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Coburg

Mundart-Kost vom Feinsten

Der Oberfränkische Mundart-Theater-Tag ist etwas für Genießer. Dem Publikum wurde er charmant und mit einem urfränkischen "passd scho" präsentiert.



Das Troschenreuther Mundart-Theater gab alles und nahm das Publikum mit der Parodie "Zum Weißen Rössl" mit an den Wolfgangsee . Foto: Peter Tischer
Das Troschenreuther Mundart-Theater gab alles und nahm das Publikum mit der Parodie "Zum Weißen Rössl" mit an den Wolfgangsee . Foto: Peter Tischer  

Neustadt - "Man spricht deutsch", wusste einst Gerhard Polt in seinem kultigen Spielfilm, nicht wissend, dass man doch eigentlich "Fränggisch" zu sprechen hat. Genau das tat eine illustre Schar von Mundartkünstlern in der kultur.werk.stadt: Der oberfränkische Mundart-Theater-Tag war angesagt. Vielfältig und bunt präsentierten sich die Protagonisten, genauso bunt wie Franken selbst. So ließ das alljährliche Treffen der oberfränkischen Laien-Theatergruppen und Mundart-Autoren (fast) keine Wünsche offen. Allerdings wäre der eine oder andere Platz schon noch zu besetzen gewesen, zumal der Eintritt frei war. Doch das störte die Experten der fränkischen Sprache nicht, liefen sie allesamt doch zu Hochform auf und gaben ihre Mundart-Kost zum Besten.

Die Organisatoren

Organisiert wurde der oberfränkische Mundart-Theater-Tag von der KulturService-Stelle des Bezirks Oberfranken in Zusammenarbeit mit der Regionalvertretung Oberfranken der Arbeitsgemeinschaft Mundart-Theater Franken. Walter Tausendpfund, Egon Hermann sowie Jutta und Hans Vogel von der Regionalvertretung Oberfranken der Arbeitsgemeinschaft waren es, die mit Unterstützung der Kultur- und Heimatpflege des Bezirks Oberfranken am 21. Juni 1998 den ersten oberfränkischen Mundart-Theater-Tag im oberfränkischen Bauernhofmuseum Kleinlosnitz aus der Taufe hoben. Seither findet er im jährlichen Wechsel jeweils in Kleinlosnitz und an einem anderen Ort in Oberfranken statt, nun eben in der kultur.werk.stadt in Neustadt.


Wie könnte es anders sein in der heimlichen Puppenhauptstadt Deutschlands: Beim 22. oberfränkischen Mundart-Theater-Tag stand das Spielzeug als Leitmotiv im Mittelpunkt. Mitorganisatorin Barbara Christoph, Leiterin der KulturServiceStelle des Bezirks Oberfranken, hatte geladen und die Bühne bestens besetzt. "Die Reihenfolge wurde erst kurz vor Beginn ausgelost, und jeder Autor bekommt ein Zeitlimit von zehn Minuten, die Theatergruppen maximal 30 Minuten", gab sie den Modus bekannt.

Rüdiger Baumann moderierte das Programm, selbstverständlich auf "Fränggisch". Er ist als Gründer, Stückeschreiber und Schauspieler in der Kulmbacher Theatergruppe "Der Schauhaufen" aktiv.

Der oberfränkische Mundart-Theater-Tag ist ein weiterer Höhepunkt im umfangreichen Veranstaltungsprogramm zum Tag der Franken. "Gerade die Mundart zeigt deutlich, dass Franken mehr ist als die Summe aus Ober-, Unter- und Mittelfranken. Auch in Thüringen und Baden-Württemberg gibt es Regionen, in denen Fränkisch gesprochen wird. Ich freue mich darauf, am Mundart-Theater-Tag die vielfältigen Ausprägungen zu hören", sagte Bezirkstagspräsident Henry Schramm mit Blick auf die weiteren Veranstaltungen, die zum Tag der Franken rund um das Thema Mundart geboten werden.

Doch zurück zu den Akteuren: Da sangen die "alten Haderlumpen" in der Besetzung Martin Stingl, Walter Friedrich und Karl Horner "ene spield immo denebe" und gaben als Lokalmatadoren den Ton zwischen den einzelnen Akteuren an. Reinhard Witzgall, vom "Fuße des Walberngrüner Gletschers" gekommen, blickte zurück in die Kindheit, als "mei Spielzeuch" zuerst noch das "Matchbox-Audola" war, später "is des Fahrzeugla mei Spielzeuch für die schönsten Momende im Lebm", bekannte er.

"Heiner" Hartmann spielte mit "mein alden Deddybär" Versteckeles, "des wor fei schö." Er nahm die Zuhörer mit auf eine Zeitreise, als der "Hetschagaul" (das Schaukelpferd) noch das Weihnachtsgeschenk schlechthin war. Und, meinte er: "Das Spielzeuch für an Mo is doch der Grill."

Dabei wusste Stingl, dass "es bei uns net hast, grillen, sondern bratscheln, und der Grill hast Rösdla". Auch das Rezept für die "Neustodter Broudwörschd" verriet er: "Mit sieben Prozent Wauwau." Das Troschenreuther Mundart-Theater brach die Operette "Zum Weißen Rössl" auf Urfränggisch herunter, fast schon mit einem Schlag Oberpfälzerisch, doch letztlich löste ihre Parodie Beifallsstürme aus.

Die waren freilich auch allen anderen Akteuren gewiss, die sich bei schweißtreibenden Temperaturen den Spaß an der Freud‘ nicht nehmen ließen und Fränggisch vom Feinsten präsentierten.

Viele weitere Veranstaltungen, die bis zum 7. Juli in den beiden Ausrichterstädten durchgeführt werden, sind im Internet unter www.tagderfranken.de zu finden.

Autor

Peter Tischer
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Veröffentlicht am:
24. 06. 2019
19:26 Uhr

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Autor

Peter Tischer

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Veröffentlicht am:
24. 06. 2019
19:26 Uhr



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