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Coburg

Klimapolitik als Maß aller Dinge?

Kinder streiken fürs Klima, auf Facebook weiß jeder was dazu, Politiker nahezu aller Parteien sind sich einig: Wir müssen mehr gegen die Erderwärmung tun. Jetzt hat sich der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder mit einer weniger populären Meinung zu Wort gemeldet.



Mit einer Installation vor dem Bundeskanzleramt in Berlin macht Greenpeace auf den Klimawandel aufmerksam.
Mit einer Installation vor dem Bundeskanzleramt in Berlin macht Greenpeace auf den Klimawandel aufmerksam.  

Kinder streiken fürs Klima, auf Facebook weiß jeder was dazu, Politiker nahezu aller Parteien sind sich einig: Wir müssen mehr gegen die Erderwärmung tun. Jetzt hat sich der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder mit einer weniger populären Meinung zu Wort gemeldet. Er warnt davor, dem Klimaschutz alles andere unterzuordnen. Zudem sollten Autohersteller sich nicht in eine Ecke drängen lassen und nicht nur auf
Elektromobilität setzen. Was sagen Coburger Stadträte dazu? Christiane Schult hat sich umgehört.

 

Maximilian Forkel: Politische Entscheidungen seien nun gefragt, ohne dabei jedoch alle anderen Themen zu vergessen. Dieser Meinung ist auch Maximilan Forkel von den Jungen Coburgern. "Wenn das Bewusstsein der Menschen für das Thema Klimaschutz nun so gestiegen ist, dann müssen sich die Politiker auch darum kümmern, da wurde viel versäumt", meint er. Gerade beim Thema Elektromobilität habe die Forschung Jahrzehnte verschlafen - "was die Entwicklung von Akkus angeht zum Beispiel", sagt Forkel.

Petra Schneider: Für Petra Schneider, Fraktionsvorsitzende der SPD im Coburger Stadtrat, ist die Klimapolitik ein Topthema. "Es ist kurz vor Schluss, sogar bei den Schülern ist das Thema schon angekommen", sagt sie. Jedes Jahr werde in der Stadt der Bericht des Klimaschutzbeauftragten vorgestellt. "Und jedesmal habe ich ein schlechtes Gewissen", verrät Schneider. Wer jetzt nicht merke, dass sich in Deutschland und Europa etwas ändern müsse, "dem ist nicht zu helfen." Was die Elektromobilität angehe, so sei es zunächst wichtig, auch die passende Infrastruktur dafür zu schaffen. "Niemand will mit leerem Akku irgendwo im Wald stehen bleiben."

 

Wolfgang Weiß: Wenn wir jetzt nicht drastische Maßnahmen ergreifen, müssen wir Milliarden investieren in die Bekämpfung der Klimafolgen, ohne das Problem damit zu lösen", warnt Wolfgang Weiß, Klimaschutzbeauftragter der Stadt Coburg und Mitglied der Grünen im Stadtrat. Wenn das ganze verfügbare Geld in Maßnahmen wie zum Beispiel Deicherhöhungen flösse, wäre kein Geld mehr da für Bildung oder den Aufbau einer gerechteren Gesellschaft. Deutschland könne sich nur um ein Hauptthema wirklich kümmern, und die Lösung des Klimaproblems könnte gleich auch andere Baustellen beenden wie etwa Hunger und Armut als Fluchtursache. Das Klima sei ein träges System. "Wenn wir jetzt den Kipppunkt verpassen, führt das zu unumkehrbaren Veränderungen. Und diese Spirale dreht sich immer schneller", so Weiß. Als Klimaschutzbeauftragter berät er derzeit mit weiteren Stadtratsmitgliedern der Grünen und dem Klimaschutzmanager der Stadt Coburg darüber, ob die Stadt den Klimanotstand ausrufen soll. Andere Städte in Deutschland, darunter Konstanz, haben diesen symbolischen Schritt bereits beschlossen. "Ich bin der Meinung, dass man nur um Hilfe von Außen bitten kann, wenn man selbst alle Anstrengungen unternommen hat", sagt Weiß. Und da sieht er in Coburg noch viele Defizite. Als Beispiel nennt er die verpasste Chance auf eine Temporeduzierung auf der innerstädtischen B4 oder dass bisher nur in der Heimatring-Schule ein innovatives Heizungssteuerungssystem, das die Energieverbräuche deutlich reduziert, eingebaut wurde. Seit 1993 ist die Stadt Coburg Mitglied im Klimabündnis europäischer Städte und hat sich damit verpflichtet, die Treibhausgasemissionen, beginnend ab 1990, zu halbieren. Dazu bräuchte es eine breit angelegte Strategie mit einzelnen Maßnahmen, die auch tatsächlich finanziert und umgesetzt werden, zum Beispiel im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs. "Trotz des Integrierten Klimaschutzkonzepts, über das die Stadt Coburg seit 2010 verfügt, ist bislang wenig in Sachen Klimaschutz geschehen", so die Bilanz von Weiß.

 

Jürgen Heeb: Der Klimaschutz ist ein wichtiges Thema, aber es gibt auch noch andere: Das ist die Meinung von Jürgen Heeb von Pro Coburg. Als Beispiel nennt er den demografischen Wandel, der gerade auf kommunaler Ebene eine hohe Bedeutung habe. "Wir können nicht alle Aktivitäten in eine Richtung lenken und alles andere vom Tisch fallen lassen", so sein Plädoyer. Für ihn stellt sich die Frage, wie Umweltschutz funktionieren soll, wenn die Wirtschaft nicht funktioniert. "Die Ausgewogenheit der Themen ist Aufgabe der Politik." Er sieht den Trend, dass in der Bundesrepublik immer ein Thema ganz vorne stehe. Zunächst waren es die Flüchtlinge, jetzt das Klima. "Die Flüchtlingsfrage ist noch nicht gelöst, aber in der Prioritätenliste nach hinten gerutscht."

 

Jürgen Oehm: Jürgen Oehm, CSU Fraktionsvorsitzender, sieht E-Fahrzeuge als wichtig an, fordert jedoch auch die Entwicklung noch umweltfreundlicherer Technologien wie etwa der Antrieb mit Wasserstoff. Deutschland und Europa können den Klimawandel nicht alleine bekämpfen. "Amerika und China sind die größten Luftverschmutzer, die Luft hört nicht an der Grenze auf" fordert er mehr Engagement von der Bundesregierung, andere Länder in die Pflicht zu nehmen. Wichtig seien zudem die Finanzen: "Ohne Geld gibt es keinen Klimaschutz im großen Rahmen, die Wirtschaft muss boomen damit wir uns den Klimaschutz leisten können."

 

Christian Müller: Christian Müller, Fraktionsvorsitzender der CSB im Coburger Stadtrat, sieht die Kritik Schröders als berechtigt an. "Klimaschutz ist viel zu komplex, als dass er so dargestellt werden kann wie er derzeit diskutiert wird", sagt Müller. Es gebe noch andere Probleme in Deutschland, die sogar teils mit dem Klimaschutz verbunden sind. So führt Müller den Mangel an bezahlbarem Wohnraum auch auf die immer weiter verschärften Vorschriften zur Energieeffizienz von Bauvorhaben zurück. "Das Thema Klimaschutz wurde in der Vergangenheit nicht ausreichend beachtet, da haben wir gepennt", bedauert er. Nun würden beim Thema Klimaschutz viel zu sehr Maximalpositionen vertreten, etwa die Forderung nach sofortiger Abschaltung aller Kohlekraftwerke. "Die Diskussion um den Klimaschutz ist berechtigt, aber ideologisch völlig ausgeartet", so Müller.

 

Renè Hähnlein: Als einen guten Vorschlag für Coburg sieht Stadtrat Renè Hähnlein, Mitglied der Linken, die symbolische Ausrufung eines Klimanotstandes. "Der Klimawandel macht vor Stadtmauern und Landesgrenzen nicht halt", sagt er. Zwar habe Coburg in der Vergangenheit nicht alle Hausaufgaben im Bereich Klimaschutz erfüllt. Dennoch: "Wir sind in vielen Bereichen führend", ist Hähnlein überzeugt. Coburg könne eine Führungsrolle im Bereich Klimaschutz übernehmen und mit gutem Beispiel voran gehen.

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Wolfgang Weiß
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Veröffentlicht am:
13. 07. 2019
00:00 Uhr

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Wolfgang Weiß

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13. 07. 2019
00:00 Uhr



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