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Coburg

Mit Demokratie gegen Corona-Angst

Das Bündnis "Coburg ist bunt" startet eine Kampagne. Sie soll ein Beitrag gegen die Spaltung der Gesellschaft in der Pandemie sein.



Mit Demokratie gegen Corona-Angst
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Coburg - Die AfD versucht, die Corona-Pandemie für sich politisch zu nutzen. Die rechte Partei spielt mit Sorgen und Ängsten von Bürgern. Stephan Brandner, stellvertretender Bundessprecher der AfD, vergleicht die Corona-Politik der Bundesregierung gar mit einer Geiselhaft. Ganz anders Verschwörungstheoretiker: Für sie steckt Microsoft-Gründer Bill Gates hinter Corona, weil er der Menschheit seinen Impfstoff aufzwingen und jedermann einen Chip implantieren wolle. Die chinesische Regierung könnte auch an allem schuld sein, weil sie das Virus als Biowaffe gezüchtet habe, um die Welt zu beherrschen. Oder ist das Corona-Virus doch nur eine Erfindung, damit wer auch immer die Kontrolle über die Menschheit erhält?

Coburg ist bunt

Das Netzwerk für Menschenrechte und Demokratie "Wir sind bunt: Coburg Stadt und Land!" hat es sich zum Ziel gesetzt, Weltoffenheit und Toleranz in der Region Coburg zu fördern. Es setzt sich über Religions- und Parteigrenzen hinweg für ein demokratisches und friedliches Miteinander ein und verfügt über eine Vielzahl engagierter Akteure aus Politik, Wirtschaft, Religion und Gesellschaft. Das Netzwerk besteht aus mehr als 150 Institutionen und Privatpersonen. Sprecher sind Ilhan Birinci, Türkisch-Islamischer Kulturverein Coburg, Michael Busch, Landtagsabgeordneter, Alexandra Kemnitzer, Kreisrätin im Landkreis Coburg, Andreas Kleefeld, evangelischer Dekan, und Coburgs Alt-Oberbürgermeister Norbert Tessmer.

 

"Viele Menschen haben Angst vor dem neuen Virus, sie plagen Sorgen, und viele gehen aus dieser Perspektive heraus mit einfachen Antworten auf die Straße. Das ist eine Gefahr für unsere Demokratie", sagt Andreas Kleefeld, evangelischer Dekan in Coburg und einer der Sprecher des Demokratienetzwerks "Coburg ist bunt". Kleefeld verweist auf die USA und Brasilien, wo einfache Antworten auf Ursachen und Folgen der Corona-Pandemie Gesellschaften spalten. "Die einen sagen, das interessiert uns nicht, die anderen versuchen, trotzdem zu kämpfen." Zu den Kämpfern gehöre "Coburg ist bunt".

 

Natürlich sei jeder von den Einschränkungen betroffen, die zur Bekämpfung der Pandemie eingeführt worden sind, "tatsächlich wurden viele Grundrechte eingeschränkt", so der Dekan. Wichtig sei, darauf zu achten, dass diese nicht von Dauer sein könne. "Insofern sind die Pandemie und ihre Folgen tatsächlich eine Zumutung für unsere Demokratie", sagt Andreas Kleefeld. Gleichzeitig könne es nur durch einen verantwortlichen Zusammenhalt der Gesellschaft gelingen, die Folgen der Corona-Krise zu begrenzen. "Insofern könnte es sein, dass gerade demokratisches Handeln ein wirksames Instrument gegen die Verbreitung der Seuche sein könnte."

Es sei wichtig, "dass wir auch hier in Coburg Antworten auf die Auswirkungen von Corona auf unser Leben, auf unsere Demokratie geben", betont der Dekan. Denn auch in der Vestestadt, am Marktplatz, haben Menschen an Samstagen demonstriert: die AfD genauso wie Verschwörungstheoretiker oder Eltern, die sich um die Zukunft ihrer Kinder sorgen.

Das Netzwerk "Coburg ist bunt" hat in enger Zusammenarbeit mit den Partnerschaften für Demokratie in Stadt und Landkreis eine Kampagne gestartet. Ihr Titel: "Gemeinsam ist unsere Demokratie stärker als jedes Virus". "Wir wollen einen Impuls setzen gegen um sich greifende Fake-News, abstrusem Verschwörungsglauben sowie antidemokratischen Tendenzen", erklärt Sebastian Stamm von der Koordinierungs- und Fachstelle der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Coburg.

"Wir möchten Menschen zu Wort kommen lassen, die in unterschiedlichen Funktionen Verantwortung tragen, die von Einschränkungen in ihrem Verantwortungsbereich betroffen sind und zu der These Stellung nehmen, dass die Pandemie eine Zumutung für unsere Demokratie ist", ergänzt Dekan Kleefeld. Er äußert sich dazu ebenso wie Radiomoderator Rico Böhme, Landestheater-Intendant Bernhard Loges, Landrat Sebastian Straubel, der Jugendbeauftragte des Landkreises Coburg, Dominik Oesterreicher, oder die Landtagsabgeordneten Michael Busch (SPD) und Martin Mittag (CSU). Ziel ist es, eine differenzierte Debatte zu dem anzuregen, "was wir heute in der Pandemie erleben. Wir glauben, dass dieser Zugang der bessere und demokratischere Umgang mit den Problemen ist, die uns gegenwärtig betreffen, als die Klischees, die von manchen auf die Straßen getragen werden", betont Andreas Kleefeld.

Er verbindet mit der Kampagne die Hoffnung, Sensibilität für Demokratie zu wecken, "auch ein Verständnis dafür, was Demokratie in dieser Zeit leisten kann". Und es gehe auch "ein bisschen um das Verständnis dessen, was Solidarität und Zusammenhalt für unsere Gesellschaft bedeuten. Wenn wir das über die Debatte, die wir anstoßen wollen, schaffen, dann haben wir sehr viel gewonnen."

Das unterstreicht Landtagsabgeordneter Michael Busch, mit Dekan Kleefeld vom evangelischen Dekanat, Ilhan Birinci vom türkisch-islamischen Kulturverein Coburg, Kreisrätin Alexandra Kemnitzer und Alt-Oberbürgermeister Norbert Tessmer Sprecher von "Coburg ist bunt". "Mit vielen Argumentationen aus den verschiedensten politischen, wirtschaftlichen, religiösen und gesellschaftlichen Bereichen wollen wir bekräftigen, dass Demokratie letztendlich stärker ist als das Corona-Virus, dass wir mit einer gesunden Demokratie gut aus der Corona-Krise herauskommen." Deshalb versuche das Bündnis, "so viele wie möglich in unser Boot zu holen und zu erklären, warum Demokratie stärker als das Virus ist".

Das finde, sagt Busch, große Zustimmung. Nicht nur bei Meinungsbildnern, sondern auch bei den Menschen, die man beispielsweise mit Videos anspricht, die über soziale Netzwerke verbreitet werden. Damit erreiche man pro Statement bislang 1000 bis 2000 Interessierte, was, so der evangelische Dekan, in einer Zeit, in der öffentliche Veranstaltungen nahezu unmöglich sind, ein sehr guter Wert sei. "Wir bieten an, sich mit diesen Stellungnahmen zu befassen, sich damit auseinander zu setzen, sie zu diskutieren", erklärt Andreas Kleefeld.

Die Kampagne soll, wie Landtagsabgeordneter Busch betont, nachhaltig sein: "Wir müssen das Thema ,Demokratie‘ immer wieder neu setzen und verbreiten." Über mehrere Wochen sollen bis zu 25 bekannte Coburgerinnen und Coburger zu Wort kommen und erläutern, warum Demokratie stärker als jedes Virus ist, ergänzt Dekan Kleefeld. Denn: "Gerade demokratisches Handels könnte ein wirksames Instrument gegen die Verbreitung von Corona sein." Seine Überzeugung: Wo Menschen nicht an einem Strang ziehen, "scheinen die Infektionszahlen nicht eingedämmt werden zu können". Das zeige die Entwicklung in den USA und in Brasilien. Demokratie könne auch darin bestehen, "dass ich mich in meinen Rechten einschränke, um anderenen und der Gesellschaft zu helfen". Spekulationen, woher das Virus kommt, seien nicht zielführend und würden den Menschen keine Ängste nehmen, sondern sie befeuern. Andreas Kleefeld: "Sie befördern das Misstrauen und die Spaltung der Gesellschaft." Die Kampagne von "Coburg ist bunt" sei einer von vielen Beiträgen, dies zu verhindern. "Wir wollen zeigen, dass unsere Demokratie gerade in Krisenzeiten stark ist."

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www.coburg-ist-bunt.de

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Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
10. 07. 2020
14:36 Uhr

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Wolfgang Braunschmidt

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10. 07. 2020
14:36 Uhr



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