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Coburg

Klinikkonzern stellt sich neu auf

Regiomed startet ein Konsolidierungs- und Entwicklungsprogramm. Damit will das Unternehmen seine Verluste abbauen und in die Gewinnzone zurückkehren.



Coburg - Beim bayerisch-thüringischen Krankenhauskonzern Regiomed wird kein privater Investor einsteigen. Der Aufsichtsrat hat am Donnerstag beschlossen, die Konsolidierung und Weiterentwicklung des in die Verlustzone geratenen Medizinunternehmens in eigener Verantwortung zu betreiben. Dazu ist ein erstes Maßnahmenpaket beschlossen worden, das ein Einsparpotenzial von rund 13 Millionen Euro ausweist. Auf betriebsbedingte Kündigungen wird dabei verzichtet. Allerdings wird es ohne Personalabbau nicht gehen. Dabei setzt Regiomed auf sozialverträgliche Maßnahmen, beispielsweise auf altersbedingtes oder Ausscheiden auf eigenen Wunsch. Das gaben Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke, der Coburger Krankenhausdirektor Dr. Frank Wellmann, der für die bayerischen Regiomed-Einrichtungen verantwortliche Geschäftsführer Robert Wieland sowie der Coburger Landrat Sebastian Straubel und der Oberbürgermeister der Stadt Coburg, Norbert Tessmer, in einer Pressekonferenz am Freitag bekannt. "Wir wollen von innen heraus gesunden und unsere Selbstheilungskräfte in Gang setzen", betonte Schmidtke. Die Neuaufstellung läuft unter dem Schlagwort "Mut". Das steht für "machen und tun", sagte Schmidtke, der seit
1. Juni Regiomed-Hauptgeschäftsführer ist.

Vor welchen Herausforderungen Regiomed mit Krankenhäusern und weiteren Einrichtungen wie Seniorenheimen und Rehabilitationskliniken in Coburg, Lichtenfels, Hildburghausen und Sonneberg steht, verdeutlichte der Hauptgeschäftsführer mit einer Zahl. Auf der Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung von Januar bis April 2019 wird gegenwärtig für dieses Jahr ein Verlust von 17,1 Millionen Euro prognostiziert. Auf das Krankenhaus Lichtenfels entfallen 6,8 Millionen Euro, auf das Krankenhaus Coburg vier Millionen Euro, auf das Krankenhaus Sonneberg 2,1 Millionen Euro, auf das Krankenhaus Hildburghausen zwei Millionen Euro und auf das Krankenhaus Neustadt 1,3 Millionen Euro. Der Rest verteilt sich auf die anderen Einrichtungen, die Regiomed unterhält, erläuterte Robert Wieland. Alexander Schmidtke ist allerdings zuversichtlich, dass diese Zahlen nicht erreicht werden und der tatsächliche Verlust heuer niedriger ausfällt, als dies gegenwärtig prognostiziert wird.

Fest stehe allerdings, dass das Defizit im Jahr 2018 "deutlich höher" liege als die zunächst angenommenen etwa vier Millionen Euro, räumte Alexander Schmidtke ein. Eine konkrete Zahl wollte er am Freitag nicht nennen, da der Abschluss "noch nicht vollständig geprüft ist".

Um Kosten zu senken, ist das Projekt "Mut" gestartet worden. Es sieht vor, den Aufwand zu verringern, der heute in der "Infrastruktur" bei Regiomed bestehe. Als Beispiele nannte Schmidtke eine verbesserte Organisation im kostenintensiven Operationsbereich, wo alleine die Veränderung zeitlicher Abläufe ein hohes Einsparpotenzial bedeute, oder die Schaffung eines zentralen Lagers für medizinischen Bedarf mit der Zulieferung benötigten Materials an die einzelnen Kliniken nach dem "Just-in-Time-Prinzip".

Ziel ist zudem die Einführung eines einheitlichen Tarifsystems. Derzeit gibt es im Regiomed-Verbund 40 unterschiedliche Tarife. Alexander Schmidtke betonte, dass ein kommunaler Krankenhauskonzern im Tarifvertrag öffentlicher Dienst (TVöD) durchaus wirtschaftlich betrieben werden könne. Auch ein Haustarif wäre keine "Billiglösung", schließlich müsse Regiomed bei der angespannten Personalsituation insbesondere im Pflegebereich wettbewerbsfähig bleiben.

Glattziehen will Schmidtke zudem die Altersversorgung, die heute an 20 Versorgungskassen hängt. Verkleinert werden soll auch die Zahl der Regiomed-Gesellschaften. Derzeit sind das 17. Das sei nicht nur "sehr unübersichtlich" (Schmidtke), sondern erfordere auch einen hohen Aufwand bei der Erstellung der Abschlüsse und deren Zusammenführung im Konzern. "Hier liegt unsere Zukunft im Prinzip der Einfachheit", betonte der Hauptgeschäftsführer.

In der konsequenten Nutzung digitaler Anwendungen sieht Schmidtke großen Nachholbedarf und damit ein weiteres spürbares Einsparpotenzial. Um dieses für Regiomed zu erschließen, ist Michael Musick neu in die Geschäftsführung berufen worden. Er gilt in der Branche als einer der führenden Experten für medizinische Informationstechnologie und war Schmidtkes Stellvertreter am Klinikum Augsburg. Der bisherige Geschäftsführer Roy Hönemann wird Regiomed zum 30. September verlassen.

Insgesamt, so Alexander Schmidtke, hätten Gutachter für Regiomed ein Einsparpotenzial von 30 bis 40 Millionen Euro identifiziert. Deshalb schrecke ihn die gegenwärtige finanzielle Situation nicht, und er blicke zuversichtlich in die Zukunft des kommunalen Krankenhauskonzerns. Im Mittelpunkt aller Anstrengungen stehe nicht allein die Rückkehr in die Gewinnzone, sondern vor allem, "eine Qualitätssteigerung, die Zufriedenheit bei unseren Patienten schafft. Wir brauchen die bestmögliche medizinische Versorgung der Menschen in unserer Region", betonte der Hauptgeschäftsführer.

Das sei bei Regiomed gewährleistet, wie unabhängige Vergleiche bestätigten, ergänzte Dr. Frank Wellmann, Direktor des Krankenhauses Coburg. Für diese Klinik kündigte er Instandsetzungs- und Modernisierungsarbeiten an. Wellmann nannte den Brandschutz, die Erneuerung der Lüftungsanlage sowie die Renovierung von Patientenzimmern. Schließlich werde es noch mehrere Jahre dauern, bis in Coburg möglicherweise ein neues Krankenhaus in Betrieb gehen könne.

Lesen Sie dazu auch: "Letzte Frist für Regiomed" >>>

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Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
07. 06. 2019
16:02 Uhr

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Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
07. 06. 2019
16:02 Uhr



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