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Coburg

Mit Blaulicht durch die virtuelle Welt

Feuerwehrler, die Einsatzfahrzeuge lenken, sind besonderen Stesssituationen ausgesetzt. Bei einem Simulationstraining lernen sie, dass Sicherheit vor Schnelligkeit geht.



Wie lassen sich Unfälle mit Feuerwehrfahrzeugen vermeiden? Durch Training, sagt Kreisbrandrat Manfred Lorenz (hinten). Maschinisten aus dem ganzen Landkreis konnten mithilfe des Sondersignal-Fahrt-Trainers (SFT) Einsatzfahrten proben. Gewöhnungsbedürftig, aber lehrreich, so das Urteil von Kreisbrandmeister Jannic Christ (Ahorn, vorn) nach seiner Probefahrt. Foto: Knauth
Wie lassen sich Unfälle mit Feuerwehrfahrzeugen vermeiden? Durch Training, sagt Kreisbrandrat Manfred Lorenz (hinten). Maschinisten aus dem ganzen Landkreis konnten mithilfe des Sondersignal-Fahrt-Trainers (SFT) Einsatzfahrten proben. Gewöhnungsbedürftig, aber lehrreich, so das Urteil von Kreisbrandmeister Jannic Christ (Ahorn, vorn) nach seiner Probefahrt. Foto: Knauth  

Seßlach - Eine Feuerwehr auf dem Weg zum Brandort: Mit Martinshorn und Blaulicht rast der Fahrer zum Einsatz. Jede Sekunde zählt. Eine immense Stresssituation gerade für den Lenker der meist wuchtigen Fahrzeugs, das er auch sicher durch enge Straßen und vorbei an anderen Verkehrsteilnehmern manövrieren muss. Und die reagieren oft unvorhergesehen, wenn sie das "Tatütata" hören.

"Macht langsam, es pressiert!" So lautet der wichtigste Rat, den eine Sondersignal-Fahrt-Trainerin Lenkern von Einsatzfahrzeugen derzeit in Seßlach vermittelt. Die Lehrkraft der Staatlichen Feuerwehrschule in Regensburg, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, tut das mit Hilfe des gleichnamigen Simulators, der seit Montag in einem Klassenzimmer der Seßlacher Mittelschule aufgebaut ist. Jede Sekunde zählt? "Nein", sagt die Ausbilderin: "Hudeln bringt nichts! Lieber zehn bis 20 Sekunden später, aber dafür sicher ankommen." Wie fordernd die Fahrt vor allem in der Stadt ist, können die Zuhörer gleich darauf selbst erfahren. Wer auf dem Fahrersitz des SFT Platz nimmt, wird mit Szenen konfrontiert, wie sie Maschinisten auf dem Weg zum Ort des Geschehens tagtäglich begegnen könnten: Fußgänger kreuzen plötzlich ihren Weg, Autofahrer fahren trotz des hör- und sichtbaren Rettungsfahrzeugs bei Grün in Kreuzungen ein, Radfahrer bremsen unvermittelt.

Drei große Monitore ermöglichen dem Probanden auf dem Fahrersitz eine Rundumsicht, zwei kleinere zeigen ihm als Rückspiegel die Sicht nach hinten. "Ich habe schon eine Sekunde überlegt, ob ich links oder rechts vorbeifahre", schildert Mathias Reblitz von der Feuerwehr Schorkendorf-Eicha bei der anschließenden Nachbesprechung. Das ist der Trainerin nicht verborgen geblieben. Doch Reblitzs Halswirbelsäule sei beweglich gewesen, sein Kopf habe sich hin und her bewegt, lobt die Lehrkraft. Während der Fahrt wurde der Maschinist mit "Gemeinheiten" konfrontiert, die in jede der Trainingsfahrten eingebaut sind. So kollidiert Reblitz fast mit einem Kleinwagen, als er bei Rotlicht in eine Kreuzung einfährt und übersieht beinahe eine Fußgängerin, die unvermittelt am Fahrbahnrand auftaucht. "Aber das macht es ja gerade realistisch", so der Schorkendorfer, der bereits seit 35 Jahren in der Wehr aktiv ist. Die Frage, was er besser machen könne, kann Reblitz im Kreise einiger Kollegen sogleich beantworten. Anstrengend wie lehrreich sei die Fahrt gewesen, sagt er, doch sie habe auch Spaß gemacht. "So eine Simulation wollte ich in meiner Laufbahn nochmal mitmachen", fügt der Aktive hinzu. Das Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser (kurz: TSF-W), das Reblitz sonst fährt, ist noch ein wenig größer als das Fahrzeug in der Simulation.

Jede Woche ist die frühere Fahrlehrerin und Brandmeisterin mit dem einzigen Virtuellen Sondersignal-Fahrt-Trainer (SFT) in Bayern unterwegs, um Maschinisten zu schulen. Rund 250 000 Euro kostet der Simulator, die Kosten für den Transport-Lkw nicht mitgerechnet. Für die gastgebenden Wehren sind die Schulungen kostenlos.

Und so nutzten von Dienstag bis zum gestrigen Donnerstag Maschinisten aus dem Landkreis die Chance zur simulierten Einsatzfahrt. Wie schnell darf ich fahren, wie weit in den Verkehr eingreifen? Solche Fragen klärte eingangs die einstündige theoretische Einweisung über Sonder- und Wegerechte, Unfallursachen und Psychologie. Dann war der Simulator an der Reihe: Nach einer Eingewöhnungsrunde wurde jedem Fahrer je eine Stadt- sowie eine Stadt- und Landfahrt eingespielt. Wenn Blaulicht und Martinshorn dabei durchlaufen, erhöhe sich die psychische Belastung, erläuterte die Trainerin: "Das Martinshorn macht etwas mit dir!" Die Aufregung steigere sich beim realen Einsatz noch. "Zum Glück sind wir ja nicht so oft im Einsatz und dann bin ich ja nur einer von mehreren Fahrern", sagte Jannic Christ, Kreisbrandmeister aus Ahorn. Die Bildschirme fand er gewöhnungsbedürftig, der bewegliche Sitz sorgte für ein "schwummeriges Gefühl". Trotzdem seien diese Schulungen für die Fahrer "Gold wert", meinte Christ.

Dass die Wehren auf dem Land eher seltener ausrücken, sei ein Problem, so die Trainerin. Hinzu komme die Belastung durch persönliche Bindungen: "Oft weiß man, zu wem man fährt." Auch dass sich die Fahrer in den kleinen Orten in der Regel gut auskennen, sei nur bedingt ein Vorteil, denn die Ortskenntnis berge Gefahren: "Dann ist man sich oft zu sicher."

Mehrere Ratschläge gab die Lehrkraft den Fahrern mit auf den Weg: "Üben, üben, üben!" lautete einer.

Kreisbrandrat Manfred Lorenz versucht alle zwei Jahre einen Simulator in die Region zu holen, im Wechsel mit dem Brandübungs-Container. "Permanente Schulungen sind wichtig für uns", bestätigte Lorenz, "denn wir wollen ja helfen und dafür müssen wir heil ankommen". Mit dem Fahrzeug der eigenen Wehr üben die Einsatzfahrer mit der Verkehrswacht Coburg auf dem Kaeser-Parkplatz. Fahrsicherheitstraining im ADAC-Zentrum in Schlüsselfeld wird seltener angeboten, steht doch das Fahrzeug vor Ort dann vorübergehend nicht zur Verfügung. Dazu werde gemeinsam mit der Polizei erarbeitet, "was ein Fahrer darf und was nicht". Lorenz: "Es geht ja nicht nur um das teure Fahrzeug, man hat ja auch noch eine Mannschaft dabei."

Autor

Bettina Knauth
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Veröffentlicht am:
07. 11. 2019
16:58 Uhr

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Bettina Knauth

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Veröffentlicht am:
07. 11. 2019
16:58 Uhr



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