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Coburg

Kleine Helfer zeigen Wirkung

Es ist ein Hoffnungsschimmer für alle Betroffenen. Aktuelle Studien der Hochschule Coburg zeigen: Neurodermitis lässt sich durch Bakterien bessern.



Kniekehle vor der Behandlung mit Bakterien und eine Woche danach.	Fotos: Hochschule Coburg
Kniekehle vor der Behandlung mit Bakterien und eine Woche danach. Fotos: Hochschule Coburg  

Coburg - Auf der Haut wimmelt es - und das ist gut so. Unsere äußere Hülle besitzt ein wertvolles und artenreiches Biotop, in dem mindestens zehn Milliarden Keime, wahrscheinlich sogar bis zu einer Billion mikroskopisch kleiner Organismen eine Heimat finden. Ganz unterschiedliche Bakterien, Pilze und Viren leben als Mikroflora auf der Hautoberfläche, in den Haarfollikeln und zwischen den Zellen der Haut. Einige Mikroorganismen haben sich dauerhaft eingenistet und sind kaum zu vertreiben, andere besiedeln uns nur vorübergehend.

Teilnehmer für Studie gesucht

Kinder ab fünf Jahren, Jugendliche und Erwachsene mit Ekzemen an Händen, Armen, Füßen oder Unterschenkeln können an der Studie der Hochschule Coburg teilnehmen. Die Studie dauert 14 Tage. Es entstehen keine Kosten.

Eine etwa einstündige Infoveranstaltung findet am 16. Oktober um 9 Uhr und um 16 Uhr statt.

Ort: Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg, Friedrich-Streib-Straße 2, Coburg, Brose Aula (der Weg ist ausgeschildert)

Anmeldung unter: matthias.noll@hs-coburg.de Teilnahme auch unangemeldet möglich

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Matthias Noll

Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann

Zur Person

Michaela Axt-Gadermann ist Ärztin und Professorin für Gesundheitsförderung im Studiengang "Integrative Gesundheitsförderung" an der Hochschule Coburg. Sie hat mehrere Bücher geschrieben, darunter "Schön mit Darm".

 

Die meisten Mikroben tun uns gut. Sie erhalten unsere Haut gesund, wehren Attacken krankmachender Keime ab und regulieren das Immunsystem. Nur eine gesunde und vielfältige Mikroflora ist in der Lage, unsere Oberfläche zu verteidigen und vor Krankheiten zu bewahren. Denn durch ihre exponierte Lage ist unsere Haut zahlreichen Einflüssen ausgesetzt. Sonnenlicht, Hitze und Kälte setzen ihr zu. Eine intakte Bakterienflora hilft bei der Reparatur entstehender Schäden, beim Aufbau der Hautbarriere und dem Erhalt des Säureschutzmantels.

 

Und sie scheint uns auch vor einer Vielzahl chronischer Hautleiden zu schützen. Immer häufiger stellt man nämlich fest, dass bei Hauterkrankungen wie Schuppenflechte, Akne oder Rosazea eine Störung der Keimbalance eine Rolle spielt. Besonders offensichtlich ist das bei der Neurodermitis. Die Haut von Ekzem-Patienten wird von anderen Keimen besiedelt als im Vergleich zu der Haut von Gesunden. Vor allem ein bestimmter Keim "Staphylococcus aureus" ist häufig der Verursacher bei juckender, schuppender oder nässender Haut. Je mehr diese Bakterienart sich nachweisen lässt, desto schwerer ist in der Regel der Erkrankungsverlauf.

Zur Behandlung setzt man neben Kortisonpräparaten deshalb häufig Antibiotika oder desinfizierende Präparate ein. Doch das ist nicht selten der Beginn eines Teufelskreises, denn Antibiotika können zwar (vorübergehend) die Zahl der üblen Keime stark dezimieren, aber gleichzeitig nimmt auch die Menge schützender Bakterien weiter ab, die für eine dauerhafte Besserung der Neurodermitikerhaut notwendig wären.

Langsam findet ein Umdenken statt. Anstatt Keime - gute wie schlechte - zu töten, versuchen Experten inzwischen, die günstigen Bakterien zu fördern und damit die Haut vor Infektionen und Entzündungen zu schützen. So heilen Verbrennungswunden, auf die bestimmte Milchsäurebakterien aufgetragen wurden, schneller und mit weniger Narben ab, als die mit desinfizierenden Verbänden behandelten.

Auch eine Forschergruppe der Hochschule Coburg beschäftigt sich mit diesem Thema. Bei der Neurodermitis geht es vor allem darum, die unerwünschten Keime zu dezimieren, ohne die schützende Bakterienflora zu schädigen.

In einer ersten Studie zu diesem Thema besserten sich die Ekzeme der Neurodermitispatienten mithilfe eines "Bakterienbades" bereits nach einer Woche. Das Bad enthielt unter anderem Milchsäurebakterien, die auch zur Herstellung von Joghurt eingesetzt werden. Juckreiz, Hauttrockenheit, Schuppung und Entzündungen gingen dadurch sichtbar und messbar zurück. Die Haut war weniger aufgekratzt und heilte schneller ab. Bei den Teilnehmern der Plazebogruppe, die in einer wirkstofffreien Lösung badeten, blieben die Ekzeme unverändert.

Nun möchten die Coburger Forscher Bäder mit unterschiedlichen bakterienfreundlichen Zusatzstoffen vergleichen und auch untersuchen, wie sich darunter die Zusammensetzung der Keime auf der Haut verändert. Dazu werden noch Teilnehmer ab dem fünften Lebensjahr mit Neurodermitis gesucht. "Mit der Identifikation der Bakterien auf der Haut vor, während und nach den Bädern, kann der Zusammenhang zwischen Mikroflora und Hautgenesung aufgelöst werden", freut sich Prof Dr. Matthias Noll, Mikrobiologe und Professor der Bioanalytik an der Hochschule Coburg.

Die Bakterientherapie von Hauterkrankungen ist ein neues Thema der Forschung und scheint eine effektive und nebenwirkungsarme Behandlung darzustellen. In der Vergangenheit hatten Mikroorganismen einen schlechten Ruf und man fokussierte sich vor allem auf das Dezimieren von Krankheitskeimen. Inzwischen hat ein Umdenken stattgefunden. Die Forschung der Hochschule soll dazu beitragen, in Zukunft die gesundheitsförderlichen Keime zu stärken, um dadurch langfristige Verbesserungen der Haut zu erzielen.

 
Autor

Dr. Michaela Axt-Gadermann, Hautfachärztin, Professorin an der Hochschule Coburg
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
09. 10. 2018
17:14 Uhr

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Autor

Dr. Michaela Axt-Gadermann, Hautfachärztin, Professorin an der Hochschule Coburg

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Veröffentlicht am:
09. 10. 2018
17:14 Uhr



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