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Coburg

Landwirte fordern Obergrenze für Biber

Die Zahl der Tiere steigt auch im Coburger Land. Deshalb nehmen Schäden in der Flur zu. Politiker sollen deshalb die strengen Regeln zum Schutz der Nager lockern.



Ortstermin an der Lautertaler Biberburg zwischen Neukirchen und Tremersdorf. Am Rosenmontag informierten Kreisbäuerin Heidi Bauersachs und BBV-Kreisobmann Martin Flohrschütz (links) Bürgermeister und Landrat über Schäden, die das Nagetier anrichtet.	Fotos: Wolfgang Braunschmidt/voren1/Adobe Stock
Ortstermin an der Lautertaler Biberburg zwischen Neukirchen und Tremersdorf. Am Rosenmontag informierten Kreisbäuerin Heidi Bauersachs und BBV-Kreisobmann Martin Flohrschütz (links) Bürgermeister und Landrat über Schäden, die das Nagetier anrichtet. Fotos: Wolfgang Braunschmidt/voren1/Adobe Stock   » zu den Bildern

Lautertal - Die Biberburg am Oberlauf der Lauter zwischen Neukirchen und Tremersdorf existiert schon seit ein paar Jahren, erklärt Bürgermeister Sebastian Straubel. Und je größer sie wird, umso mehr Probleme bereitet sie. Bäume, die im Wasser stehen, sterben ab und drohen umzustürzen. Der Rückstau vernässt landwirtschaftliche Nutzflächen, die deshalb immer schwieriger zu bearbeiten sind und weniger Ertrag abwerfen. Die Biberburg liegt an einem Hang. Die Wasserfläche - ein kleiner Teich - lässt die Gefahr wachsen, dass Teile der Uferböschung abrutschen.

Begabter Baumeister

Biber zählen zu den besten Baumeistern unter den heimischen Wildtieren. Ihre Dämme können beträchtliche Ausmaße erreichen: Längen von 20 bis 30 Metern sind nicht ungewöhnlich. Wichtig ist Bibern, dass der Eingang zu ihrem Bau unter Wasser und damit geschützt liegt. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist der Biber streng geschützt. Es ist verboten, ihm nachzustellen, ihn zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Genauso ist es verboten, den Biber zu stören, seine Baue und Dämme zu beschädigen oder zu zerstören.

 

Der Lautertaler Biber ist kein Einzelfall. Überall im Coburger Land nimmt die Zahl der Tiere zu und damit die Schäden. Darauf machte der Vorstand des Kreisverbands Coburg im Bayerischen Bauernverband (BBV) bei seiner traditionellen "politischen Schlachtschüssel" am Rosenmontag aufmerksam. Kreisobmann Martin Flohrschütz und BBV-Geschäftsführer Hans-Jürgen Rebelein forderten Bundestagsabgeordneten Hans Michelbach (CSU), Landrat Michael Busch (SPD) und Bürgermeister aus dem Landkreis Coburg auf, sich für eine "Obergrenze" bei der Biberpopulation einzusetzen. Weil das Nagetier in den vergangenen zwei Jahrzehnten im Coburger Land wieder heimisch geworden ist und sich immer stärker vermehre, müsse es von der Liste geschützter Tierarten genommen werden. Damit verbunden sein müsse die Freigabe von Abschüssen. Es bringe nichts, Biber von einem Standort an einen anderen umzusiedeln. Damit werde das Problem nur verlagert.

 

Stellvertretender BBV-Kreisobmann Wolfgang Schultheiß zog einen Vergleich mit Rehwild. Um Verbissschäden im Wald in Grenzen zu halten, werden Abschusspläne erarbeitet. Deren Einhaltung wird konsequent von Behörden überwacht.

Landrat Michael Busch sagte, "das ist eine Forderung, die man aufstellen kann". Derzeit seien dem Landratsamt jedoch die Hände gebunden. Zwar könne eine Ausnahmegenehmigung für einen Abschuss von Bibern erteilt werden. Voraussetzung seien "erhebliche Schäden". Oder es müsse die öffentliche Sicherheit gefährdet sein, zum Beispiel, dass Bäume aufgrund von Schäden umfallen können, die auf einen Biber zurückgehen. Allerdings schreibe das Gesetz vor, dass mit der "Entnahme" - so wird der Abschuss im Beamtendeutsch umschrieben - keine Verschlechterung der Population eintreten darf. Ein Widerspruch in sich, wie der Landrat feststellte. Halte sich die von ihm geführte Behörde nicht an die Vorgaben, "dann zeigt mich ein Naturschutzverband an". Deshalb sei der Gesetzgeber gefordert, die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, um dem Anliegen der Landwirte gerecht zu werden.

Zwar gibt es einen staatlichen Biberfonds, der für Schäden aufkommt. Allerdings, so Flohrschütz und Rebelein, sei der Nachweis schwierig, dass die angemeldeten Schäden auf das Nagetier zurückgehen. Landrat Michael Busch bot an, in solchen Fragen die Biberbeauftragte des Landratsamts, Evelyn Piltz, anzusprechen und den Biberbeauftragten des Coburger Bauernverbands, Georg Ruppert, einzuschalten.

Der Wolf bereitet den Bauern ebenfalls zunehmend Sorge. Auch wenn es im Coburger Land noch keinen bestätigten Nachweis gibt, dass einzelne Exemplare hier heimisch geworden sind, müsse man sich doch darauf vorbereiten, Gebiete eingrenzen, in denen der Wolf leben darf. Zudem müsse der Abschuss schon heute geregelt werden. Bernd Reisenweber, Vorsitzender des Kreisverbands des Gemeindetags und damit Sprecher der Bürgermeister, unterstützt die Landwirte bei diesem Anliegen. "Hier muss man eine Obergrenze setzen." Wenn Wölfe ihre Scheu vor Menschen verlieren, weil sie nicht gejagt werden, nehme die Gefahr zu. Hirngespinste seien das nicht. Schließlich habe es vor 15 Jahren auch niemand für möglich gehalten, dass Wildschweine und Füchse in Berlin auftauchen.

Landrat Busch entgegnete, dass bereits ein Wolfsmanagement existiert. Zudem warnte er davor, Ängste zu schüren "und die Leute zu verdummen". Allerdings sei er dafür, eine Obergrenze für die Wolfspopulation festzulegen. Wolfgang Schultheiß wurde deutlich: "Wenn es zu viele Tiere werden, muss man sie zum Abschuss freigeben."

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Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
12. 02. 2018
16:57 Uhr

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12. 02. 2018
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