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Coburg

Obdachlose bleiben länger

Der Sozialsenat informiert sich über die Bereiche Wohnungslosigkeit, Schuldnerberatung und Mehrgenerationenhaus. Dort könnten Events ausgegliedert werden.



Coburg - Rückblicke auf das vergangene Jahr dominierten die jüngste Sitzung des Coburger Sozialsenates. So ließ sich das Gremium über die Arbeit in den Bereichen Wohnungslosenhilfe, Schuldnerberatung und die Aktivitäten im AWO-Mehrgenerationenhaus "Treff am Bürglaßschlösschen" informieren.

Für die Obdachlosenherberge zeichnet der Caritasverband Coburg verantwortlich. Dessen Geschäftsführer Norbert Hartz erklärte, dass nichtsesshafte oder wohnungslose Personen nach Einweisung durch die Polizei oder das Sozialamt die Möglichkeit haben, in der Herberge zu übernachten. Auch wenn in der Stadt Coburg der Grundsatz besteht, dass die Unterkunft nur zur Übernachtung zur Verfügung steht, sind offensichtlich eher Ausnahmen die Regel. So ist die Zahl der Menschen, die dieses Angebot in Anspruch genommen haben, zwar von 37 im Jahr 2018 auf 25 im vergangenen Jahr gesunken, die Zahl der Übernachtungen stieg aber drastisch auf 2036 an. So musste die Caritas bei vier Personen mehr als 180 Tage Verweildauer verzeichnen. Weitere vier Personen nutzen die Herberge für rund 90 Tage als Bleibe.

Die lange Aufenthaltsdauer führte Norbert Hartz auf enorme Vermittlungshemmnisse zurück, die ihren Grund in psychischen oder physischen Problemlagen, gepaart mit Suchtproblematiken, haben. "Dies bereitet uns große Sorgen", betonte Norbert Hartz. Den Stadträten verdeutlichte er, dass es sich bei Unterkunft um keine Wohnungen handelt, sondern eben um Notunterkünfte, die zwar sauber und zweckmäßig eingerichtet, aber nicht für die dauerhafte Nutzung ausgelegt sind. Umsonst sei der Aufenthalt in der Herberge nicht. Die Bewohner müssen zehn Euro pro Tag entrichten, die sie im Notfall über das Job-Center erhalten.

Ein Alarmsignal sei es, dass immer mehr Menschen Beratungsstellen aufsuchen, da ihnen durch Mietrückstände die Obdachlosigkeit droht. Leider, so Hartz, suchten Betroffene nicht immer rechtzeitig Hilfe. Coburgs Sozialbürgermeister, Thomas Nowak stellte fest: "Die beste Wohnungslosenhilfe ist es, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen". Ebenfalls unter der Verantwortung der Caritas steht die Schuldnerberatung. Norbert Hartz gab einen Abriss über das vielfältige Aufgabenspektrum der Einrichtung. Der Bogen spannt sich demnach von der Basisberatung, über existenzsichernde Maßnahmen und Entschuldung bis hin der psychosozialen Betreuung. Auch in Präventionsarbeit werde wichtige Arbeit geleistet. Norbert Hartz verwies in diesem Zusammenhang auf Angebote der Beratungsstelle für Bildungsträger und Schulen.

Im Kalenderjahr 2019 nahmen demnach knapp 750 Klienten die Angebote der Schuldnerberatung wahr. Auffallend war nach Worten von Norbert Hartz, das mit 49 Prozent fast die Hälfte aller Ratsuchenden Bezieher eines geregelten Einkommens waren. "Hier wird deutlich, dass ein niedriges Lohnniveau neben der Arbeitslosigkeit ein weiteres Verschuldungsrisiko darstellt", so der Caritas- Geschäftsführer. Weitere Ursachen seien oft Trennung, Krankheit und niedrige oder fehlende Finanzkompetenz. Deutlich führte Hartz vor Augen, dass sich der prozentuale Anteil des Einkommens, der für Wohnkosten aufgewendet werden muss, in den vergangenen Jahren deutlich erhöht hat. "Perspektivisch gehen wir davon aus, dass sich die Auswirkungen der Corona Krise in Form von erhöhtem Beratungsbedarf widerspiegeln wird".

Aus dem sozialen Gefüge der Stadt Coburg sei der "Treff am Bürglaßschlösschen" nicht mehr wegzudenken. Die Leiterin der Einrichtung, Johanna Thomack, informierte den Sozialsenat ausführlich über die zahlreichen Aktivitäten, die die Einrichtung im vergangenen Jahr durchführte. An 2007 Veranstaltungen konnten rund 17 200 Teilnehmer begrüßt werden. Das Angebot im Treff Mittag zu essen nahmen rund 6280 Personen wahr. Deutlich machte sie, dass das Angebot durch das Engagement von insgesamt knapp 330 ehrenamtlichen Helfern möglich ist.

Finanziert wird die Einrichtung durch die Stadt Coburg (125 000 Euro), Bundesmittel (20 000 Euro) sowie einem Zuschuss des AWO-Bezirksverbandes von mindestens zehn Prozent der jeweiligen Aufwendungen. Von der Firma Brose kam zudem im vergangen Jahr eine Spende in Höhe von 20 000 Euro. Thomas Nowak verdeutlichte, das im "Treff am Bürglaßschlösschen" überaus viel mit einem überschaubaren Finanzrahmen geleistet werde. Klar ist für ihn, dass man am Bürglaß an Kapazitätsgrenzen stößt. Eine Lösung des Problems sieht er darin, Veranstaltungen mehr in die Stadtteile zu verlegen.

Autor

Martin Rebhan
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Veröffentlicht am:
16. 10. 2020
15:42 Uhr

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Autor

Martin Rebhan

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Veröffentlicht am:
16. 10. 2020
15:42 Uhr



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