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Laute und leise Momente

Die "Lieder auf Banz" locken einmal mehr das Publikum auf die Klosterwiese. Erst nach ein Uhr war Schluss.



Tolle Stimmung auf der Klosterwiese von Banz.
Tolle Stimmung auf der Klosterwiese von Banz.  

Bad Staffelstein - Alljährlich pilgern Singer-Songwriter-Fans aus ganz Deutschland nach Banz, um an einem langen Abend eine Auswahl der besten deutschsprachigen Künstler aus der Liedermacher-Szene zu erleben, so auch am Wochenende. In diesem Jahr waren es zwei besonders lange Abende, die erst nach ein Uhr nachts mit dem großen Finale aller Künstler zu Ende gingen.

Das schöne Sommerabend-Wetter lockte so viele Menschen zum traditionellen Festival "Lieder auf Banz", dass sowohl die Klosterwiese als auch die Tribüne bis in den letzten Winkel besetzt und belagert waren. Zwölf Show-Acts mit allerhand Überraschungen boten sechs Stunden lang für beste Unterhaltung. Dafür sorgten gleich zu Beginn Viva Voce. Zur Auflockerung schnappten sie sich ein Geburtstagskind aus dem Publikum: Irene aus Bretzfeld. Die Interaktion mit der Ausgewählten zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Abend und sorgte immer wieder für Lacher.

Außerdem warteten Viva Voce mit einer ungeplanten Einlage auf. Erst am Vorabend hatten sie "Wolfgang" mit seiner Gitarre auf einer Parkbank am Kloster kennen gelernt und hörten seiner Interpretation von Reinhard-Mey-Liedern zu. "Nach dem Banzer Motto ‚Ein Abend mit Freunden‘ haben wir ihn ganz spontan gefragt, ob er sich vorstellen könnte, heute hier auf der Bühne zu stehen. Und Wolfgang konnte es sich vorstellen. "Gestern saß ich noch ganz tiefenentspannt da und jetzt befinde ich mich mitten in meiner ultimativen Mutprobe", sagte er schüchtern und räumte nach seiner Hommage an den großen deutschen Liedermacher einen stürmischen Applaus des Publikums mit "Zugabe-Rufen" ab. Wolfgangs Auftritt gehörte zu einem der leisen Momente, die jene besondere Atmosphäre ausmachen.

Nicht zuletzt diese grandiose Plattform nutzten die eingeladenen Liedermacher gern, um ihre Kritik an gesellschaftlichen und politischen Missständen zu äußern. So wurde Werner Schmidbauer, der als Höhepunkt des Konzertabends mit seinen Musikerkollegen Martin Kälberer, Pippo Pollina und Freunden auftrat, zum Glück nicht müde, im Song "Stolz" das falsche Verständnis nationaler Identität, die Politik des Fremdenhasses und der Abschottung anzuprangern.

Die Abwechslung prägte das Banz-Erlebnis. Wurde Reinhard Mey eben noch gewürdigt, so zog ihn einer der Gewinner des Nachwuchspreises der Hanns-Seidel-Stiftung, nämlich Lennart Schilgen, in einer Persiflage ordentlich durch den Kakao. Hinreißend präsentierte sich auch Christin Henkel mit Juri Kannheiser als "Band ohne Haare", die zu den Nachwuchsgewinnern gehörte. Hier der nächste "Bruch" des Abends: War Henkel der Meinung, dass man es auf "Frängisch" sagen muss, wenn man einen Mann loswerden will, so bezeichneten Hans Well und seine virtuos an Blasinstrumenten musizierenden Kinder Sarah, Tabea und Jonas das "Frängische" als den "eroddischsten Dialekt". Mit spitzer Zunge und politischer Schärfe knallten sie den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft ordentlich einen vor den Latz.

Zum Aufwärmen war Hannes Ringlstetter mit Band gekommen und gab als selbsternannte "Dienstleistungskapelle" mit Konzentration auf Niederbayern - das mussten die Franken aushalten - das gute alte "Heimatgenre" zum Besten. Auch Roger Stein setzte Akzente und brachte so manche zwischenmenschliche Schwäche auf den Punkt.

Im zweiten Teil des Festivalabends fing der Spaß erst so richtig an. Auf einen Gehstock gestützt nahm der "Urvater des Austro-Pop" Wolfgang Ambros seine langjährigen Bandkollegen Günter Dzikowski und Roland Vogel sowie das Publikum mit auf "Zeitreise". Nicht nur bei "Zwickts mi" wurde das beseelte Publikum zum Chor, auch Julia Neigel bediente sich der Gesangstalente im weiten Rund der Klosterwiese. Schwarzen Humor und jede Menge Spielfreude zeigten Belle Fin, die Nachwuchspreisträger aus Wien in kraftvoller Sechser-Formation. Da war es auf dem Klosterberg schon längst dunkel geworden und die Zuhörer auf den Decken kuschelten sich allmählich enger aneinander oder suchten die Nähe zur Bühne. Hatten Viva Voce aufgrund einer etwas längeren, technischen Umbaupause für das große Finale auf Banz ihren Auftritt mit einer kurzweilen Veralberung des Helenne-Fischer-Hits "Atemlos" im Improviations-Kabarett-Stil mit unterschiedlichen Musikgenres auf Zuruf aus dem Publikum ausgedehnt, so bildete Wolfgang Niedecken als Kölscher Bob Dylan mit Harmonika den krönenden Abschluss.

Autor

Marc Heinz
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
07. 07. 2019
15:48 Uhr

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Marc Heinz

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Veröffentlicht am:
07. 07. 2019
15:48 Uhr



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