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Coburg

Metaller wollen am Freitag streiken

Die Beschäftigten bei Kaeser sind aufgerufen, für einige Zeit ihre Arbeit niederzulegen. Sie fordern die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit für einige Jahre zu reduzieren.



Am Donnerstagmorgen riefen Gewerkschafter die Beschäftigten von Kaeser zu einem Warnstreik am Freitag auf. Sie fordern mehr Lohn und eine zeitweise Verkürzung der Arbeitszeit. Foto: Martin Koch
Am Donnerstagmorgen riefen Gewerkschafter die Beschäftigten von Kaeser zu einem Warnstreik am Freitag auf. Sie fordern mehr Lohn und eine zeitweise Verkürzung der Arbeitszeit. Foto: Martin Koch  

Coburg - Die IG Metall Coburg hat am Donnerstag die Beschäftigten des Kompressorenherstellers Kaeser im Coburger Stadtteil Bertelsdorf, genauer gesagt die Mitarbeiter von Kaeser Kompressoren SE, zur Beteiligung an den Warnstreikaktionen am heutigen Freitag aufgerufen. "Die Position der Arbeitgeberseite ist weiterhin sehr verhärtet", bedauerte Jürgen Apfel, 1. Bevollmächtigter der IG Metall, im Gespräch mit der Neuen Presse. "Das könnte eine der härtesten Tarifrunden der letzten Jahre werden."

Die Forderungen

In der Tarifauseinandersetzung der Metall- und Elektroindustrie droht die Gewerkschaft mit einer härteren Gangart, sollten die Arbeitgeber bis Ende Januar nicht einlenken. "Dann sehen wir, ob es Sinn macht, weiter zu verhandeln, ob es ganztägige Warnstreiks geben wird oder gleich die Urabstimmung über Flächenstreiks", sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann der "Passauer Neuen Presse". Die IG Metall fordert sechs Prozent mehr Lohn und das Recht für jeden Beschäftigten, seine Arbeitszeit bis zu zwei Jahre lang von 35 auf 28 Stunden pro Woche zu verkürzen, mit teilweisem Lohnausgleich. Die Arbeitgeber haben bisher eine Einmalzahlung für drei Monate, danach zwei Prozent mehr Lohn angeboten. Außerdem wollen sie die Arbeitszeit verlängern können.

"Das, was die IG Metall uns auf den Tisch legt, das gefährdet die Arbeitsplätze", sagte dagegen Südwestmetall-Chef Stefan Wolf, der Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite, am Donnerstag im ARD-"Morgenmagazin". Die Arbeitgeber wollen flexiblere Zeitmodelle auch mit Ausweitung auf 40 Stunden durchsetzen. "Wenn wir über Volumensöffnungen nach oben mit der IG Metall sprechen können und sie sich da bewegt, dann können wir für Sondersituationen uns auch darüber unterhalten, wann man denn mal absenken kann."

 

Die Industriegewerkschaft fordert eine Lohn- und Gehaltserhöhung von sechs Prozent. Außerdem sollen alle Beschäftigten der Metallindustrie die Möglichkeit bekommen, ihre wöchentliche Arbeitszeit für die Dauer von maximal zwei Jahren auf maximal 28 Stunden pro Woche zu verkürzen, allerdings ohne vollen Lohnausgleich. Eine Rückkehr zur 35-Stunden-Woche soll dann für die Betroffenen möglich sein. Wer Kinder bis zum 14. Lebensjahr hat oder pflegebedürftige Angehörige versorgt, soll einen Anspruch auf einen Entgeltzuschuss von 200 Euro pro Monat bekommen.

 

Die Metallarbeitgeber haben bislang nach Gewerkschaftsangaben lediglich eine Gehaltssteigerung von zwei Prozent auf die Dauer von 15 Monaten, plus eine Einmalzahlung in Höhe von 200 Euro angeboten. Eine Bedingung dabei soll sein, dass die Betriebe ihrerseits die Arbeitszeiten auf bis 42 Wochenstunden erweitern können.

"Die Arbeitgeber wollen also faktisch die 35-Stunden-Woche abschaffen", sagte dazu Jürgen Wechsler, Bezirksleiter der IG Metall in Bayern. "Das ist eine Kampfansage, auf die die Beschäftigten nun eine Antwort geben werden." Außerdem kritisierte die Gewerkschaft, dass die Arbeitgeberseite auch tarifpolitische Errungenschaften, wie den Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmer, den Entgeltausgleich bei Leistungsminderung und die bezahlte Drei-Schicht-Pause in Frage stelle.

Der Warnstreik am heutigen Freitag soll als "Frühschluss-Aktion" stattfinden. Im Klartext heißt das, dass die Beschäftigten eine Stunde eher als üblich ihren Arbeitstag beenden. Am Donnerstag fand dann auch eine Warnstreik-Mittagspause vor der Firma Waldrich in Coburg statt. Jürgen Apfel und Norbert Schramm vom Kaeser-Betriebsrat freuten sich über die gute Stimmung bei der Belegschaft. Die Informationen zum Warnstreik seien mit großem Interesse bei den Kaeser-Beschäftigten zur Kenntnis genommen worden.

 
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Martin Koch
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Veröffentlicht am:
11. 01. 2018
17:27 Uhr

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Martin Koch

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Veröffentlicht am:
11. 01. 2018
17:27 Uhr



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