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Coburg

Mit der Schiefertafel auf der Schulbank

30 Männer und Frauen haben ein besonderes Jubiläum gefeiert: Sie wurden vor 60 Jahren in der Pestalozzischule eingeschult. Dazu reisten prominente Gäste an.



Erwartungsvoll und auch ein bisschen aufgeregt saßen die Abc-Schützen vor 60 Jahren im Klassenzimmer der Coburger Pestalozzischule. 30 von ihnen haben sich jetzt wieder getroffen. Foto: Privat
Erwartungsvoll und auch ein bisschen aufgeregt saßen die Abc-Schützen vor 60 Jahren im Klassenzimmer der Coburger Pestalozzischule. 30 von ihnen haben sich jetzt wieder getroffen. Foto: Privat   » zu den Bildern

Coburg - Das, was viele Kinder heute erleben, hat eine Gruppe, die sich am Samstag getroffen hat, schon lange hinter sich: Vor 60 Jahren wurden die rund 30 Männer und Frauen an der Pestalozzischule eingeschult, nach Geschlechtern getrennt. Damals saßen sie ganz aufgeregt vor ihrem Klassenlehrer Fritz Günter. "Für uns war er eine absolute Respektsperson", sagte Roland Heeb. Er hat das Klassentreffen organisiert - schon zum zweiten Mal. Vor zehn Jahren feierte die Klasse ihr 50. Einschulungsjubiläum. "Eigentlich wollte ich das nur einmal machen, aber der Wunsch nach einer Wiederholung war zu groß", verriet Heeb.

Am Samstag trafen sie sich nicht in der alten Schule, sondern im Rathaus zum Stadtempfang mit Oberbürgermeister Norbert Tessmer. Einer konnte allerdings nicht mehr dabei sein: Klassenlehrer Günter. Er ist vor Kurzem im Alter von 93 Jahren gestorben. "Das ist sehr traurig. Aber vor zehn Jahren war er noch dabei. Es war schön, ihn noch einmal gesehen zu haben", sagte Heeb.

Tessmer, der ebenfalls vor 60 Jahren eingeschult worden war, sprach über den Wandel, den Coburg in den vergangenen Jahren mitgemacht hat. Früher sei der Weg zur Autobahn weit gewesen, heute liege die A 73 fast direkt vor der Tür. Sogar der Schnellzug ICE hält am Coburger Bahnhof. Trotz aller Veränderungen habe ein Thema den Coburger Stadtrat schon immer beschäftigt: das Kongresshaus. Vor 60 Jahren stimmten die Räte gegen den Bau - und die Justizbehörden verlangten, dass das Gebäude einige Meter in Richtung Rosengarten verlegt wird. Sie befürchteten Lärmbelästigung. Allzu lange wollte Tessmer die Jubilare aber nicht aufhalten, denn sie hatten sich viel zu erzählen.

Die weiteste Anreise zum Klassentreffen hatte Niki Rolin hinter sich; er lebt sei 1982 in Thessaloniki in Griechenland und arbeitete als Deutschlehrer. Trotzdem kommt er immer wieder gerne zurück in die Vestestadt und liest auch noch regelmäßig die Neue Presse. "Ich habe wegen des Coburger Convents eine enge Bindung an die Stadt", verriet er. Obwohl er gut über das Leben in der Stadt Bescheid wisse, staune er bei jedem Besuch über die Veränderungen: "Das fällt mir vor allem auf dem Marktplatz auf. Hier durften früher noch Autos fahren." Der erste Gang in Coburg führe ihn stets zur Bratwurstbude.

Ein Schüler dieser ersten Klasse war auch Professor Gert Trommer. Er studierte nach seinem Abitur am Gymnasium Ernestinum in München und arbeitete später als Leiter der Abteilung für Flugführungssysteme bei der EADS (European Aeronautic Defence and Space Company). 1999 wurde der Ingenieur zum Professor an die Universität Karlsruhe berufen. Trommer kann auf eine bewegte und erfolgreiche berufliche Laufbahn zurückblicken: Er erfand zum Beispiel den ersten Autopiloten für eine Drohne. Wegen solcher Leistungen berief ihn Prince Philip zum Fellow des "Royal Institute of Navigation". Inzwischen ist Trommer im Ruhestand, was für ihn nicht bedeutet, dass er ruht: Er betreut zum Beispiel noch fünf Doktoranden und setzt sich für den internationalen Austausch der Studierenden ein. "Das ist einfach meine Leidenschaft. Sie sollen nicht nur die Fakten kennen, sondern auch soziales Wissen erwerben", sagte er. Nach dem kurzen Empfang führte Stadtrat Jürgen Heeb die Gruppe durch Coburg. Er wurde vier Jahre nach seinem Bruder Roland an der Pestalozzischule eingeschult. Vor allem den Albertsplatz wollten sich die Jubilare am Samstag anschauen, aus einem guten Grund: "Alt und neu ist unser Thema für dieses Wochenende."

Für die 30 Jubilare ging die Feier damit noch lange nicht zu Ende. Den Abend verbrachten sie gemütlich auf der Rögener Hütte. Ihre alte Schule besuchten sie aber nicht mehr. "Das haben wir vor zehn Jahren bereits getan, das brauchen wir diesmal nicht", erklärte Roland Heeb.

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Katja Diedler

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Veröffentlicht am:
09. 09. 2019
17:04 Uhr

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Katja Diedler

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Veröffentlicht am:
09. 09. 2019
17:04 Uhr



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