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Coburg

Kleine Raupe, großer Schaden

Der Schwammspinner hat einen Eichenbestand im Itzgrund befallen. Eine chemische Bekämpfung aus der Luft wird jedoch vorerst nicht erfolgen. Denn damit würden Fledermäuse gefährdet.



Die Raupen des Schädlings Schwammspinner fressen das Laub der Eichen ab.	Fotos: Katrin Lyda
Die Raupen des Schädlings Schwammspinner fressen das Laub der Eichen ab. Fotos: Katrin Lyda   » zu den Bildern

Lahm/I. - Helle Stellen an den Ästen der Eichen zeigen die zerstörerische Tätigkeit an: Die Raupen des Schwammspinners, der in diesem Jahr verstärkt auftritt, fressen das Laub und schwächen damit die Bäume. Ganze Bestände können dadurch leiden und sogar absterben. Auch ein Waldgebiet bei Lahm in der Gemeinde Itzgrund ist betroffen: Auf 35 Hektar haben die Raupen bereits Fressschäden angerichtet, wie Waldbesitzer Richard Elflein bei einem Ortstermin mit Berufskollegen, Interessierten sowie Fachleuten aus der Forstwirtschaft erläuterte. Die rund 50 betroffenen Waldbesitzer hatten eine Bekämpfung des Schädlings aus der Luft angeregt. Das wurde jedoch vorerst zurückgestellt. Grund: Unweit des befallenen Waldgebiets lebt eine Fledermausart. Diese würde durch eine Ausbringung des Pestizids geschädigt.

Gefährlicher Schädling

Der Schwammspinner ist ein Schmetterling, der an Laub- und Nadelhölzern lebt, in Europa bevorzugt an Eichen. Massenvermehrungen des Schädlings kehren seit den 90er Jahren zyklisch auf; zuletzt in den Jahren 1993/94, 2004/05 und 2010. Die bis zu 7,5 Zentimeter lange Raupe frisst das Laub ab und schwächt damit die Bäume. Diese können sogar absterben. Zur Bekämpfung können Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die aus der Luft versprüht werden. Diese schädigen jedoch auch andere Organismen, weshalb die Verwendung gut abgewogen werden muss.

 

"Bei einer Begehung stieg ein Meer von Faltern auf", schilderte Joachim Esslinger, der zuständige Förster vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), seinen ersten Eindruck, als er die betroffene Fläche des Eichenwalds bei Lahm auf Befall untersuchte. Esslinger betreut, wie er sagte, insgesamt 5500 Hektar Wald, "hier ist jedoch der einzige mit einer derart hohen Gelegedichte. Dieser Wald erfüllt die Kriterien für eine Bekämpfung", gab der Forstbeamte vor Ort seine Einschätzung wieder. Trotzdem habe man nach reiflicher Überlegung auf eine Bekämpfung aus der Luft verzichtet: Die benachbarte Kirche in Eggenbach beherbergt eine Kolonie der Fledermausart "Graues Langohr". Die Tiere jagen in einem Radius von bis zu 3,5 Kilometern um ihr Quartier. Bei einer chemischen Bekämpfung der Schwammspinner in dem benachbarten Eichenwald sterben auch andere Schmetterlingsarten. Auch wenn das geplante Mittel die Fledermäuse nicht direkt schädigt, so hätte ihr Nahrungsangebot deutlich abgenommen. Es hätte die Gefahr gedroht, die Fledermaus-Population deutlich zu schwächen, wie Esslinger erklärt.

 

Die Waldbesitzer reagieren mit Unverständnis auf die Entscheidung der Behörde: "Ich bin nicht damit einverstanden, dass keine Befliegung erfolgt", sagte Waldbesitzer Richard Elflein. Als Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung und der Forstlichen Vereinigung Oberfranken argumentierte Wolfgang Schultheiß für die Gesamtheit und mit Blick auf den Klimawandel: "Der Erhalt des Waldes ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, und dafür brauchen wir die Waldbesitzer! Wir müssen sie bei der Pflege und dem Erhalt ihres Eigentums unterstützen. Momentan fühlen sie sich allein gelassen."

Landtagsabgeordneter Martin Mittag (CSU) stellte die Frage, ob die Gewichtung der Abwägung angemessen war: "Ob die 16 Fledermäuse nicht trotz einer Schwammspinner-Bekämpfungsmaßnahme noch ausreichend Futter gefunden hätten?"

"Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, sondern alle Gesichtspunkte gewissenhaft abgewogen", betonte Joachim Esslinger. Passieren wird jetzt erst einmal nichts, denn heuer ist es bereits zu spät für Bekämpfungsmaßnahmen: Da das dafür vorgesehene Präparat "Mimic" nur auf sich häutende Schmetterlingslarven wirkt - es beschleunigt die Häutung der Raupen -, muss es bis Anfang Mai ausgebracht werden. Die anwesenden Forstfachleute ermutigten jedoch die betroffenen Waldbesitzer: "Auch eine Massenvermehrung bricht irgendwann in sich zusammen", sagte Forstdirektor Michael Kreppel vom AELF Bamberg. Und sein Kollege vom Coburger Landwirtschaftsamt und Sachbearbeiter Natura 2000, Norbert Wimmer, meinte: "Dieser Eichenwald wird die nächsten 50 Jahre überleben!"

Ein weiteres Beispiel für die aktuell kritische Situation zeigten die Verbände an einem Flurstück bei Schottenstein angesichts eines vom Borkenkäfer geschädigten Waldes. Auch hier blickten die Forstfachleute nach vorne. Die daraus zu ziehende Konsequenz sei: Weg von den Monokulturen, hin zu Mischbeständen. Und selbst bei einem Totalschaden Geduld aufbringen: "Da muss man auf Naturverjüngung setzen. Und nicht in Panik ausbrechen."

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Katrin Lyda
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Veröffentlicht am:
12. 05. 2019
22:04 Uhr

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Katrin Lyda

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12. 05. 2019
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