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Coburg

Neue Heimat für Libellen & Co.

Fast eine halbe Million Euro umfasst das Budget für die Landschaftspfleger im Landkreis Coburg für 2019/20. Sie fließen in Blühflächen, Biotope, Fledermausschutz und Weidezäune.



Neue Heimat für Libellen & Co.
Neue Heimat für Libellen & Co.  

Coburg - Von A wie Amphibien bis Z wie Zaunbau reichen die Vorschläge zur Landschaftspflege für die Jahre 2019 und 2020. Größter Posten ist dabei die Pflege ökologisch wertvoller Biotopflächen. Rund 230 000 Euro sollen hier für Mahd und Entbuschung auf rund 130 Hektar aufgewendet werden. Mit 76 300 Euro umfasst der Weidezaunbau die zweitgrößte Summe im geplanten Budget. Im Rahmen der Neuanlage von Landschaftsbestandteilen wurden für zwei Vorhaben, Biotopgewässer neu anzulegen, rund 45 000 Euro veranschlagt, zwei Pflanzmaßnahmen sollen rund 47 000 Euro kosten sowie Entbuschung, Gehölz- und Weidepflege rund 50 000 Euro.

Die "Göttinger Mischung"

Die "Göttinger Mischung" setzt sich aus ein- und mehrjährigen Saatgut-Arten zusammen, die attraktiv für Wild- und Honigbienen, Schmetterlinge und viele andere Insektenarten sowie Kleinlebewesen sind. In der warmen Jahreszeit finden sie dort Futter und Versteck. Im Winter bieten die verdorrten Halme der Blütenpflanzen zahlreichen Vogelarten Nahrung in Form von Samen und Körnern. Die Saatgutmischung besteht aus Lein (15 %), Buchweizen (14), Sonnenblume (15), Borretsch (5), Fenchel (5), Hafer (5), Luzerne (7), Phacelia (7), Ölrettich (7), Markstammkohl (0,5), Gelbsenf (1), Kresse (0,5), Futter-Esparsette (5), Kultur-Malve (5), Waldstaudenroggen (5), Färber-Waid (1), Gelber Steinklee (2). Sie wurde von der Georg-August-Universität Göttingen (daher der Name) für ein Rebhuhnprojekt entwickelt. Die "Göttinger Mischung" wird in der Region bevorzugt für die Blühflächen und Ackerrandstreifen ausgebracht. Landwirte können 500 Euro pro Hektar Ertragsausfall für die Anlage von Blühstreifen bekommen, die Kosten für das Saatgut von 150 Euro pro Hektar finanziert der Landschaftspflegeverband. Um die Aussaat kümmert sich der Bauernverband.

 

Im Coburger Landratsamt stellte der Vorstand des Landschaftspflegeverbands Coburger Land (LPV) unter dem Vorsitz der beiden Geschäftsführer Frank Reißenweber und Rolf Rosenbauer am Donnerstag den Maßnahmenkatalog und die Kalkulation für die Jahre 2019 und 2020 vor. Aus dem Sachstandsbericht zu den Blühflächen wurde deutlich: Das Angebot, diese anzulegen, wurde von den Landwirten besser als erwartet angenommen: 22 Betriebe haben 20 Hektar Blühfläche beantragt. Ursprünglich gingen die Verantwortlichen des Landschaftspflegeverbands von zehn bis zwölf Hektar aus. "Außer einigen kleinen Flächen in Flusstälern wurde allen Anträgen stattgegeben", sagte Frank Reißenweber dazu. Laut Martin Flohrschütz, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, ist das Saatgut in "Göttinger Mischung" bereits eingetroffen und werde ausgebracht, sobald es die Witterung zulasse. Wie Rosenbauer sagte, müssten zu den ursprünglich veranschlagten 10 000 Euro weitere 7300 Euro für die Aussaat der mehrjährigen Mischung bereitgestellt und für 2020 noch einmal 6600 Euro aufgestockt werden. Insgesamt budgetiert der Landschaftspflegeverband 25 000 Euro für das Blühflächenprojekt 2019/2020. "Naturschutz kostet Geld!", meinte LPV-Vorsitzender Rosenbauer. Was dafür getan und erreicht werde, müsse allerdings nach außen auch kommuniziert werden. "Tue Gutes und rede darüber" sei daher auch bei der Landschaftspflege ein wichtiger Gesichtspunkt. Information und Kommunikation sei wichtig, denn oft könne die Bevölkerung den Sinn einer Maßnahme nicht erkennen und beschwere sich.

 

Siegfried Weid von der Höheren Naturschutzbehörde gab den Hinweis, dass auch die Kommunen sich stärker einbringen könnten. Beispielsweise dadurch, dass Böschungen oder Gemeindeflächen nur einmal im Jahr gemulcht werden oder indem auf Pestizidausbringung verzichtet würde. Dazu erklärte Rosenbauer, der auch Bürgermeister der Gemeinde Untersiemau ist, dass viele Bürger einen ungemähten Wegesrand als unordentlich wahrnehmen und sich über die Untätigkeit der Gemeinde beschweren würden. Frank Reißenweber meinte dazu, ihn erreiche Kritik wegen Pflegemaßnahmen, die als "Verwüstung" angesehen würden. Vieles lasse sich im Gespräch erklären, manches aber nicht. Rosenbauer schlug vor, Schilder an den Blühflächen aufzustellen, die Passanten über diese Maßnahmen und die Träger informieren sollten.

Frank Reißenweber stellte dem Beirat die "investiven Maßnahmen", die der Verband für die nächste Zeit plant, vor. So sollen in der Gemeinde Itzgrund im FFH-Gebiet zwischen Schottenstein und Gleußen zwei Flachwassermulden ausgebaggert werden. Die kleinen Biotopgewässer bilden mit ihren Mulden Lebensraum für Libellen und Wiesenbrüter. Im FFH-Gebiet bei Unterelldorf hat ein Biber mit seinem Damm die Alster angestaut. Hier leben Libellen, Heuschrecken und Blaukehlchen. Die Biotope, die dort in früherer Zeit einmal angelegt wurden und trockengefallen waren, sollen jetzt wieder hergerichtet werden. Derzeit ist dort nur Schilf. Auch im Gemeindegebiet von Weitramsdorf sollen zugewachsene Biotope bei Neudorf wieder eröffnet werden, um Amphibien und Braunkehlchen wieder eine Heimat zu bieten. Bei Oettingshausen und Grub am Forst würden Obstbäume alter Sorten gepflanzt, bei Neukirchen Hecken angelegt. Flächen am Ortsrand von Creidlitz und ein 11 Hektar großes Grundstück würden eingezäunt, damit Vieh darauf weiden kann. Alle Maßnahmen wurden einstimmig beschlossen.

Andreas Sollmann erläuterte dem Beirat anschließend die Finanzbewegungen des abgelaufenen Jahres und die Mitgliederstände: So zählt der LPV derzeit 209 Mitglieder, davon sind 11 Vereine, 18 Kommunen sowie 180 Einzelpersonen. Das Gesamtpaket der Landschaftspflegemaßnahmen umfasst rund 480 000 Euro. Davon entfallen 229 177 Euro auf die Pflege ökologisch wertvoller Biotopflächen, rund 152 000 Euro auf die Neuanlage von Landschaftsbestandteilen wie Biotopgewässer, Pflanzmaßnahmen, Entbuschung, Gehölz- und Weidepflege, 76 311 Euro auf Weidezaunbau 13 416 Euro auf Fledermausschutzmaßnahmen, 16 242 Euro auf die Pflege von Amphibienzäunen, sowie 3091 Euro auf die Pflege der Nasswiesen im Naturschutzgebiet "Glender Wiesen". Hinzu kommen die genannten 25 000 Euro für das Blühflächenprojekt sowie rund 4500 Euro für gewässerverbessernde Maßnahmen an Biber- und Schneybach. Zusammen mit den Verwaltungskosten ergibt sich ein Ausgabenvolumen von 556 725 Euro für den LPV für 2019/20.

 
Autor

Katrin Lyda
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
14. 03. 2019
19:30 Uhr

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Katrin Lyda

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14. 03. 2019
19:30 Uhr



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