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Coburg

Mit Smartphones gegen den Borkenkäfer

Infolge Trockenheit setzt der Schädling auch im Coburger Land den Fichten ganz massiv zu. GPS-Daten helfen, ihn schneller zu eliminieren.



Mit einer speziellem App wollen die Bayerischen Staatsforsten auch im Coburger Land den Borkenkäfer schneller bekämpfen.
Mit einer speziellem App wollen die Bayerischen Staatsforsten auch im Coburger Land den Borkenkäfer schneller bekämpfen.   » zu den Bildern

Neu-Neerhshof - Normalerweise müssten die Beschäftigten der Bayerischen Staatsforsten im Forstbetrieb Coburg jetzt im Frühjahr den Wald pflegen. Etwa seltene Baumarten päppeln oder Birken kappen, wo sie überhand nehmen. Und sie müssten auch neue Bäume anpflanzen, Buchen, Eichen, Douglasien, etc. Aber nichts passiert. Stattdessen heißt es für alle: Fichten-Kontrolle, Fichten-Kontrolle, Fichten-Kontrolle. Der Borkenkäfer setzt den Bäumen auch im Coburger Land und im Frankenwald infolge Trockenheit massiv zu. Albert Schrenker, Betriebsleiter im Forstbetrieb Coburg, nennt die Lage besorgniserregend, die Bekämpfung habe oberste Priorität. "Die Natur hält viel aus", meint er, "aber diese permanente Trockenheit?"

Alle Gräben ausgetrocknet, der Waldboden staubig, auf Schritt und Tritt knacken morsche Ästchen: Schrenker muss nicht viel sagen, als er am Donnerstag, dem Tag des Baumes, zur Waldbegehung in den Hassenberger Forst bittet. Er lenkt den Schritt zu einer Lichtung, wo noch vor kurzem Fichten standen. Sie mussten alle entfernt werden - Borkenkäferbefall.

Borkenkäfer ist nicht gleich Borkenkäfer, wie Miriam Janthur, die neue Revierleiterin in Hassenberg, erklärt. Den Schädling gibt es in zwei Varianten. Der Kupferstecher nistet sich in der Krone ein und breitet ´sich von oben herab aus. Und ist deshalb schwierig zu entdecken. "Man erkennt den Befall daran, dass die Krone immer roter wird, dann ist die Schädigung aber schon sehr stark vorgeschritten", erläutert die Revierleiterin. Leichter zu entdecken ist der Buchdrucker. Er schädigt die Bäume im unteren Bereich, braunes Bohrmehl signalisiert den Befall. Egal, ob Kupferstecher oder Buchdrucker: Die befallenen Bäume müssen aus dem Wald und schnellst möglich entrindet werden, damit sich die Schädlinge nicht weiter vermehren können. Immerhin gibt es jetzt digitale Hilfe.

Albert Schrenker und Miriam Jan--thur zücken ihre Smartphones und drücken auf ein Symbol mit einem Käfer. Schon erscheinen Karten des Forstbetriebs Coburg. In den Karten: rote, grüne, und gelbe Punkte. Rot signalisiert Borkenkäferbefall, Grün keine Gefahr. Gesetzt haben die roten Punkte Mitarbeiter der Staatsforsten bei der Fichten-Kontrolle. Sobald sie einen befallenen Baum entdeckt haben, hinterlegen sie die exakten Koordinaten, Befallsgrad und das Entwicklungsstadium des Schädlings. Das funktioniert mit einer speziellen App, die die Bayerischen Staatsforsten entwickelt haben. Bezeichnung: ZE-Insekt, Das bringt die Forstbetriebsleitungen rasch auf den aktuellen Stand, hilft bei der Entscheidung, wo die Aufarbeitung am dringensten ist und beim Ressourcen-Management. Waldarbeiter wissen dank dieser App genau, wo sie sägen müssen, bei viel Befall kann es auch sein, dass ein Harvester anrücken muss. Die Revierleitung weiß zudem jederzeit, wie viel Bäume noch beseitigt werden müssen.

Dass die Zunahme klimatischer Extremereignisse und der Anstieg der Jahresdurchschnittstemperatur die Forstwirtschaft vor große Herausforderungen stellt, weiß Schrenker schon länger. Er zeigt ein Langzeitmodell, das sie Entwicklung der Fichte im Coburger Land simuliert. Für das Jahr 2050 wird der Zustand dieser Baumart als kritisch eingestuft, für das Jahr 2100 ist der Fichtenbestand rot eingefärbt - bedeutet, dass es ihn praktisch nicht mehr gibt. Diese Langzeitprognose stammt aus dem Jahr 2012. Schrenker geht mittlerweile davon aus, dass die Fichte im Coburger Land den roten Zustand bereits 2050 erreichen könnte. Auch für die Kiefer ist die Langzeitprognose nicht rosig.

Deutlich besser sieht sie dagegen für Buche und Eiche aus. Schrenker plädiert dafür, neben diesen beiden Baumarten die Vielfalt voranzutreiben. Etwa durch Pflanzung von Douglasien, Tannen, Elsbeeren, Speierling oder Nussbäumen. Sobald der Kampf gegen den Borkenkäfer und damit der Waldschutz beendet ist, wird auch im Coburger Forstbetrieb wieder neu gepflanzt. Schrenker: "Alles nur zurückgestellt."

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Martin Fleischmann

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Veröffentlicht am:
25. 04. 2019
18:14 Uhr

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Martin Fleischmann

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25. 04. 2019
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