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Coburg

Klima-Demo: 200 Schüler trotzen dem Regen

Wind und Wetter halten den zweiten "Friday for Future" in Coburg nicht auf. Wie schon beim ersten Mal stören Vertreter einer bestimmten Partei.



Dick eingepackt und unter Regenschirmen lauschten die Demonstranten mehrere Stunden lang Reden. Fotos: Frank Wunderatsch
Dick eingepackt und unter Regenschirmen lauschten die Demonstranten mehrere Stunden lang Reden. Fotos: Frank Wunderatsch   » zu den Bildern

Coburg - Es ist windig, kalt und nass. Trotzdem haben sich rund 200 Schülerinnen und Schüler auf dem Marktplatz versammelt, um für einen wirksamen Klimaschutz zu demonstrieren. Sie machen das nicht, wie in Großstädten, jede Woche. Sondern die Organisatoren des "Friday for Future" haben gezielt den internationalen Aktionstag am gestrigen Freitag genutzt, um zum zweiten Mal zu einer Demonstration aufzurufen.

Konkrete Forderungen an die Politik

Zur zweiten Demo haben die Organisatoren einen ganzen Katalog von konkreten Forderungen an die Politik aufgestellt. An erster Stelle steht für sie die Verminderung des Konsums von tierischen Produkten. Denn die Produktion von Eiern, Fleisch und Co. sei für 51 Prozent der CO²-Emissionen verantwortlich.

Außerdem verlangen die Jugendlichen, dass der Kohleausstieg bis zum Jahr 2030 erledigt ist. Stattdessen soll die Bundesregierung alternative Energien, zum Beispiel die Brennstoffzelle, fördern. Damit es Bürgern leichter fällt, auf das Auto zu verzichten, fordern sie einen günstigeren ÖPNV. Außerdem soll die Produktion und Vermarktung von lokal und regional produzierten Lebensmitteln gefördert werden. Mit Blick auf Schule und Medien fordern sie eine bessere Aufklärung über die Folgen des Klimawandels.

 

"Wir haben damit gerechnet, dass heute weniger Schüler kommen als beim letzten Mal. Da waren es ja 600", sagt Luca Schenk aus dem Organisationsteam. Der Teilnehmerschwund hat wohl zwei Gründe. Der erste ist offensichtlich: Das Wetter ist alles andere als einladend. Es regnet so heftig, dass nicht einmal die Farbe auf den Plakaten hält. Außerdem haben die Schüler keinen Freibrief mehr. Vor einigen Wochen wurden sie für die Demo vom Unterricht befreit, wenn sie ihr Anliegen mit einem Aufsatz begründeten. Dieses Mal drohen den Teilnehmern ernste Konsequenzen wie Verweise.

 

Die 200 Schüler, die gekommen sind, lassen sich aber weder von dem einen noch von dem anderen Hindernis schrecken. Wie schon vor einigen Wochen gibt es ein offenes Mikrofon. Das nutzt zuerst Elias Zeltner, ein Mitorganisator der Demo. "Wenn ihr einen Verweis bekommt, dann ist das ein Verweis auf die Notwendigkeit des Klimaschutzes", ruft er den Schülern zu. Das Problem der globalen Erwärmung sei nur durch Handeln zu lösen. Zeltner weiß aber auch, dass das nicht von heute auf morgen geht. "Wir müssen kleine Schritte gehen und jeden Tag ein bisschen grüner leben", fordert er. Ein gutes Mittel ist in seinen Augen der Verzicht auf das Auto. Damit das aber viele machen, müsse die Infrastruktur in Coburg verbessert werden. "Die Radwege und der ÖPNV in dieser Stadt sind die beste Werbung für das Auto", meint er.

Katherina geht darauf ein, warum die Schüler ausgerechnet während der Schulzeit demonstrieren müssen: "Wir haben weder eine Lobby noch Wahlrecht", sagt sie. Deswegen seien die Schulstreiks die einzige Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu erzielen. "Würden wir am Wochenende protestieren, währen wir bloß Privatpersonen, für die sich keiner interessiert", erklärt die Schülerin.

Bei bloßen Forderungen wollen es die jungen Organisatoren aber nicht belassen. Sie haben für die rund 200 Schüler praktische Tipps für den Schutz des Klimas mitgebracht. So rät ein Sprecher zum Beispiel zum Tragen von nachhaltig produzierter Kleidung. "Es ist auch gut, wenn ihr euer Obst und Gemüse hier am Markt kauft. Es stammt aus der Region und wurde deswegen nicht lange in Lastwagen transportiert", erklärt Luca Schenk.

Auch Erwachsene greifen zum offenen Mikrofon. Einer von ihnen ist Wolfgang Weiß, der Klimaschutzbeauftragte der Stadt Coburg. Er ist stolz auf das Engagement der Jugendlichen. "Ich hoffe, dass diese Veranstaltung eine von vielen ist", sagt er und fordert die Schüler auf, den Erwachsenen "ins Kreuz zu treten". Neben Weiß sprechen noch zwei Frauen zu den Demonstranten. Sie erinnern sich an die Proteste gegen den Vietnam-Krieg und in Wackersdorf. "Lasst euch nicht unterkriegen", rufen sie.

Die Parteipolitik bleibt weitgehend außen vor, bei den Redebeiträgen spielt sie überhaupt keine Rolle. Das ist auch ein erklärtes Ziel der Organisatoren (die NP berichtete). Daran halten sich aber nicht alle. So ist zum Beispiel eine Fahne der Jusos zu sehen. Daneben ist ein Banner der Grünen Jugend vertreten. In den Vorstand der Parteijugend wurden jüngst einige Mitglieder des Organisationskomitees gewählt.

Einmal mehr haben sich auch erwachsene Mitglieder der vom Verfassungsschutz beobachteten MLPD unter die Demonstranten gemischt. Sie sind deutlich an ihren roten Westen zu erkennen, sprechen die Schüler an und verteilen Flugblätter. Ein Mann möchte sogar zum Mikrofon greifen und meldet seinen Redebeitrag bei einem der Organisatoren an. Der jedoch lässt ihn nicht gewähren. Das wiederum möchte der Herr nicht einsehen und diskutiert hartnäckig weiter. Erst nach einem längeren Gespräch lässt sich das MLPD-Mitglied überzeugen und zieht von dannen.

Am Rand der Demonstration unterhalten sich Teilnehmer auch über die möglichen Konsequenzen. Einige rechnen mit einem Verweis, andere durften den Unterricht verlassen. Ein Coburger Gymnasium, die Schüler wollen dessen Namen nicht öffentlich nennen, soll sogar die Eltern per Telefon darüber informiert haben, dass ihre Kinder die Schule schwänzen. Siehe Kommentar Seite 12

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Katja Diedler

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Veröffentlicht am:
15. 03. 2019
17:00 Uhr

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