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Coburg

Kläranlage funktioniert auch in der Krise

Die Einrichtung in Neustadt hat einiges zu verarbeiten. Damit das auch in der Corona-Zeit klappt, hat man Vorkehrungen getroffen.



So sieht es im Inneren des riesigen Niederdruck-Trockengasbehälters der Kläranlage Neustadt aus.	Foto: Tischer
So sieht es im Inneren des riesigen Niederdruck-Trockengasbehälters der Kläranlage Neustadt aus. Foto: Tischer  

Neustadt - Im Jahr 2019 haben 2 515 877 Kubikmeter Mischwasser die Kläranlage Neustadt passiert und sind in die Röden eingeleitet worden. Das sagt Rainer Langer, der die städtische Einrichtung am Ferngaswerk leitet. Eine ganze Menge also, die da Tag für Tag aufgenommen, aufbereitet und dann gereinigt wieder abgegeben wird.

32 Pumpstationen, 180 Kilometer Rohrleitungen

Die Kläranlage Neustadt ist für 30 000 Einwohnergleichwerte ausgelegt. Dieser Wert setzt sich zusammen aus der Anzahl der Einwohner und dem Bedarf der in Neustadt ansässigen Industrie. Die Stadt hat 21 Stadtteile, die in den vergangenen 25 Jahren alle an die Kanalisation angeschlossen wurden. Sie verfügt über 32 Pumpstationen, zehn Regenüberläufe und zwölf Regenrückhaltebecken, die immer wieder zu warten sind. Die Länge der Rohr-Strecken beträgt insgesamt 180 Kilometer.


"Der Wasserverbrauch ist leicht erhöht, aber nicht für den Betrieb relevant", zeigt Langer die Werte in Corona-Zeiten auf. Auch Erhöhungen von Seifenlaugen beziehungsweise Waschlotion seien nicht erkennbar. "Die Kläranlage mit einem biologischen Volumen von 10 000 Kubikmetern kann das verarbeiten", stellt der Leiter klar.

Eine Frage, die derzeit immer wieder auftaucht: Gibt es Probleme mit Feuchttüchern und ähnlichem? Mit diesen Schwierigkeiten habe man seit zehn Jahren zu kämpfen, sagt Langer - Tendenz steigend: "Wir haben in einigen Bereichen schon spezielle Pumpen eingebaut, die nicht so leicht verstopfen. Die Feuchttücher haben nämlich die Eigenschaft, dass sie sich mit anderen Tüchern verketten, somit immer größer werden und sich zu langen Schlingen vereinigen. Diese Schlingen verwickeln sich dann in den Pumpenrädern und führen dadurch zu Verstopfungen. Da stehen oftmals mühselige Arbeiten an, da die Pumpen erst rausgebaut und zerlegt werden müssen. Die Fasern müssen dann herausgeschnitten werden. Für diese Arbeiten muss viel Zeit investiert werden, obwohl es nicht sein müsste." Für den Privathaushalt rät er, umweltfreundliche Reinigungsmittel zu nutzen und die Dosierung anzupassen. "In die Toilette gehören eigentlich nur Fäkalien und Klopapier, zum Säubern auch Reinigungsmittel. Alles andere, zum Beispiel feuchtes Toilettenpapier, Tampons, Binden, Slipeinlagen, Kondome und Essensreste, gehören in den Restmüll", zeigt er auf. Auch das Team um Langer hat Vorkehrungen getroffen: "Wir haben unser Personal so aufgeteilt, dass wir im Schichtbetrieb arbeiten, mit Zwei-Mann-Trupps um einen Kontakt untereinander zu vermeiden. Wir können uns einen Totalausfall nicht erlauben, da das erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt haben könnte." Falls sich tatsächlich alle Mitarbeiter infizierten, müssten sie ihre Zelte auf der Kläranlage aufschlagen "und wir stünden unter Quarantäne", sagt Langer.

In eine Kläranlage müsse man immer investieren, berichtet er: "Maschinen und Pumpen laufen 24 Stunden am Tag, über Jahre hinweg. Auch Wind und Wetter spielen eine große Rolle. Auf den Faultürmen, die zirka 13 Meter hoch sind, haben wir im Winter bei starkem Wind schon manchmal minus 30 Grad. Dass sich das auf Beton und Metall auswirkt, ist verständlich." Die jetzige Neustadter Kläranlage ging in den Jahren 1982 und 1983 in Betrieb und müsse ständig in Stand gehalten werden.

Gefragtes Phosphat

Eine immer größere Rolle spielten Umweltaspekte. Im Gespräch sei derzeit die sogenannte vierte Reinigungsstufe, die Feinstoffe und Medikamentenrückstände eliminieren soll. "Das wird zwar noch ein paar Jahre dauern, aber es kommt", betont Langer. Das momentan brisanteste Thema sei die Klärschlammentsorgung, die momentan über die Müllverbrennung erfolge. In den nächsten Jahren werde sich jedoch eine Klärschlamm-Monoverbrennung entwickeln, da man das darin enthaltene Phosphat zurückgewinnen wolle, weiß der Kläranlagen-Leiter. Schließlich seien die Kapazitäten der Erde weitgehend erschöpft.

Autor

Peter Tischer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
07. 06. 2020
15:46 Uhr

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Peter Tischer

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Veröffentlicht am:
07. 06. 2020
15:46 Uhr



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