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Martin Truckenbrodt: "Ich lebe jeden Tag die deutsche Einheit"

Denken und Handeln in einer fränkisch geprägten Kulturregion über politische Grenzen hinweg: Das will der ÖDP-Kandidat für den Landratsposten, Martin Truckenbrodt, anschieben.



"Ich lebe jeden Tag die deutsche Einheit"
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Coburg - Ein Brückenbauer will er sein, Grenzen überwinden. Sein gedanklicher Horizont umfasst dafür die Kulturregion Itzgrund, die frankophonen Bürger in Nordbayern und Südthüringen. Diese Klammer umspannt sein Denken und Handeln. Geboren in Oberfranken, jetzt in Südthüringen zu Hause, will Martin Truckenbrodt sich als künftiger Landrat Coburgs für die Menschen der gesamten Region einsetzen, unabhängig von den politischen Grenzen. "Ich lebe jeden Tag die deutsche Einheit", sagt der Landratskandidat.

Martin Truckenbrodt

Martin Truckenbrodt ist 47 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Der gebürtige Untersiemauer wohnt seit 2004 im Thüringischen Seltendorf.

1990 und 1996 kandidierte er für den Gemeinderat in Untersiemau. 2009 trat er in die ÖDP ein. 2013 gründete Truckenbrodt zusammen mit weiteren Mitstreitern den überparteilichen Verein Henneberg-Itzgrund-Franken. Er ist Gründungsmitglied des Vereins "Das bessere Bahnkonzept".

Er engagiert sich seit Jugendtagen in der evangelischen Kirche. Von 2007 bis 2015 leitete er die Regionalgruppe Franken der Deutschen Killifischgemeinschaft. Er spielt Saxofon in diversen Bands.

"Uns verbindet mehr nach Norden, nach Südthüringen, als nach Süden - Bamberg oder Lichtenfels", erklärt Truckenbrodt seine länderübergreifende Denke aus der Geschichte heraus. Verbindendes Element mit den Menschen in Südthüringen sei die Sprache, das "Itzgründische". Der Kulturraum sei lediglich durch die innerdeutsche Grenze getrennt gewesen. Diese Bewusstsein sei auch für die künftigen Generationen wichtig. Man könne die Diskussion durch eigenes Beispiel durchaus beeinflussen, glaubt Truckenbrodt. Trotzdem sei die Landesgrenze natürlich existent, und man müsse mit der unterschiedlichen Politik leben.

Um diesen Anliegen eine Form zu geben, gründete Martin Truckenbrodt zusammen mit Thüringer Weggefährten im Jahr 2013 den überparteilich aktiven Verein Henneberg-Itzgrund-Franken. Dieser setzt sich für die politische Anerkennung eines kulturell fränkisch geprägten Gebietes über Ländergrenzen hinweg ein.

Zu Truckenbrodts Lieblingsthemen gehört in dem Zusammenhang der Eisenbahn-Lückenschluss Südwestthüringen-Oberfranken mithilfe der Reaktivierung der Werrabahn: Dieser kann seiner Meinung nach nicht nur zwei Städte oder zwei Landkreise miteinander verbinden, sondern zwei Regionen mit insgesamt weit mehr als einer Million Einwohnern. Truckenbrodt bevorzugt dabei die Variante über Bad Rodach, bei der die Neutrassierung sich geradezu "harmonisch" in die Landschaft einschmiege, anders als über Eisfeld durch das Lautertal, wo die entstandene Bebauung ein Wiederaufleben der ehemaligen Trasse erschwere und eine Umfahrung erfordere.

Die Wirtschaftlichkeit sei gegeben, dies würden Zahlen belegen, argumentiert Truckenbrodt. Leider hätten die Landesregierungen das Potential dieses interessanten Projekts bislang noch nicht erkannt. Truckenbrodt geht es dabei rein um die Personenbeförderung, nicht um den Güterverkehr. Eine Busverbindung könne nur ein Provisorium sein, meint er.

Für eine gute Idee hält er auch ein gemeinsames Gewerbegebiet Neustadt-Sonneberg. Dafür müssten sich erst die Kommunen einig sein, dann könne man mit dem Konzept auf die Länderregierungen zugehen. Das sei dann Aufgabe des künftigen Landrats. Ein großer Schritt aufeinander zu sei, dass der "Tag der Franken" 2019 in Neustadt und Sonneberg gleichzeitig gefeiert werde. Daran sei er, Martin Truckenbrodt, nicht unerheblich beteiligt gewesen.

 

Hier geht es zur Videoaufzeichnung des Gesprächs bei unserem Partner nectv >>>

 

"Ich sehe in der 'Zweibeinigkeit' Vorteile"

Wie will ein Landratskandidat, der nicht im Wahlkreis lebt, seine Wähler erreichen? Martin Truckenbrodt setzt auf Kommunikationsinstrumente wie Plakate, soziale und klassische Medien. Und auf seine Kontakte aus der Kirchenarbeit, der Politik und nicht zuletzt der Musik. Er spielt Saxofon in mehreren Livebands, die auch im Landkreis auftreten und: "Unser Probenraum ist in Rödental." Muss er als Landrat nicht in dem Landkreis seinen Wohnsitz nehmen, in dem er gewählt ist? Truckenbrodt stammt zwar ursprünglich aus Untersiemau, lebt aber seit 2004 mit seiner Familie im thüringischen Seltendorf. Zum Thema "Residenzpflicht" sagt er: "Ich fahre 15 Minuten ins Landratsamt. Das schafft jemand, der aus Weidhausen oder Heilgersdorf kommt, nicht." Martin Truckenbrodt erkennt darin nicht nur kein Problem, sondern "ich sehe in der ‚Zweibeinigkeit‘ eher Vorteile: Viele Probleme und Anliegen in der Region sind bundesländerübergreifend. Ich kann den Blick über die Ländergrenzen zum Wohl der Bürger auf beiden Seiten einsetzen." Das bayerische Gesetz über kommunale Wahlbeamte besagt lediglich, dass die Wohnung so zu nehmen ist, "dass die ordnungsgemäße Wahrnehmung der Dienstgeschäfte nicht beeinträchtigt wird." Das kann er leicht gewährleisten . kly

 

Mehr Menschlichkeit ins Landratsamt

Der ÖDP-Kandidat sagt von sich, er halte sich vor allem "als Mensch" für die Position und die Aufgaben des Landrats für geeignet. Warum? Und vor allem: Ist das bisher nicht der Fall, wenn Martin Truckenbrodt dies so explizit unterstreicht? "Für die Position als Landrat sind Führungsqualitäten nötig. Die bringe ich mit, denn als IT-Berater und Projektleiter habe ich jede Menge Erfahrung im Umgang mit Menschen gesammelt. Ich bin durchsetzungsstark, pflege aber einen partnerschaftlichen Umgang mit meinen Kollegen. Letzteres lässt derzeit dem Vernehmen nach im Landratsamt zu wünschen übrig", positioniert sich der Kandidat deutlich. Das würde er als neuer Behördenleiter ändern. Martin Truckenbrodt versteht sich nach eigener Aussage als "Dienstleister" und verlangt diese Haltung und Herangehensweise an Aufgaben auch von den - möglicherweise - künftigen Mitarbeitern im Landratsamt. Führungsstärke sei auch beim Umgang mit Rechtspopulisten gefragt. Hier habe der Nachbarlandkreis Hildburghausen nicht aufgepasst und sei nicht rechtzeitig eingeschritten, als rechte Gruppierungen in die Öffentlichkeit drängten. Da sei klare Kante gefordert und Wachsamkeit, dass derlei Umtriebe nicht auch diesseits der Grenze aufkämen, bezieht Truckenbrodt deutlich Position. kly

 

Lesen Sie hier die weiteren Artikel zur Reihe: Punkt 7 - Landratskandidaten im Gespräch mit der NP >>>

 

Auf Augenhöhe kommunizieren

In Sachen Gesundheitswesen sieht Martin Truckenbrodt "keine Alternative" zu einem Neubau des Klinikums. Er favorisiert als Standort das Bundesgrenzschutzgelände, nicht zuletzt aufgrund der günstigen Verkehrsanbindung. Der ÖDP-Kandidat sieht alle Einrichtungen bei einem einzigen Träger, ohne Regiomed explizit zu nennen. Den Kostenfaktor rechnet er mit der Lebensdauer gegen: "Dieser Neubau ist dann 80/90 Jahre lang nutzbar." Das Krankenhaus in Neustadt stellt er nicht in Frage: "Das Gesundheitsangebot muss flächendeckend sein." Natürlich müsse man Schwerpunkte setzen und gegebenenfalls einzelne Abteilungen verlagern. Zur künftigen Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis Coburg hält Martin Truckenbrodt eine sachliche und zielorientierte Zusammenarbeit der beiden Gebietkörperschaften für nötig. "Wenn jeder auf seinem Hoheitsgebiet pocht, kann das nicht nachhaltig und im Interesse der Bürger sein", erklärt der Landratskandidat. In jedem Fall müsse "auf Augenhöhe" kommuniziert werden, im Interesse aller Bürger in der Stadt und im Landkreis. Martin Truckenbrodt geht sogar soweit, über den Status Coburgs als Kreisfreie Stadt nachzudenken. Dies sei allerdings Zukunftsmusik und müsste als Gebietsreform auf Landesebene angestoßen werden. kly

Autor

Katrin Lyda
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Veröffentlicht am:
18. 12. 2018
19:48 Uhr

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Katrin Lyda

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18. 12. 2018
19:48 Uhr



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