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Coburg

Landwirte fordern Wertschätzung

Das Kreiserntedankfest ist heuer nicht nur ein Gottesdienst. Es ist auch eine politische Demonstration für Anerkennung und Toleranz.



Gemeinsam mit Kreisbäuerin Heidi Bauersachs (links) und ihrer Stellvertreterin Dagmar Hartleb (rechts) sprach der evangelische Dekan Stefan Kirchberger beim Kreiserntedankfest in der Morizkirche in Coburg die Fürbitten.	Fotos: Gabi Bertram
Gemeinsam mit Kreisbäuerin Heidi Bauersachs (links) und ihrer Stellvertreterin Dagmar Hartleb (rechts) sprach der evangelische Dekan Stefan Kirchberger beim Kreiserntedankfest in der Morizkirche in Coburg die Fürbitten. Fotos: Gabi Bertram   » zu den Bildern

Coburg - Das traditionelle Kreiserntedankfest, das am Sonntag in der Morizkirche in Coburg gefeiert wurde, stand heuer unter dem Motto "Bläser, Bauern, Lutheraner". Neben der Dankbarkeit für die Früchte der Erde stand die Forderung nach Wertschätzung und Ehrerbietung denen gegenüber im Mittelpunkt, die Nahrungsmittel produzieren.

Möhren, Kohlköpfe, Kürbisse und mehr Erntegaben von Garten und Feld hatten die Landfrauen liebevoll vor dem Altarraum der Coburger Morizkirche drapiert. Die Sängerinnen des Landfrauenchors steuerten Körbe mit bunten Blumen und Früchten bei.

Als Dekan Stefan Kirchberger und die Vorstandsmitglieder des Kreisverbands Coburg des Bayerischen Bauernverbands (BBV) in die voll besetzte Kirche einziehen, spielt der Posaunenchor der Morizkirche unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein. Unter den Besuchern sind auch junge Studierende aus Russland, die derzeit zu Gast bei der Landjugend Coburg weilen.

Das Kreiserntedankfest ist ein besonderer Gottesdienst, und in diesem Jahr haben die Bauern der christlichen Gemeinde mehr mit auf den Weg zu geben, als den Erntedank. "Sie säen nicht, sie ernten nicht - aber sie wissen alles besser." Dieser Art Verunglimpfung, gedankenloser Vorurteile und Beschimpfung sagen sie den Kampf an, werben für Toleranz und Akzeptanz, für Wertschätzung ihrer den Menschen ernährenden Arbeit und informieren über ihre Tätigkeit. Warum nicht auch am Altar in der Kirche!

So wird die Predigt zum Trialog zwischen Dekan Stefan Kirchberger, BBV-Kreisobmann Martin Flohrschütz und seinem Stellvertreter Wolfgang Schultheiß. Ausgehend vom Gleichnis über den reichen Kornbauern werfen sie Fragen auf und suchen Antworten. Brechts Gedicht "Fragen eines lesenden Arbeiters" wandelt Martin Flohrschütz um zu "Fragen eines zeitungslesenden und Internet-nutzenden Bauern". Heute, sagt Schultheiß, ernähre der reiche Kornbauer aus dem Gleichnis nicht nur seine Familie, sondern 150 Menschen. Menschen, die nicht säen, nicht ernten, nicht düngen, nicht pflegen und den sie ernährenden Bauern kritisieren und an den Pranger stellen. "Wer unser Rindfleisch isst, rodet keinen Regenwald", sagt Wolfgang Schultheiß, beklagt die Doppelmoral in der Gesellschaft und verteidigt seinen Berufsstand vor einseitigen Schuldzuweisungen in der Klimadebatte. Martin Flohrschütz setzt auf Information und Diskussion über eine nachhaltige Landwirtschaft, "aber bitteschön mit fairer Sachlichkeit und Fachlichkeit".

Eine ganze Welt zu ernähren und die Schöpfung zu bewahren? Ja, beantwortet Dekan Kirchberger selbst seine Frage, die Bauern seien überzeugt, dass das funktioniert. Moderne Landwirtschaft sei keine Bedrohung für die Natur, sondern ökologisch nachhaltig. Kirchberger gibt diese Botschaft an die Christengemeinde weiter: keine Doppelmoral, keine üble Nachrede, kein "falsch Zeugnis reden", für Verständnis und Miteinander werben. In diesem Sinne wird im Trialog die Dankbarkeit für die Ernte mit den Sorgen und Ängsten der Bauern verbunden.

Kirchberger greift das Thema noch einmal auf, spricht über die lutherische Auslegung des Worts "unser tägliches Brot gib uns heute". Das tägliche Brot heiße nicht nur satt werden, sondern reiche bis hin zu guten sozialen Strukturen. Erntedank zu feiern schließe den Dank gegenüber denjenigen ein, die dafür sorgen, dass hochwertige Nahrungsmittel günstig produziert werden. "Zwei Prozent der Gesellschaft sind Bauern, 100 Prozent wollen satt werden."

Landfrauenchor und Posaunenchor geben dem Kreiserntedankgottesdienst einen festlichen musikalischen Rahmen. Anschließend nutzen viele Gottesdienstbesucher die Möglichkeit, mit dem Dekan und Landwirten ins Gespräch zu kommen.

Autor

Gabi Bertram
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Veröffentlicht am:
06. 10. 2019
14:04 Uhr

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Gabi Bertram

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Veröffentlicht am:
06. 10. 2019
14:04 Uhr



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