Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Coburg

Mit Regiomed zum Traumberuf

Der Klinikverbund bildet Ärzte für Oberfranken und Südthüringen aus. Am 15. Juli endet die Bewerbungsfrist für das Medizinstudium. Chancen haben auch Bewerber, die an deutschen Unis keinen Platz finden.



Der bayerisch-thüringische Klinikverbund Regiomed bildet Ärzte aus. Interessenten können sich bis zum 15. Juli für einen Studienplatz bewerben. Die Ausbildung erfolgt an der Universität Split und in Kliniken in Coburg, Lichtenfels, Sonneberg und Hildburghausen. Foto: Bernd Weissbrod
Der bayerisch-thüringische Klinikverbund Regiomed bildet Ärzte aus. Interessenten können sich bis zum 15. Juli für einen Studienplatz bewerben. Die Ausbildung erfolgt an der Universität Split und in Kliniken in Coburg, Lichtenfels, Sonneberg und Hildburghausen. Foto: Bernd Weissbrod   » zu den Bildern

Coburg - Dr. Dorothea Thieme leitet die Medical School des bayerisch-thüringischen Klinikverbunds Regiomed, Professor Dr. Johannes Brachmann ist der Geschäftsführer, Dr. Georg Breuer der Akademische Leiter. Mariella Zuber studiert an der Medical School. Im Interview erläutern sie den Ablauf des Medizinstudiums.

Der schwierige Weg in Deutschland

Zum Medizinstudium an einer deutschen Universität besteht eine bundesweite Zulassungsbeschränkung (Numerus clausus), da sich jedes Semester deutlich mehr Bewerber für das Medizinstudium bewerben, als die Hochschulen aufnehmen können.

Zum Wintersemester 2019/20 bewarben sich fast 42 000 Abiturienten um einen der 9458 Studienplätze an einer staatlichen Hochschule, was 4,4 Bewerbern pro Platz entsprach. Für einen Studienplatz waren zu diesem Zeitpunkt eine Abiturnote von 1,0 oder 1,1 oder fünfzehn Semester (ein Semester ist ein Studienhalbjahr) Wartezeit notwendig.

Ein Fünftel der verfügbaren Plätze wird von der Stiftung für Hochschulzulassung nach der Abitur-Durchschnittsnote an die "Abiturbesten" vergeben. 20 Prozent vergibt sie an diejenigen Bewerber, die am längsten warten. Die übrigen Plätze vergeben die Hochschulen selbst.

Angesichts der weit über der Zahl der Studienplätze in Deutschland liegenden Nachfrage hat Regiomed damit begonnen, eigene (deutsche) Mediziner im Ausland und in der Region ausbilden zu lassen.

 

 

 

Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff "Medical School Regiomed"?

Dorothea Thieme: Die Medical School Regiomed - oder kurz MSR - ist eine Kooperation zwischen der Regiomed-Kliniken GmbH und der medizinischen Fakultät der Universität Split in Kroatien. Sie wurde 2016 gegründet mit dem Ziel, junge Mediziner für unsere Region auszubilden. Das Studium läuft unter der Gesamtverantwortung der Universität Split, das heißt, unsere Studierenden sind während der ganzen Studiendauer dort immatrikuliert, und auch der Abschluss wird von der Universität Split verliehen. Für das Studium fallen Beiträge in Höhe von 12 000 Euro jährlich an, die an die Universität Split entrichtet werden.

 

Welche Vorteile bringt die Kooperation?

Johannes Brachmann: Unsere Studierenden erhalten eine hervorragende Ausbildung und können während ihrer Studienzeit gleich zwei unterschiedliche europäische Gesundheitssysteme kennenlernen. Besonders hervorheben möchte ich die kleinen Studiengruppen, die eine persönliche Betreuung durch die Dozenten und auch einen intensiven Austausch untereinander ermöglichen. Sowohl in Split als auch hier bei uns stehen moderne und gut ausgestattete Räumlichkeiten und technische Möglichkeiten zur Verfügung. Ein Vorteil für unsere Studierenden ist, dass sie ihre Facharztausbildung an einer der Regiomed-Kliniken zugesichert bekommen. Last but not least ist ein Auslandsstudium sicher für jeden jungen Menschen eine tolle Erfahrung fürs Leben - noch dazu in einer so herrlichen Stadt wie Split.

 

Wie läuft das Studium genau ab?

Georg Breuer: Die ersten drei Jahre sind unsere Studierenden in Split, wo sie gemeinsam mit etwa 35 weiteren internationalen Studenten in den medizinischen Grundlagen unterrichtet werden. Der Unterricht erfolgt - anders als in anderen Universitäten - in Blöcken: Die Studierenden beschäftigen sich jeweils mehrere Wochen mit nur einem Fach und schließen dieses danach direkt mit einer Prüfung ab. Zum vierten Studienjahr wechseln die MSR-Studenten dann zurück nach Oberfranken und Südthüringen und vertiefen hier ihre theoretischen und praktischen Kenntnisse. An unseren MSR-Standorten in Coburg und Lichtenfels finden die Vorlesungen und Seminare wie in Split in englischer Sprache statt, die praktischen Übungen am Patientenbett erfolgen in deutscher Sprache. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten unsere "Rückkehrer" ihren praktischen Einsatz in der Inneren Medizin leider unterbrechen. Stattdessen wurden sie auf unseren intensivmedizinischen Bereichen für einen möglichen Ernstfall vorbereitet oder unterstützen das Lichtenfelser Landratsamt. Für den Unterricht nutzen wir derzeit digitale Lernformen, sodass die Ausbildung dennoch lückenlos fortgeführt wird.

 

Was für einen Abschluss haben die Studenten am Ende in der Tasche? Und wird dieser in Deutschland überhaupt anerkannt?

Johannes Brachmann: Sofern unsere Studierenden alle Studienleistungen erfolgreich absolviert und auch alle Prüfungen bestanden haben, bekommen sie durch die Universität Split den kroatischen Abschluss "Doktor/Doktorica Medicine" beziehungsweise "Medical Doctor, MD" verliehen. Dieser Abschluss ist EU-weit anerkannt. In Deutschland muss dann lediglich die Approbation, also die Erlaubnis zur Ausübung des ärztlichen Berufes, beantragt werden. Für Oberfranken ist hierfür zum Beispiel die Regierung von Oberbayern zuständig, für Südthüringen das Thüringer Landesverwaltungsamt. Dies ist aber lediglich eine Formalie, da der Abschluss aus Kroatien vollumfänglich europaweit anerkannt wird.

 

Soweit die Theorie - aber wie stellt sich das Studium aus Sicht einer Studentin dar? Wie sind Sie dazu gekommen und vor allem: Haben Sie sich das Ganze so vorgestellt?

Mariella Zuber: Mein Vater leitet eine eigene Landarztpraxis im Itzgrund, somit bin ich quasi schon von Kindesbeinen an in den Arztberuf hineingewachsen. Durch den Numerus clausus ist es aber sehr schwer, ohne jahrelange Wartezeit einen Studienplatz in Deutschland zu bekommen. Darum habe ich nach einem anderen Weg gesucht und dabei von dem tollen Projekt "Medical School Regiomed" erfahren.

Dadurch, dass die Jahrgänge klein gehalten sind, gibt es unter den Studenten ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das man so an großen Universitäten mit Hunderten von Studenten vergeblich sucht. Nun sind meine ersten drei Studienjahre fast vorbei und ich werde Split mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen. Es war eine wundervolle Zeit, die ich nie vergessen werde. Dennoch freue ich mich schon sehr auf die klinische Weiterbildung an den Regiomed-Kliniken und darauf, endlich mein theoretisches Wissen in der Praxis anwenden zu können.

 

Und wie lebt es sich in Split an der Adria?

Dorothea Thieme: Die Lebensqualität in Split ist sehr hoch. Dazu tragen vor allem das mediterrane Klima, die Nähe zum Meer und viele Strände, aber auch das quirlige Stadt- und Nachtleben bei. In der Regel suchen sich unsere Studierenden dort eigene Wohnungen oder finden sich zu einer Wohngemeinschaft zusammen. Bis jetzt waren alle unsere Studierenden sehr begeistert von der Stadt und den gastfreundlichen Menschen dort.

 

Am 15. Juli endet die Bewerbungsfrist für den neuen Studienjahrgang. Wie läuft nach einer Bewerbung das Auswahlprocedere ab?

Dorothea Thieme: Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, dass das Auswahlverfahren für das Studienprogramm komplett bei Regiomed liegt. Daher bevorzugen wir natürlich Bewerber aus unserer Region, die heimatnah studieren möchten. Hinzu kommen Kandidaten aus anderen Regionen, die perspektivisch als Ärztin beziehungsweise Arzt im ländlichen Raum arbeiten möchten. Nach Einreichen der schriftlichen Unterlagen wie Zeugnisse, Lebenslauf und Motivationsschreiben durchlaufen die besten 60 Bewerber unsere Auswahltage bei Regiomed. Hier werden sie sowohl in Gruppenübungen als auch in Einzelinterviews durch ein Auswahlgremium bewertet. Den besten 30 Bewerbern aus diesen Auswahltagen bieten wir einen Studienplatz an der MSR an. Übrigens sind mit "die Besten" nicht unbedingt diejenigen Bewerber mit den besten Schulnoten gemeint. Wir betrachten insbesondere auch medizinische Vorerfahrungen wie zum Beispiel eine abgeschlossene Ausbildung im medizinischen Bereich, ehrenamtliches oder soziales Engagement sowie die persönliche Eignung und Motivation der Kandidaten. Uns ist es wichtig, teamfähige, engagierte und sozial kompetente zukünftige Ärztinnen und Ärzte für die Region zu gewinnen.

Für ein Studium an der Medical School fallen jährliche Studiengebühren an. Unter Vorbehalt vergeben wir jährlich an einige ausgewählte Studentinnen und Studenten Stipendien. Diese beinhalten eine Übernahme der Studiengebühren, die 12 000 Euro pro Jahr betragen, und sind mit einer Verpflichtung verbunden, nach Abschluss des Studiums mindestens bis zur Facharztprüfung, in der Regel sechs Jahre, in einer Einrichtung des Regiomed-Klinikverbunds als Ärztin oder Arzt zu arbeiten. wb

Autor

Redaktion
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
14. 06. 2020
17:24 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abiturientinnen und Abiturienten Allgemeine (nicht fachgebundene) Universitäten Deutsche Mediziner Fakultäten Georg Breuer Hochschulen und Universitäten Johannes Brachmann Medizinstudium Regierung von Oberbayern Stiftung für Hochschulzulassung Studentinnen und Studenten Studienplätze Vorlesungen Ärzte
Coburg
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin hält vor einem Tablet-Computer mit Kamera eine digitale Vorlesung im Fach "Physikalische Chemie". Wegen der anhaltenden Corona-Beschränkungen werden an den Universitäten und Hochschulen der Region Präsenzvorlesungen auch weiter nur im beschränken Umfang möglich sein. Foto: Julian Stratenschulte / dpa

02.08.2020

Studienstart in weiteres Corona-Semester

Nach dem Schulabschluss wollen viele Abiturienten anfangen zu studieren. Der Start ins Studentenleben wird heuer jedoch wohl anders ausfallen als es bisher üblich war. » mehr

Wenn Daniel Pflaum im Tutorium den "Visualizer" und ein Mikrofon anschaltet, sehen die Studierenden, was er schreibt, und hören seine Erklärung.

vor 2 Stunden

Experimente gibt’s jetzt auch "to go"

Die Hochschule Coburg entwickelt Routinen für ein Wintersemester in Corona-Zeiten. Dabei lässt man sich einiges einfallen. » mehr

Die Studierenden des ersten Jahrgangs der Regiomed Medical School beginnen jetzt ihre praktische Ausbildung an den Kliniken des kommunalen Krankenhauskonzerns, der Einrichtungen in Coburg, Lichtenfels, Hildburghausen und Sonneberg betreibt. Chefärzte, Regiomed-Geschäftsführung und Kommunalpolitiker begrüßten die Studentinnen und Studenten am Montag in Coburg herzlich. Damit war die Hoffnung verbunden, dass die angehenden Ärztinnen und Ärzte nach ihrer Ausbildung in der Region bleiben.	Foto: Braunschmidt

30.09.2019

Auf dem Weg zum Traumberuf

Die Studentinnen und Studenten des ersten Jahrgangs der Regiomed Medical School beginnen jetzt ihre praktische Ausbildung. Politiker hoffen, dass die künftigen Ärzte in der Region bleiben. » mehr

Maria Knott-Lutze

10.08.2020

Matthias Kaiser wird neuer Hochschul-Kanzler

Der Geschäftsführer des Campus Kulmbach tritt die Stelle in Coburg zum 1. Oktober an. Er folgt auf Maria-Knott-Lutze, die in den Ruhestand wechselt. » mehr

Sie forschen gemeinsam an der neuen PV-Anlage auf dem Dach der Hochschule Coburg. Foto: Simon Geistlinger, Hochschule Coburg

24.05.2020

Sonniges Forschungsfeld

Die Hochschule Coburg hat eine neue Photovoltaik-Anlage. An ihr soll erforscht werden, wie Solarzellen altern. » mehr

Marisa Oster per Videokonferenz im Gespräch mit Professor Gerhardt und den Kommilitonen. Foto: privat

20.04.2020

Coburger Homeoffice statt russischer Hörsaal

Trotz Corona arbeiten Studierende der Hochschule an einem internationalen Projekt weiter. Via Skype, E-Mail und WhatsApp. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Großbrand in Tettau auf Bauernhof

Großbrand auf Tettauer Bauernhof | 09.08.2020 Tettau
» 50 Bilder ansehen

Muggendorfer Gebirgslauf

Muggendorfer Gebirgslauf | 05.08.2020
» 24 Bilder ansehen

Der Coburger Bahnhof der Zukunft Coburg

Der Coburger Bahnhof der Zukunft | 03.08.2020 Coburg
» 21 Bilder ansehen

Autor

Redaktion

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
14. 06. 2020
17:24 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.