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Coburg

Mit Kameras gegen Gewalt

Auch die Polizisten der PI Coburg sind von Beleidigungen und Attacken im Dienst betroffen. Wie überall im Land sind die Angriffe auf sie im Jahr 2018 mehr geworden. Technik soll jetzt helfen.



Der uniformierte Streifendienst sowie die Einsatzeinheiten der Polizeipräsidien und der Bayerischen Bereitschaftspolizei werden mit insgesamt 1400 Body-Cams ausgestattet. Coburg ist im Herbst dran. Foto: Peter Kneffel/dpa
Der uniformierte Streifendienst sowie die Einsatzeinheiten der Polizeipräsidien und der Bayerischen Bereitschaftspolizei werden mit insgesamt 1400 Body-Cams ausgestattet. Coburg ist im Herbst dran. Foto: Peter Kneffel/dpa  

Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte in Bayern haben einen Höchststand erreicht. Laut Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gab es 2018 mit 7689 Fällen von körperlicher und verbaler Gewalt ein Plus von knapp fünf Prozent im Vergleich zu 2017. Davon betroffen waren mehr als 17 000 Polizisten. Eine Entwicklung, von der auch die Polizeiinspektion (PI) Coburg betroffen ist. "Der Trend setzt sich auf unserer Dienststelle fort. Neben einer Steigerung der Fallzahlen nimmt auch die Brutalität gegenüber den Beamten zu", betont Stefan Probst, der Sprecher der PI Coburg.

Seine Aufzeichnungen weisen für 2017 insgesamt 54 Fälle von Beleidigung, Nötigung, Bedrohung, Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte oder tätliche Angriffe auf Beamte aus. "Ein Jahr später waren es schon 66 Fälle", so Probst. Auffällig dabei: Vor allem Widerstand und tätliche Angriffe sind im vergangenen Jahr mehr geworden. "Gleichzeitig haben die Fälle der Beleidigung etwas abgenommen." Auch konkrete Beispiele kann der Polizeisprecher liefern. "Für viel Aufsehen sorgte die Amok-Fahrt eine Lkw-Fahrers im Januar 2018" erinnert er sich. Damals hatte ein 38-Jähriger, der unter Drogen stand, eine Spur der Verwüstung in Nordbayern hinterlassen. In der kleinen Rosenau im Weichengereuth konnten sich Beamten nur durch einen Sprung in die Hecke retten. "Solche Fälle sind allerdings die absolute Ausnahme", schränkt Stefan Probst ein. Im Alltag seien Beamte vor allem Beleidigungen und Pöbeleien ausgesetzt. "Die Dunkelziffer in diesem Bereich ist vermutlich groß. Denn bei Beleidigungen handelt es sich um ein Antragsdelikt", so Probst. Ein Beamter müsste Anzeige erstatten, damit die Ermittlungsbehörden tätig werden. "Und ob er das tut liegt in seinem eigenen Ermessen."

Eindeutig ist die Lage hingegen, wenn es um körperliche Gewalt geht. Im Juni 2018 gab es einen solchen Fall in Ebersdorf bei Coburg. "Dort wurden unsere Beamten zu einem Unfall nach einer Trunkenheitsfahrt gerufen", erzählt Probst. Der Unfallfahrer wehrte sich gegen die Hilfe der Rettungskräfte. Als die Beamten versuchten, den 19-Jährigen auf einer Liege festzuhalten, rastete dieser aus und verletzte einen Polizisten am Daumen. "Der 29-jährige Kollege musste direkt ins Krankenhaus gebracht werden. Er hatte eine komplizierte Fraktur erlitten und war mehrere Wochen dienstunfähig."

"Der Respekt gegenüber den Beamten nimmt immer mehr ab", bedauert Stefan Probst. Die PI Coburg verzeichnete im Jahr 2017 vier leicht Verletzte Beamte, die ambulant behandelt werden mussten und deshalb 23 Tage im Dienst fehlten. "2018 hatten wir fünf Verletzte, darunter drei leicht und zwei Schwerverletzte", so Probst. Insgesamt 70 Tage hätten diese nicht arbeiten können.

Um die Beamten in Zukunft besser zu schützen, wird im Herbst auch die PI Coburg mit Bodycams ausgestattet. Dabei handelt es sich um Kameras, die die Beamten an ihrer Dienstkleidung tragen und die Vorfälle aufzeichnen, aber auch eskalierend wirken sollen. "Aufgrund der deutlich erkennbaren Videoaufzeichnung besteht eine höhere Hemmschwelle, Polizeibeamte anzugreifen", ist sich Innenminister Herrmann sicher.

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Steffi Wolf

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Veröffentlicht am:
12. 07. 2019
20:00 Uhr

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Steffi Wolf

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12. 07. 2019
20:00 Uhr



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