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Coburg

Mitgliederwerbung in voller Montur

Eine ungewöhnliche Aktion hat sich die Ebersdorfer Feuerwehr einfallen lassen. Ihre Atemschutzgeräteträger helfen im Supermarkt. Und zwar in Ausrüstung.



Wie auf einer Mars-Mission: Am Freitagabend übernahmen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Ebersdorf für kurze Zeit die Aldi-Filiale in ihrer Gemeinde. Dabei traten die Wehrleute mit voller Ausrüstung nebst Atemschutz an. Mit der ungewöhnlichen Aktion wollte die Feuerwehr auf sich aufmerksam machen und darüber hinaus um Nachwuchskräfte werben.	Foto: Kemnitzer
Wie auf einer Mars-Mission: Am Freitagabend übernahmen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Ebersdorf für kurze Zeit die Aldi-Filiale in ihrer Gemeinde. Dabei traten die Wehrleute mit voller Ausrüstung nebst Atemschutz an. Mit der ungewöhnlichen Aktion wollte die Feuerwehr auf sich aufmerksam machen und darüber hinaus um Nachwuchskräfte werben. Foto: Kemnitzer  

Ebersdorf bei Coburg - Am Freitagabend staunten die Kunden der Aldi-Filiale in Ebersdorf nicht schlecht, als die Atemschutzgeräteträger der Feuerwehr Ebersdorf anrückten und nicht, wie bei einer Übung oder einem Einsatz, schnell in den Markt liefen, sondern sich in voller Ausrüstung einen Einkaufswagen schnappten. Mit diesem liefen sie durch die Regalreihen, kauften ein, gaben Leergut zurück oder kassierten Kunden ab und halfen ihnen am Kassenband beim Einräumen der Waren.

Die Aktion kam bei Kunden und dem Team des Marktes bestens an. Auch Kreisbrandinspektor Stefan Zapf und Kreisbrandmeister Jochen Mann lobten die etwas andere Art, für die Feuerwehr und den Atemschutz zu werben. "Sicherlich wird durch diese Aktion nicht sofort ein Mitglieder-Boom ausgelöst, aber steter Tropfen höhlt den Stein", hoffte der Kreisbrandinspektor.

Über eine ähnliche Aktion, die viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit brachte, wurde in einer Fachzeitschrift berichtet. So kam Christian Gollan, der selbst bei der Ebersdorfer Wehr Atemschutzgeräteträger ist, auf die Idee. "In Franken oder Thüringen kenne ich nichts Vergleichbares", führte er aus. Weil jeder schon einmal irgendwo einen "normalen" Feuerwehrmann gesehen habe, hätte die Aktion in Ebersdorf wohl nicht dieselbe Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie durch den Auftritt der Atemschutzgeräteträger. Obwohl schon die Kleinsten Atemschützer aus Büchern oder Filmen kennen, besteht selten die Möglichkeit, ihnen nahe zu kommen. Beim normalen Einkaufen trafen Kunden nun unverhofft auf die Aktiven, was für sie eine Besonderheit war. Während normalerweise in der Filiale eine gewisse Geräuschkulisse herrscht, war es still, als sich die Atemschützer auf ihre Shoppingtour begaben.

Für die Dienstleistenden diente die Aktion auch als Übung, denn sie trainierten ihre Motorik mit der schweren Ausrüstung. "Im Einsatzfall hat so ein Geräteträger am Körper Schutzkleidung und Ausrüstung von bis zu 40 Kilogramm mit sich zu führen und muss dennoch schnellstens Personen retten", erklärte Christian Gollan. Durch das Tragen der Atemschutzmasken ist beispielsweise die Sicht eingeschränkt. Eine hervorragende Übung war es, in klobiger Ausrüstung zerbrechliche Verpackungen aus dem Regal zu nehmen und darauf zu achten, dass sie unversehrt im Einkaufswagen landen, den Pfandautomaten mit Leergut zu bestücken und beim Kassieren trotz dicker Handschuhe die Tasten zu betätigen oder Geld herauszugeben.

Marina Friedl, die sonst in dem Supermarkt an der Kasse sitzt, stellte den beiden Atemschutzgeräteträgern der Ebersdorfer Feuerwehr ein hervorragendes Zeugnis aus: "Beide haben sich sehr gut angestellt. Die Kunden haben sich gefreut. Trotz der Handschuhe gab es nur kleine Schwierigkeiten und keine Stornos."

Die Geräteträger gingen nicht mit Einkaufszettel auf Tour, sondern bekamen per Funk mitgeteilt, was in ihrem Wagen wandern sollte. Somit wurde auch der Funkbetrieb geübt. Unter der Atemschutzmaske ist die Verständigung beim Sprechen um einiges schwieriger als normal. Während der Tour wurde aber auch die Atemschutzüberwachung geprobt, wie sie im Einsatz erfolgt. Beispielsweise wurde angezeigt, wo sich der Atemschutzgeräteträger im Gebäude befindet und wie lange er noch im Gebäudeinnern bleiben kann. Je nach Flaschengröße und persönlichen Bedarf reicht der Luftvorrat zwischen 30 und 60 Minuten. Die Einsatzleitung verteilte die Aufgaben an den Atemschutztrupp und war für die Überwachung und Steuerung der Übung verantwortlich. Die Atemschutzgeräteträger erhielten zusätzliche Aufgaben und mussten etwa den heißesten beziehungsweise kältesten Punkt im Markt mit der Wärmebildkamera suchen und die Temperaturen an die Einsatzleitung melden oder das Verfallsdatum von bestimmten Lebensmitteln per Funk übermitteln.

Besonders gut kamen die außergewöhnlichen "Aushilfen" an der Kasse an. Hilfe beim Einräumen der Waren vom Kassenband in den Einkaufswagen nahmen alle Kunden in Anspruch. "Das ist eine sehr coole Sache", fand Kundin Susanne Kaiser, die anfänglich von einem Einsatz oder einer Übung im Markt ausgegangen war. Den Dienstleistenden zollte sie Anerkennung, da ihr nicht verborgen blieb, wie anstrengend diese Aktion für sie war. Weil der Ebersdorfer Filialleiter Alexander Grimm selbst passives Mitglied der Feuerwehr Oberfüllbach ist, stand er dieser besonderen Übung offen gegenüber. "Diese Aktion ist eigentlich auch eine realistische Übung", meinte er. In der Filiale gibt es eine CO2-Anlage, die durchaus auch einen Einsatz erfordern könnte. Das Ziel, den Feuerwehrdienst positiv in der Öffentlichkeit darzustellen, dürfte den Aktiven mit ihrer Einkaufstour gelungen sein.

Freuen würden sich die rund 65 Dienstleistenden der Feuerwehr, unter denen rund 25 Atemschutzgeräteträger sind, wenn sie sich personell weiter verstärken könnten, sich bei der nächsten Übung noch mehr Interessierte einfinden oder jemand beim nächsten Einsatz für sie mit einem Tee oder Kaffee um die Ecke kommt.

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Alexandra Kemnitzer
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Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
18:30 Uhr

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Alexandra Kemnitzer

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Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
18:30 Uhr



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