserei Späth, des Stellwerks, des Zollgebäudes, der Schlachthofhallen und der Direktorenvilla entstehen könnte. Davon zeigte sich auch Michael Stoschek, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Brose-Gruppe, begeistert. In einem Interview der Neuen Presse kündigte er an, dass die Globe Coburg GmbH, deren Gesellschafter die Unternehmen HUK, Kaeser und Brose sind, einen Struktur- und Gestaltungsplan finanziert, der das gesamte Güterbahnhof- und Schlachthofareal umfasst. "Sonst haben wir die Sorge, dass auf dieser tollen Fläche wieder ein Sammelsurium von Einzelaktivitäten stattfindet, nach dem Motto: Hauptsache ein Investor erwirbt ein Grundstück. Das steht aber einem schlüssigen Gesamtkonzept entgegen, wie wir es jetzt vorschlagen", sagte Michael Stoschek.

Der Finanz- und der Bausenat begründeten ihre Entscheidungen, einen Investor an der Entwicklung zu beteiligen, mit Zeit- und Kostendruck. Die Hochschule Coburg will mit ihrem zunächst auf fünf Jahre angelegten Projekt "Creapolis" in die alte Kühlhalle des Schlachthofs einziehen, die in der Planung als "Gebäude Nr. 9" ausgewiesen ist. Es muss dafür umgebaut werden. Hatte der Bausenat am 14. März dieses Jahres entschieden, dass die Stadt dies selbst übernimmt, schwenkte das Gremium am Dienstag gemeinsam mit dem Finanzsenat um und gab der Variante mit einem Investor den Vorzug. Die Stadtverwaltung hatte vorgerechnet, dass ein "zeitintensiver Ausschreibungs- und Vergabeprozess zu erwarten" sei. Ein Bezug im Jahr 2019 sei ausgeschlossen, "eine zeitnahe Umsetzung schwer vorstellbar".

Auch die Wirtschaftlichkeit spielte bei der Entscheidung eine Rolle. In der Vorlage zur gemeinsamen, nichtöffentlichen Sitzung von Bau- und Finanzsenat heißt es, "eine wirtschaftliche Betrachtung hat für die Stadt Coburg im Falle einer Eigenentwicklung einen sehr langen Amortisationszeitraum mit einer Vielzahl an Risiken und unbekannten Variablen zur Folge".

Lesen Sie dazu auch den NP-Kommentar "Offenbarungseid"

Autor
Wolfgang Braunschmidt

Wolfgang Braunschmidt

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 06. 2018
18:46 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Brose Gruppe Finanzinvestoren und Anleger Gewerbegebiete Hochschule Coburg Michael Stoschek NP Güterbahnhof Coburg Norbert Tessmer SPD Schlachthofgelände Stadt Coburg Stadträte und Gemeinderäte
Coburg
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Michael Stoschek weist die Kritik von Alt-Oberbürgermeister Norbert Kastner zurück, die dieser in einem ARD-Interview geäußert hatte. Dabei ging es auch um die Erweiterung von Brose am Standort Coburg.	Foto: Brose

02.10.2019

"Verwirrende Behauptung"

Michael Stoschek antwortet auf die Kritik von Norbert Kastner. Der Brose-Chef sieht beim Alt-Oberbürgermeister einen "Gedächtnisverlust". » mehr

Das Kongresshaus Rosengarten. Michael Stoschek, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Brose-Gruppe, bittet den Stadtrat, ein Gutachten über dessen Zukunft einzuholen. Der Unternehmer bietet an, die dafür anfallenden Kosten zu tragen.	Foto: Archiv NP

01.07.2019

Stoschek will Kongresshaus Chance geben

Der Unternehmer bittet den Stadtrat, keinen übereilten Beschluss über die Zukunft des Gebäudes zu fassen. Er bietet an, ein Gutachten zu finanzieren, bei dem ein Hotel eine zentrale Rolle spielt. » mehr

Norbert Kastner im Fokus: Gegenüber einem Reporterteam der ARD warf er der Firma Brose vor, während seiner Amtszeit als OB Druck auf die Stadt ausgeübt zu haben. Foto: MDR

01.10.2019

Coburg und die Machtfrage

Die ARD greift den Streit zwischen Kastner und Stoschek auf. In dem Beitrag wird der frühere OB überraschend deutlich. Der Unternehmer will dazu Stellung beziehen. » mehr

Das Kongresshaus im Rosengarten in Coburg. Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob ein Kongresshotel in unmittelbarer Nachbarschaft notwendig ist, oder ob die in Coburg bereits vorhandenen Hotels nicht doch ausreichend sind. Bislang jedenfalls hat sich kein Investor gefunden, der ein neues Kongresshotel bauen oder betreiben würde.

21.05.2019

CSU/JC wollen Ratsbegehren zum Hotel

Anger oder Rosengarten? Weil die Standortfrage die Stadt Coburg spaltet, wollen die Christsozialen die Bürger entscheiden lassen. » mehr

Vor allem die Höhe des geplanten Hotels am Anger in Coburg ist heftig umstritten. Die SPD fordert einen Architektenwettbewerb, die Gemeinschaft Benzel eine Überarbeitung des Bebauungsplans.

17.05.2019

Hotelpläne im Kreuzfeuer der Kritik

Altstadtfreunde, Stadtbild, und jetzt auch der Bürgerverein Coburg Stadt: Die Phalanx der Gegner wird immer größer. Ein Bürgerbegehren steht bereits zur Debatte. » mehr

Die alte Pakethalle am Coburger Güterbahnhof. Rainer Kober, Vorsitzender von Kronach creativ und Vorstandsmitglied von Oberfranken offensiv, hat sich gegen deren Ausbau ausgesprochen, der 4,5 Millionen Euro kosten soll. Dagegen hält Kober das Globe-Theater, das in der Nachbarschaft der Pakethalle entstehen soll, für ein "Leuchtturmprojekt" in Oberfranken. Zudem plädiert der Unternehmer aus Steinwiesen für eine engere Zusammenarbeit von Kronach und Coburg, gerade wenn es um Projekte geht, mit denen sich junge Menschen in der Region halten lassen. Die Entwicklung des Güterbahnhof- und Schlachthofgeländes in Coburg gehört für Rainer Kober dazu.	Foto: Frank Wunderatsch

16.05.2019

Schatz in der Coburger Südstadt

Die Pakethalle soll bleiben, wie sie ist. Und: Grundstücke am Güterbahnhof- und Schlachthofgelände sollen nicht an private Investoren gehen. Das fordert Rainer Kober, einer der Visionäre Oberfrankens. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Landkreis Kronach

Erinnerungen an die Kronacher Disco-Ära | 18.10.2019 Landkreis Kronach
» 11 Bilder ansehen

Kirchweih Lahm

Kirchweih Lahm | 15.10.2019 Lahm
» 16 Bilder ansehen

Oktobermarkt in Ebern

Oktobermarkt in Ebern | 14.10.2019 Ebern
» 12 Bilder ansehen

Autor
Wolfgang Braunschmidt

Wolfgang Braunschmidt

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 06. 2018
18:46 Uhr



^