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Coburg

Neun Euro Pfand für den Kasten

Bislang beträgt das Pfand bei der Kiste Bier 3,10 Euro. Aber sie ist mehr wert. Kommt sie nicht zurück, legt der Brauer drauf. Die Brauerei Grosch will das jetzt ändern.



So wünscht sich Christof Pilarzyk seine Kästen bei der Rückgabe: Bestückt den Flaschen, die in den Kasten gehören. Weil das immer öfter nicht klappt, unternimmt die Rödentaler Brauerei Grosch jetzt einen Vorstoß und erhöht beim Victoria-Hellen und dem Malztrunk das Pfand auf 9 Euro.	Foto: M. Fleischmann
So wünscht sich Christof Pilarzyk seine Kästen bei der Rückgabe: Bestückt den Flaschen, die in den Kasten gehören. Weil das immer öfter nicht klappt, unternimmt die Rödentaler Brauerei Grosch jetzt einen Vorstoß und erhöht beim Victoria-Hellen und dem Malztrunk das Pfand auf 9 Euro. Foto: M. Fleischmann  

Rödental - Wenn ihre Bierkästen leergetrunken werden, müsste das die Brauerei Grosch in Rödental eigentlich freuen. Aber das gilt nicht immer. Wenn die Kästen bestückt mit unterschiedlichen Flaschen-Typen zurückkommen oder gar ohne Flaschen, macht die Brauerei Verlust. Kerstin und Christof Pilarzyk wollen das nicht länger hinnehmen.

"Das ist ein dringendes Problem", sagt Christof Pilarzyk, der auch Mitbegründer und Vorstandsmitglied von Bierland Oberfranken ist, "wir schauen seit Jahren nur zu." Für den Kasten mit gängigen Bierflaschen zahlt der Kunde 3,10 Euro Pfand. Pro Flasche sind 8 Cent fällig, für den leeren Plastikkasten 1,50 Euro. Aber kleine Brauereien wie der Grosch kaufen den leeren Kasten für rund sechs Euro ein, wie Pilarzyk darlegt, und die einzelne Flasche für rund 20 Cent. Macht zusammen rund zehn Euro beim Einkauf. Das mit den 3,10 Euro Pfand funktioniert nur, wenn die Kästen immer mit den passenden Flaschen zurückkehren.

Aber diese Zeiten sind lange her. Erst in der letzten Woche habe er vom Handel 80 leere Kästen erhalten, oftmals seien die Kästen auch wahllos mit unterschiedlichsten Flaschen bestückt. Die müssten mühsam sortiert werden, beim Grosch habe man eigens dafür einen Mitarbeiter eingestellt, was zudem Kosten verursacht. Etwa 8000 Kästen hat die Brauerei Grosch im Umlauf. Weil Kästen nicht ewig halten, kaufte der Grosch in der Vergangenheit im Schnitt pro Jahr 500 nach. Mittlerweile seien es 1000 bis 1500 pro Jahr..

"Da ist Gefahr im Verzug", erklärt Grosch. Das niedrige Pfand verleite offenbar zur Schlampigkeit. Bei jedem Spaziergang entdecke er leere Bierflaschen in der Natur, Kästen würden zweckentfremdet, etwa als Schemel bei Malerarbeiten oder zum Bau einer Bar. Dabei bedeute Pfand eigentlich: Flaschen und Kästen sind Eigentum des Brauers.

"Das Pfand für Bierkästen befindet sich seit 40 Jahren auf diesem Niveau", sagt Georg Rittmeyer, Präsident der Privaten Brauereien Bayerns, der extra nach Rödental gekommen ist, um den Vorstoß der Pilarzyks gegen "ruinöses Pfand-Dumping" zu unterstützen. Damals sei das ausreichend gewesen, zudem habe sich das Problem mit immer mehr Individualflaschen nicht gestellt. Was der Brauer-Präsident nicht versteht: "Auf Einwegplastikflaschen beträgt das Pfand 25 Cent. Wie kann es sein, dass auf Müll ein höheres Pfand verlangt wird als auf Mehrwegbierflaschen?" Die Folge: Früher lagen Plastikflaschen in der Natur, heute vor allem Mehrwegflaschen. Besonders sauer stößt es Rittmayer auf, dass etwa Supermärkte in Hamburg Kästen von oberfränkischen Brauereien annehmen und diese dann schreddern lassen. Das Plastikgranunlat bringe pro Kasten 1,30 Euro, da lohne sich die Rückgabe überhaupt nicht.

Die Brauerei Grosch übernimmt jetzt die Vorreiterrolle beim Pfand, auch damit Mehrweg weiter eine Chance hat. Für Kästen Victoria-Helles und Malztrunk, beide in 0,33 Flaschen, verlangt sie neun Euro Pfand. "Wir sind das kleine gallische Dorf", meint Pilarzyk in Anspielung auf Asterix und Obelix. Zumindest in Bamberg hat das gallische Dorf eine Außenstelle, die Brauerei Mahr erhebt für Kästen mit 033er- und 0,25er Flaschen schon länger neun Euro Pfand.

Victoria-Helles und Malztrunk gibt es direkt in Rödental und in zwei kleinen Getränkemärkten. Die Brauerei hofft, dass auch große Getränkemärkte mitziehen, diese stäubten sich bislang gegen ein für Brauer faires Pfand. Flankierend dazu drehte der Grosch einen erklärenden Film, der via Facebook schon über 50 000 Mal geklickt wurde. Die Brauerei bekomme viel Verständnis für den Pfand-Vorstoß.

Laut Georg Rittmayer haben große Brauereien kaum Interesse an einem höheren Pfand, denen sei Leergut "ziemlich egal". Der Präsident der Privaten Brauereien strebt dennoch bis Jahresende eine Entscheidung an. Nach der Braumesse im Herbst sollen die Weichen Richtung Erhöhung gestellt werden. Ziel: Zehn Euro für den Kasten mit Kronkorken-Flaschen, elf Euro bei Bügelverschluss. Zudem gebe es eine Kampagne "Bring mich zurück in mein Bett". Gebe es bayernweit keine Einigung , kündigt Rittmayer einen fränkischen Alleingang an. Er habe Zusagen von 43 Brauereien aus dem fränkischen Raum. Dr. Bernd Sauer, Geschäftsführer von Bierland Oberfranken, spricht von einer wichtigen Aktion: "Der Verbraucher , der seinen Kasten zurückbringt, hat keinen Schaden."

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Martin Fleischmann

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Veröffentlicht am:
26. 07. 2019
15:34 Uhr

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26. 07. 2019
15:34 Uhr



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