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Natura 2000-Kartierung startet im Sommer

Für zwei FFH-Gebiete in der Region werden Managementpläne erstellt. Dieser Prozess soll in engem Schulterschluss mit den Eignern und Nutzern erfolgen.



Natur pur: Ein Steinhummel-Weibchen lässt sich auf einer Silberdistel nicht stören. Lebensraum dieser Pflanze sind die orchideenreichen Magerrasen im Gebiet "Bruchschollenkuppen im Landkreis Coburg". Archivbild: Heiko Bellmann /dpa
Natur pur: Ein Steinhummel-Weibchen lässt sich auf einer Silberdistel nicht stören. Lebensraum dieser Pflanze sind die orchideenreichen Magerrasen im Gebiet "Bruchschollenkuppen im Landkreis Coburg". Archivbild: Heiko Bellmann /dpa   » zu den Bildern

Sonnefeld - Die FFH- und Vogelschutzgebiete "Bruchschollenkuppen im Landkreis Coburg" und "Röderbach-, Bieberbach- und Schneybachtal" (siehe Infobox ) gehören zum europaweiten Netz "Natura 2000". Dieser Biotopverbund verfolgt das Ziel, besonders schutzwürdige Lebensraumtypen sowie die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren zu erhalten. Um das zu erreichen, bedarf es sogenannter Managementpläne, die gemeinsam mit allen Beteiligten vor Ort erarbeitet werden. Sie definieren erforderliche Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen und legen konkrete Maßnahmen und deren Umsetzung fest. Über den Verfahrensablauf informierte am Montag die Regierung von Oberfranken betroffene Grundstückseigentümer, Bewirtschafter, Kommunen und Verbände in der Sonnefelder Domäne.

Um diese Gebiete geht es

Das Natura 2000-Gebiet "Bruchschollenkuppen im Landkreis Coburg" erstreckt sich entlang des markanten Höhenzugs quer durch den östlichen Landkreis zwischen der Stadt Rödental und der Gemeinde Sonnefeld. Auf einer Länge von zwölf Kilometern sind die Kuppen wie Mönchrödener Weinberg, Horeb (Rothenhof), Steifvater (Boderndorf), Fechheimer Berg, Plestener Berg, Plestener Spitzberg sowie der ehemalige Weickenbacher Steinbruch und der Gestungshausener Weinberg Bestand des 105 Hektar großen Gebiets. Der überwiegende Teil befindet sich in Privatbesitz, eine große Anzahl an Grundstücken ist auch im Eigentum der öffentlichen Hand. Charakteristisch für das Gebiet sind die orchideenreichen Magerrasen und blumenbunten Mähwiesen sowie wärmeliebende Reptilienarten (Zaun- und Waldeidechse, Blindschleiche, Ringel- und Schlingnatter).

Zwischen Sonnefeld und Schney liegt das rund neun Kilometer lange und 123 Hektar große Natura 2000-Gebiet "Röderbach-, Bieberbach- und Schneybachtal". Es umfasst fünf Teilflächen: nördlicher Teil des Bieberbachtals bei Sonnefeld, Oberlauf des Schneybachs (Röderbach) nördlich Frohnlach, Schneybachtal samt Teufelsgraben ab der Dürrmühle bei Seehof bis Schney sowie Mönchsbach westlich Hammer. Charakteristisch für das Gebiet sind die ausgeprägten Fließgewässer-Lebensräume mit bachbegleitenden Weichholz-Auwäldern. Der hohe Wert des Areals liegt in seiner Abgeschiedenheit, seinem enormen Strukturreichtum und einer Vielzahl großflächiger Feuchtgebiet-Lebensraumtypen. Seltene Arten wie Schlammpeitzger und Koppe (Fische), Steinkrebs und Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Schmetterling) sind einige der typischen Auenbewohner, die hier beheimatet sind.

 

"Es kommen keine neuen Flächen hinzu", versicherten die beiden Regierungsvertreter Dr. Herbert Rebhan und Stephan Neumann von der Höheren Naturschutzbehörde. Zudem seien nicht alle in der aktuellen Kulisse aufgenommenen Areale naturschutzfachlich wichtig. Vielmehr gehe es jetzt im Dialogverfahren darum, für die bereits zwischen 2002 und 2004 gemeldeten und seit 2007 von der EU anerkannten zwei Gebiete Bestandsaufnahmen durchzuführen und Managementpläne als Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. Dieser Prozess sei transparent, denn im Rahmen von demnächst stattfindenden Runden Tischen hätten alle Betroffenen die Möglichkeit, Sachverstand, Anliegen und Bedenken einzubringen. Intention sei es, gemeinsam mit den Eigentümern einen Weg zu finden, die Schutzgebiete zu erhalten und Planungssicherheit zu schaffen, sagte Neumann.

 

Die Umsetzung erfolgt nach seinen Worten auf "freiwilliger und kooperativer Basis". Private Grundstückseigentümer und Nutzungsberechtigte gingen keinerlei Verpflichtungen ein. Vielmehr sei die Nutzung der Gebiete weiterhin möglich und gewünscht, wenn sie zum Erhalt der biologischen Artenvielfalt und Lebensraumtypen beitrage. Grundsätzlich besteht weiterhin das sogenannte "Verschlechterungsverbot". Danach müssen bestimmte Vorhaben - wie beispielsweise Straßenbau - in einem förmlichen Verfahren auf ihre Verträglichkeit geprüft werden.

Laut Zeitplan will die Regierung im Spätsommer in den beiden "Natura 2000-Gebieten" mit der Kartierung beginnen. Im Herbst sollen die Runden Tische abgeschlossen sein. Mit der Fertigstellung der Managementpläne rechnet Dr. Herbert Rebhan zum Jahresende. "Das ist kein Hexenwerk. Bringen Sie sich ein", appellierte Stephan Neumann an die rund 60 Eigentümer und Vertreter von Kommunen und Verbänden. Für "Natura 2000" hat der Freistaat zusätzlich zu den bestehenden weitere Förderprogramme aufgelegt. Darüber informierte Hartmut Puff von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Coburg.

Gleichwohl machten insbesondere Land- und Forstwirte aus ihrer Skepsis keinen Hehl. Sie verwiesen unter anderem auf "schlechte Erfahrungen" im Zusammenhang mit der Ausweisung der FFH-Gebiete. Einige befürchteten wegen des "Verschlechterungsverbots" Wertminderungen und Einbußen. Dem widersprach Neumann: "Über Wertminderungen entscheidet der Markt." Zudem bestimmten Fragen zu Haftung, Veräußerung und Vorkaufsrecht die Diskussionsrunde. Außerdem wurde von einigen Land- und Forstwirten der Wunsch geäußert, bei der behördlichen Kartierung ihrer Grundstücke vor Ort zu sein.

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Christoph Scheppe

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Veröffentlicht am:
16. 04. 2018
20:34 Uhr

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Christoph Scheppe

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16. 04. 2018
20:34 Uhr



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