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Coburg

Mit Lust aufs Land

Das Regionalmanagement will mit einer pfiffigen Imagekampagne mehr Ärzte anlocken. Gleichzeitig soll mit Vorurteilen aufgeräumt werden.



"Herzrasen mal anders" ist dieses Motiv aus der Imagekampagne betitelt, die Medizinern die Region schmackhaft machen will. Foto: Stefanie Rebhan, www.eye-works.de
"Herzrasen mal anders" ist dieses Motiv aus der Imagekampagne betitelt, die Medizinern die Region schmackhaft machen will. Foto: Stefanie Rebhan, www.eye-works.de  

Coburg - Der Landkreis Coburg schnitt in der jüngsten Erfassung der Ärzte-Dichte schlecht ab: Nur 84,3 Mediziner kommen der Statistik zufolge auf jeweils 100 000 Einwohner. Damit bildet der Kreis zahlenmäßig das Schlusslicht Oberfrankens. Für die Stadt Coburg schauen die Zahlen ganz anders aus: Da kommen 256,9 Ärzte pro Vergleichseinheit. Auch wenn im Schnitt die Versorgung noch gewährleistet ist, besteht laut Constanze Scheibl von der Gesundheitsregion plus Handlungsbedarf: Rund 30 Prozent der Ärzte in und um Coburg seien älter als 60 Jahre. "Aktuell zu besetzen sind 7,5 Vollzeitstellen", erläuterte die Mitarbeiterin aus dem Bereich Landkreisentwicklung beim Pressegespräch am Dienstag im Landratsamt, als die neue Imagekampagne zur Anwerbung von Medizinern vorgestellt wurde.

Statistische Zahlen müssen stets interpretiert werden. Dies findet nicht nur Landrat Sebastian Straubel (die NP berichtete), sondern auch Coburgs Sozialreferent Thomas Nowak: Denn zum einen ließen sich Stadt und Land in puncto ärztliche Versorgung nicht getrennt betrachten. Und zum anderen habe man im Interesse der Daseinsvorsorge bereits allerlei Maßnahmen ergriffen beziehungsweise angeschoben, um einen möglichen drohenden Ärztemangel in der Region abzufedern. Dazu gehört unter anderem das seit 2014 laufende Stipendiatenprogramm für Allgemeinmediziner. Aber auch eine Akquisekampagne, die sich speziell an ausgebildete und werdende Ärzte richtet.

An vier unterschiedliche Mediziner-Gruppen wendet sich die Ansprache, die von der Berliner Agentur Heymann Brandt Degelmini im Auftrag der Coburg Stadt und Land aktiv GmbH im Rahmen ihres Förderprojekts Regionalmanagement und in enger Zusammenarbeit mit der Gesundheitsregion plus Coburg entwickelt wurde: Studierende, Mediziner in Facharzt-Ausbildung, Krankenhaus-Ärzte und niedergelassene Ärzte sollen entsprechend ihrer unterschiedlichen Wünsche und Bedürfnisse zielgruppengerecht angesprochen werden - die einen eher verspielt mit witzigen Sprüchen in Grafiken, die anderen mit starken inhaltlichen Aussagen, illustriert mit regionalen Motiven. Alle Informationen finden sich im Internet auf der Website "als-arzt-nach-coburg.de", die soeben online gestellt wurde. Um auf diese aufmerksam zu machen, werden in Kürze 63 000 Postkarten in ganz Deutschland an Universitäten und in Lokalen verteilt, die eines der elf Motive tragen. Werbemittel wie Pfefferminzpastillen als Medikament für Wohlwollen namens "Coburgin" in einer Tablettenschachtel sind kurz vor der Fertigstellung. 50 000 Euro hat sich die Region die Kampagne und den Internetauftritt kosten lassen, weitere 20 000 Euro sind für die Werbemittel vorgesehen. Weitere Ideen wie eine Infosäule in Gestalt einer Getränkedose für den Unicampus, Inhalte für elektronische Werbeflächen oder ein Imagefilm mussten aus finanziellen Gründen erst einmal zurückgestellt werden.

Erleben - hören - sehen: Die möglichen Kultur- und Freizeiterlebnisse in der Coburger Region illustrieren verschiedene gezeichnete Motive mit unerwarteter Pointe. Diese Comics sollen die jüngeren Aspiranten ansprechen, Studierende oder junge Mediziner, die ihren Lebensmittelpunkt noch nicht festgelegt haben und offen in der Wohnortwahl sind. Damit will man Vorurteilen gegenüber der Region, sie sei provinziell oder langweilig, entgegenwirken. "Wir brauchen einen Aha-Effekt mit positiver Emotion", erläuterte Regionalmanager Stefan Hinterleitner das Anliegen dieser Bilderreihe.

Die "Schmerzpunkte" der älteren Semester, die bereits im Beruf stünden, lägen anderswo. Deshalb sei deren Ansprache auch anders gewählt. Die Illustrationen zeigen Motive aus der Region, die Sprüche zielen auf Lebensqualität und Work-Life-Balance: "Burnout mal anders" wird mit einer stimmungsvollen Lagerfeuerszene am Goldbachsee dargestellt, "Rush Hour mal anders" zeigt eine von einer Schafherde aufgehaltene Gruppe Fahrradfahrer an der alten Schäferei Ahorn oder "Überlastung mal anders" ein junger Mann, der sein Mädchen huckepack entlang der Seßlacher Stadtmauer trägt.

All diese Botschaften sollen die Vorzüge und die Lebensqualität der Region transportieren. Auch dass es menschlich und persönlich zugeht, anstatt anonym wie in der Großstadt, ist eine davon. Constanze Scheibl, Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregion plus im Coburger Landratsamt, ist das Gesicht und die Stimme hinter den Kontaktdaten auf der Website. "Wir leben eine Willkommenskultur und begleiten Interessenten auf ihrem Weg nach Coburg", sagt die Mitarbeiterin der Landkreisentwicklung.

"Du sollst nicht langweilen!", lautete der Anspruch der Agentur, die Alleinstellungsmerkmale der Region und ihrer Vorzüge zu verdeutlichen. "Wir gehen einen anderen Weg, um zu zeigen, dass es hier anders ist als anderswo", bestätigt Thomas Nowak. Erstes Ziel sei, Aufmerksamkeit zu erregen. "Dann geht die eigentliche Arbeit los."

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www.als-arzt-nach-coburg.de

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Katrin Lyda
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Veröffentlicht am:
08. 05. 2019
18:28 Uhr

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Katrin Lyda

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08. 05. 2019
18:28 Uhr



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