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Coburg

Neustadter Kinderfest: Ganz viel Tradition und ein paar Änderungen

Das Neustadter Kinderfest findet nun schon zum 471. Mal statt. Über die Jahre hat sich das Fest gewandelt, ist im Kern aber bestehen geblieben. Auch heuer gibt es Neuerungen.



Der Festzug des Kinderfestes geht heuer neue Wege.
Der Festzug des Kinderfestes geht heuer neue Wege.   » zu den Bildern

Neustadt - Mit kaum einem Fest in der Region identifizieren sich die Neustadter so stark wie mit dem Kinderfest. Zu Recht sprechen die Einheimischen dabei von "ihrem Nationalfeiertag" und feiern ihr Fest der Feste bereits zum 471. Mal. "Dabei soll man Bewährtes wohl nicht ändern", blickt Kulturbürgermeister Martin Stingl auf das Festwochenende, das gleich drei Feiern vereint. Er spricht von einer Tradition, die seit 1548 mit dem Kinderfest gepflegt wird.

Doch auch bei einem der ältesten Feste im Landkreis gibt es immer wieder Nuancen, die angepasst werden müssen. "In diesem Jahr haben wir zwei große Änderungen zu verzeichnen", erläutert Stingl. "Zum einen finden alle drei Veranstaltungen des Festwochenendes, also die Neifeier, das Kinderfest und das Marktfest auf dem Schützenplatz statt." Dies sei dem Marktplatzumbau geschuldet, der wegen der laufenden Bauarbeiten nicht vollständig zur Verfügung stehe. "Wir können das als Stadt rein versicherungstechnisch nicht erlauben und zudem würde er natürlich nur teilweise nutzbar sein", ergänzt Stingl. Der Schützenplatz sei aber kein so schlechter Ausweichort: "Für uns war es wichtig, dass alles zentral ist und wir eine Lösung für alle drei Feiern anbieten können. Und das können wir mit dem Schützenplatz eben. Außerdem ist das Ambiente schon schön", meint Stingl.

Für den Kinderfest-Abend hat die Stadt eine weitere Live-Band engagiert: "Stef White & the Soulshaker" werden von 17.30 bis 21.30 Uhr einheizen. "Ab 2021 findet das Fest natürlich wieder auf dem Marktplatz statt", verspricht Stingl. Neben der neuen Location ändert sich die Streckenführung des Festumzugs am Samstag: "Wir werden den Marktplatz im Bereich des Marktbrunnens streifen, denn der Festzug kommt von der Rosengasse über die Brunnenstraße und biegt über den Steinweg auf den herkömmlichen Streckenverlauf ein", erklärt Stingl. Ansonsten, so Stingl, bleibe alles beim Alten: drei Blöcke mit Neifeier am heutigen Freitag, dem Kinderfest am Samstag und dem Marktfest am Sonntag.

Und danach wird Stingl mit seinem Team ein wenig durchschnaufen können. Denn mit dem "Tag der Franken" war in diesem Jahr noch ein ganz großer kultureller Veranstaltungsbrocken zu schultern, ehe man sich dem Kinderfestwochenende widmen konnte. Das Kulturreferat hat also Höchstleistungen zu vollbringen, was man daran sieht, dass rund 40 Veranstaltungen pro Jahr zu stemmen sind. "Und gerade ab Mai, wenn das Internationale Puppenfestival läuft, geht es Schlag auf Schlag", weiß André Röttger, Bereichsleiter Kultur, Sport, Tourismus.

Für die Geschichte des Kinderfests ist Heimatpflegerin Isolde Kalter zuständig: "Offiziell erwähnt wurde es nämlich schon im Jahre 1548. Obwohl die Ursprünge solcher Kinderfeste bis ins neunte Jahrhundert zurückreichen." Das Kinderfest geht auf das Gregoriusfest zurück, das angeblich Papst Gregor IV. zu Ehren von Gregor I. im Jahr 830 gestiftet haben soll. Gregor I. setzte sich für die Schulbildung der Jugend ein. Die Feier fand am Namenstag von Gregor, dem 12. März, statt. Von Anfang an gehörte ein Umzug dazu, der durch die Straßen der Stadt führte, unter "Vortragung von Stangen mit Brezeln und Zuckerbäumen", und auf dem Anger endete, wo es Spiele und Tänze gab. Später endete der Umzug im Grünen Tal oder im Schützenhaus. Der "Rutscher ist ein Zwiefacher, also ein Tanz auf zwei verschiedene Takte", erklärt Kalter und ergänzt schmunzelnd: "Ist wohl ein recht alter Tanz, der zunächst von Erwachsenen getanzt wurde - mit entsprechenden Texten, die nicht jugendfrei waren." Im 19. Jahrhundert "redigierten" die Lehrer den Text in für Kinder passender Weise zu der alten Melodie, wobei ihre Version des zweiten Teils "Dreh dich im Tanz mit mir…" von den Bürgern nicht angenommen wurde. Heute, weiß Kalter, heißt es "juckt mich mei Kreuzola, juckt mich mei Zehola, juckt mich mei Kreuzola, juckt mich mei Zeh." Außerdem gehörte die Aufführung von Komödien zum Fest. "Dem haben wir auch die erste Erwähnung des Festes zu verdanken, denn in der Stadtrechnung wird festgestellt, dass 1548 der Schulmeister etwas Geld zur Verehrung für die Aufführung der Komödie erhielt", erklärt Kalte. Die Komödien wurden nach dem Dreißigjährigen Krieg nicht mehr aufgeführt. Es handelte sich nicht nur um eine schulische, sondern auch eine kirchliche Feier - auch nach der Reformation. Der Besuch einer Predigt zum Abschluss war obligatorisch.

Auch in die Kirchenordnung des protestantischen Herzogtums Sachsen-Coburg fand es seinen Einzug, die 1626 bestimmte, dass das "Festum Gregorii" oder Schulfest jährlich mit einer "Procession" und der Verteilung von Brezeln und Zuckerwerk zu halten sei. Hundert Jahre später erregte sich der Römhilder Diaconus Wetzel heftig über die Bräuche am Gregoriusfest, insbesondere die Verkleidung von Knaben als "Bischof" und "Pfarrer", aber auch über das oben erwähnte Mahl: "Nach geendigtem Gottesdienst wird aus dem Bischofs-Fest ein Bacchus-Fest", zürnte Wetzel. Bei dem "Schmäußchen", das der Vater des "Bischofs" ausrichten musste, trank sich dann so mancher ein "christliches Räuschchen" an. Doch das Fest der Kinder hatte auch einen eifrigen Verteidiger im wichtigsten Autor zum protestantischen Kirchenrecht seiner Zeit, Benedict Carpzov. 1649 hatte er in seinem wichtigsten Werk das sächsische Oberkonsistorium (die oberste kirchliche Behörde) zitiert: "Ihr wollet die Schüler ihr Gregorianer-Fest dem Herkommen nach, und wie es vorhin gebräuchlich gewesen, unverhindert halten lassen." Die Schüler in Coburg, Neustadt und Umgebung dankten es ihm mit dem Spruch "Es leb der Herr von Katzenkopf", der sich lange hielt, obwohl man den Sinn nicht mehr verstand. "Der Termin des Festes wechselte, lag anfangs um Ende März/Anfang April, dann vor Pfingsten, seit 1678 regelmäßig am dritten Pfingstfeiertag. Um 1850 wurde es auf den Montag nach Trinitatis verlegt. Seit 1973 wird es am Sonnabend der vorletzten Schulwoche gefeiert", erklärt Kalter. Peter Jühling, Werkleiter von Siemens von 1961 bis 1987, sagte einmal dazu: "Auf meine Initiative wurde das Kinderfest von Montag auf Samstag verlegt, da die Belegschaft montags einfach nicht zur Arbeit kam." Mit dem neuen Volksschulgesetz von 1874 fiel das Examen in der Kirche ebenso wie die Kinderpredigt weg. Ab 1884 gab es turnerische Vorführungen der Knaben und Reigentänze der Mädchen. Festwagen gibt es seit 1947. In Kriegszeiten sowie bei Landestrauer fiel das Kinderfest meistens aus.

Hat man in der ehemals herzoglichen Residenzstadt Coburg das jährliche Gregoriusfest seit 1970 eingestellt, so halten die Neustadter an der Tradition fest. Es ist, wie der frühere Rektor der Volksschule Heubischer Straße, Günther Bretschneider, in seinem Buch "Die Geschichte des Neustadter Kinderfestes" geschrieben hat, "gewiss erstaunlich, dass sich das Gregorius-Fest, heute als Kinderfest bezeichnet, über die Reformationszeit, den verheerenden Dreißigjährigen Krieg, die sozialen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts und die beiden Weltkriege hinweg bis in unsere Gegenwart erhalten hat". Übrigens: Für Samstag, 14. Juli, ist weiß-blauer Himmel bei angenehmen 28 Grad angekündigt.

Das Programm

Freitag : Eine Tradition wird seit ein paar Jahren wiederbelebt. Denn bereits am Freitagabend wird unterhalb der Stadtkirche St. Georg in das Kinderfest "nei’gfeiert". Am heutigen Freitag, 19. Juli, begrüßt die "Neifeier" die Besucher dieses Jahr in Zusammenarbeit mit der Kulmbacher Brauerei und der Zuckerbäckerei Weiß. Ab 19 Uhr läutet die regionale Band "Faltnrock" das Kinderfestwochenende würdig ein.

 

Samstag : Jetzt geht es richtig los. Das 471. Kinderfest (seit 1548) beginnt mit dem traditionellen musikalischen Weckruf ab 6 Uhr. Um 13 Uhr folgt der große Festumzug mit Schülern der Neustadter Schulen, der Puppenfee und zahlreichen Musikkapellen durch die Innenstadt. Im Anschluss auf dem Schützenplatz: Staffeln, Freiübungen und Tänze. Für Volksfestatmosphäre sorgen die Schaustellerfamilie Weiß mit ihren Fahrgeschäften sowie die Stadtkapelle Neustadt und der Musikvereins Thurnau. Erstmals wird eine Live-Band von 17.30 bis 21.30 Uhr für Stimmung sorgen: "Stef White & the Soulshaker".

 

Sonntag: Das Marktfest bildet den Abschluss des Kinderfestwochenendes. Von 10 bis 11 Uhr findet ein Gottesdienst auf der Festbühne statt. Traditionell zur Frühschoppenzeit werden ab 11 Uhr die Stadtkapelle Neustadt und im Anschluss ab 13 Uhr das Jugendorchester Neustadt auftreten. Die Stimmungsband "Moonlight" rundet von 15 bis 23 Uhr das musikalische Programm ab.

Autor

Peter Tischer
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Veröffentlicht am:
19. 07. 2019
00:00 Uhr

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Peter Tischer

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Veröffentlicht am:
19. 07. 2019
00:00 Uhr



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